Pokkémon: Nintendos virtuelle Monsterjagd

Wir schreiben das Jahr 1996. Zum ersten Mal tauchen „Pokémon“, also Taschenmonster, in einem Nintendo-Spiel für die hauseigene Konsole auf. Sie tragen seltsame Namen wie Traumato oder Magnetilo und sind darauf versessen, untereinander ihre Kräfte zu messen. Unter den mehr als 700 verschiedenen Fantasiefiguren dürfte Pikachu – ein kleines gelbes Monster mit einem Schwanz in der Form eines Blitzes – das beliebteste sein. Mithilfe weiß-roter Bälle werden sie durch den Spieler eingefangen, danach trainiert und ausgebildet. Weltweit entwickelte sich eine gewaltige Fangemeinde. Neben den Videospielen blüht das Geschäft mit Sammelkarten und zahlreichen Fanartikeln von Plüschfiguren bis Brotdosen.

Pokémon: Nintendos virtuelle Monsterjagd

ZURÜCK IN DIE GEGENWART

20 Jahre später haben sich die Spielgewohnheiten der Nutzer zunehmend auf das Smartphone verlagert. Ein mehr als nachvollziehbarer Grund für Nintendo, im Juli 2016 das Online-Spiel „Pokémon Go“, das eine Verbindung zwischen der echten und der virtuellen Welt darstellt, anzubieten. Schließlich hat sich Nintendo jahrzehntelang vor der Entwicklung von Spielen für fremde Plattformen gesträubt. Auch hier geht es darum, die kleinen Monster einzufangen und gegeneinander antreten zu lassen. Das Besondere an der Neuauflage ist die GPS-Standort-Erkennung auf dem Smartphone. Virtuelle Pokémon verstecken sich an verschiedenen Orten weltweit. Auf dem Smartphone-Display sind sie nur sichtbar, wenn der Spieler in der Nähe ist. Das Einfangen wird mit Bonbons und Sternenstaub belohnt, was wiederum für die Ausbildung der Pokémon genutzt werden kann. Mithilfe von Erfahrungspunkten steigt das Ansehen des Spielerprofils und schaltet zusätzliche Funktionen frei. Letztlich treten Spieler ab Level 5 einem der drei überregionalen Teams bei und nehmen an Wettkämpfen teil. Übrigens, auch an abgelegenen Orten wie der Antarktis können die kleinen Monster eingefangen werden.

HÖHENFLUG UND LANDUNG

Dem unerwartet großen und weltweiten Erfolg zur Premiere von „Pokémon Go“ folgte eine tagelange Kursrally der Nintendo-Aktie, wodurch sich der Wert des japanischen Unternehmens auf rund 38 Milliarden Euro (oder 42 Milliarden Dollar) mehr als verdoppelte. Damit überflügelte Nintendo in puncto Marktkapitalisierung sogar das japanische Schwergewicht Sony.

Auf die Kursexplosion folgte schließlich am 25. Juli 2016 der stärkste Tagesverlust der Nintendo-Aktie seit 26 Jahren – knapp 18 Prozent. Dabei wechselten fast fünf Mal so viele Nintendo-Papiere den Besitzer wie an einem durchschnittlichen Handelstag. Diesen Absturz lediglich mit Gewinnmitnahmen der Aktionäre oder Serverproblemen bei der Spieleinführung in Japan zu begründen, dürfte zu einfach sein. Fraglich ist unter anderem, ob die immense Steigerung des Nintendo-Börsenwertes nach der Veröffentlichung von „Pokémon Go“ überhaupt gerechtfertigt war. So sehr sich das Spiel auf eine Fantasiewelt bezieht, so wenig lässt es sich jedoch mit der wirtschaftlichen Realität des Konzerns vereinen. Im ersten Geschäftsquartal 2016/2017 (April bis Ende Juni) erlitt der Nintendo-Konzern einen operativen Verlust von etwa 44 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum lag das Ergebnis mit knapp zehn Millionen Euro noch im Plus. Als Grund für die ernüchternden Quartalszahlen wurde insbesondere der starke Yen genannt. Dennoch hält Nintendo an der Jahresprognose fest und geht weiterhin davon aus, dass der operative Gewinn im Geschäftsjahr 2016/2017 um 37 Prozent auf rund 388 Millionen Euro steigt.

ATTRAKTIVITÄT BEIBEHALTEN

So ist beispielsweise unklar, in welchem Verhältnis sich die Umsätze des Smartphone-Spiels auf die Beteiligten, nämlich den amerikanischen Entwickler Niantic, ein Spin-off der Google-Konzernholding Alphabet, weitere Investoren und The Pokémon Company verteilen. Letztere ist zwar eine 32-prozentige Nintendo-Beteiligung, aber aufgrund spezifischer wirtschaftlicher Verflechtungen ist nur mit einer begrenzten Auswirkung auf die eigenen Zahlen zu rechnen. Nintendo selbst sieht jedenfalls derzeit keine Notwendigkeit, den Geschäftsausblick seit dem Spielestart positiver zu bewerten. Auch wenn der Download des Online-Spiels in den App-Stores von Apple und Google kostenfrei möglich ist, werden Umsätze durch sogenannte In-App-Käufe seitens der Spieler getätigt. Wie hoch der Umsatz ausfallen kann, steht noch in den Sternen. Immerhin wurde das Spiel innerhalb der ersten 19 Tage weltweit mehr als 75 Millionen Mal heruntergeladen. Nach Aussage zahlreicher Analysten müsse die Zahl der Nutzer über einen längeren Zeitpunkt bei mehreren Millionen liegen, damit sich dies auch in den Geschäftszahlen von Nintendo nachhaltig bemerkbar machen könne. Schließlich kann ein Spiel auch sehr schnell wieder zum alten Eisen gehören und ebenso rasant, wie es emporkam, durch ein anderes Spiel verdrängt und unattraktiv werden.

Nintendo-Aktie

ANALYSTENEINSCHÄTZUNGEN

Genauso breit wie die Palette der Nintendo-Spielewelt zeigen sich auch die derzeitigen Einschätzungen der Wertpapieranalysten: Während die einen von einem weiteren Anstieg ausgehen, trauen die anderen der Aktie vorerst keine weiteren Höhensprünge zu. Mit 196,90 Euro notierte sie am

17. August 2016 allerdings immer noch gut 56 Prozent über dem Wert vor Start des Spiels in der ersten Juliwoche.

MIT ZERTIFIKATEN INVESTIEREN

Anleger, die sich die hohe Volatilität der Nintendo-Aktie zunutze machen möchten, könnten einen weiß-roten Pokémon-Ball auf eines der neuen Discount-Zertifikate der Deutschen Bank werfen. Gegenüber der Direktanlage in die Aktie ermöglichen Discount-Zertifikate den Einstieg mit einem Abschlag (siehe Tabelle). Dafür nimmt der Anleger der nicht wechselkursgesicherten Zertifikate bei einem Anstieg des Basiswerts nur bis zum Cap teil. Liegt der Referenzpreis unterhalb des jeweiligen Caps, erhalten Anleger einen Betrag, der von der Wertentwicklung der Aktie abhängt.

Neben dem reichhaltigen Betätigungsfeld in ein Discount-Zertifikat auf Nintendo ermöglicht das Solactive Electronic Gaming-Index-Zertifikat (WKN DL9GAM) die Partizipation an 20 verschiedenen Unternehmen, die in der Spielebranche tätig sind. Im Index enthalten sind beispielsweise viele asiatische und amerikanische Werte wie Electronic Arts, Konami, Microsoft, Logitech, Sony und natürlich auch Nintendo. Das noch junge Performance-Index-Zertifikat (siehe Produkttabelle auf Seite 22) hat keine Laufzeitbegrenzung und eignet sich insbesondere für Privatanleger, die mit einer weiterhin nachhaltig positiven Entwicklung der Gaming-Branche rechnen.

VORHANDENE POTENZIALE

Auch wenn der kurzfristige Effekt des Augmented-Reality-Spiels überschaubar bleiben sollte, hat Nintendo mittelfristig genügend Taschenmonster im Portfolio, um vom Erfolg der Spiele-App „Pokémon Go“ nennenswert zu profitieren. So plant Nintendo unter anderem den Verkauf einer speziellen mobilen Konsole, auf der das Spiel auch im Hinblick auf die Akkuleistung besser laufen soll als auf einem Smartphone. Zudem könnte sich der neue Pokémon-Erfolg auch auf andere Produkte der Japaner auswirken.

Um neue Zielgruppen für seine Plattformen zu erschließen, ist Nintendo bereits eine Partnerschaft mit dem Mobile-Gaming-Unternehmen DeNA eingegangen. Künftig sollen Mario, Yoshi & Co. auf Geräten wie dem iPhone oder diversen Tablets spielbar sein und völlig neue Erfahrungen bieten. Eine simple Kopie der Klassiker soll es demnach nicht geben. Es gilt, die Nutzer dauerhaft bei Laune zu halten und die jetzt gesammelten Erfahrungen in die Weiterentwicklung neuer Spiele zu integrieren sowie den Imagegewinn für den Verkauf von Hardware zu nutzen.

Letztlich hat Nintendo mit „Pokémon Go“ unterstrichen, wie viel Potenzial in den Marken des Konzerns steckt.

Auf einen Blick
Produkt Performance-Index-Zertifikat
WKN DL9GAM
Basiswert Solactive Electronic Gaming-Index
Index-Berechnung Solactive AG
Managementgebühr 1,5% p.a.
Emissionstag 27. Juli 2016
Laufzeit Endlos
Kurs 98,04 EUR

Stand: 17.08.2016, Quelle: Solactive AG

Zum Produkt

Auch wenn der kurzfristige Effekt des Augmented-Reality-Spiels überschaubar bleiben sollte, hat Nintendo mittelfristig genügend Taschenmonster im Portfolio, um vom Erfolg der Spiele-App „Pokémon Go“ nennenswert zu profitieren. So plant Nintendo unter anderem den Verkauf einer speziellen mobilen Konsole, auf der das Spiel auch im Hinblick auf die Akkuleistung besser laufen soll als auf einem Smartphone. Zudem könnte sich der neue Pokémon-Erfolg auch auf andere Produkte der Japaner auswirken.

Um neue Zielgruppen für seine Plattformen zu erschließen, ist Nintendo bereits eine Partnerschaft mit dem Mobile-Gaming-Unternehmen DeNA eingegangen. Künftig sollen Mario, Yoshi & Co. auf Geräten wie dem iPhone oder diversen Tablets spielbar sein und völlig neue Erfahrungen bieten. Eine simple Kopie der Klassiker soll es demnach nicht geben. Es gilt, die Nutzer dauerhaft bei Laune zu halten und die jetzt gesammelten Erfahrungen in die Weiterentwicklung neuer Spiele zu integrieren sowie den Imagegewinn für den Verkauf von Hardware zu nutzen. Letztlich hat Nintendo mit „Pokémon Go“ unterstrichen, wie viel Potenzial in den Marken des Konzerns steckt.

Discount-Zertifikate auf Nintendo

WKN Cap Quanto Discount Seitwärtsrendite p. a. Max. Rendite p. a. Laufzeit Kurs
DL5Z37 28.000,00 JPY Nein 2,47 % 7,73 % 86,64 % 08.12.16 192,06 EUR
DL5Z33 25.000,00 JPY Nein 2,76 % 16,46 % 86,95 % 13.10.16 191,51 EUR
DL5Z38 25.000,00 JPY Nein 5,07 % 16,30 % 54,24 % 08.12.16 186,95 EUR
DL5Z3D 25.000,00 JPY Nein 7,52 % 14,01 % 36,01 % 09.03.17 182,14 EUR
DL5Z39 22.000,00 JPY Nein 9,98 % 28,37 % 28,37 % 08.12.16 177,27 EUR
DL5Z3E 22.000,00 JPY Nein 12,50 % 21,43 % 21,43 % 09.03.17 172,32 EUR
DL5Z3A 20.000,00 JPY Nein 15,00 % 15,97 % 15,97 % 08.12.16 167,37 EUR
Stand 17.08.2016 Quelle: Deutsche Bank AG

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