Rohstoffe: Rückkehr zu altem Glanze?

Kaum war die Fußball-Europameisterschaft beendet, ging es mit den Olympischen Spielen weiter. Dort gab es 306 Entscheidungen, was auch mindestens 306 Goldmedaillen bedeutet. Tatsächlich sind es sogar deutlich mehr, denn natürlich bekommt jeder Teilnehmer einer Teamsportart eine eigene Medaille. Zwar sind die Spiele für das Internationale Olympische Komitee sicherlich eine lukrative Angelegenheit, das wäre aber wahrscheinlich anders, wenn die doch recht schweren Goldmedaillen wirklich aus purem Gold bestünden. Aber es sind gerade einmal sechs Gramm Gold, mit denen die ansonsten hauptsächlich aus Silber bestehenden Medaillen überzogen sind. Eigentlich eine kleine Frechheit, handelt es sich dabei ja quasi um „Golddoping“.

GOLDMEDAILLE FÜR SILBER

Verstehen kann man das, denn die Spiele wären sonst noch teurer als ohnehin schon. Trotzdem lohnt es sich dieses Jahr beileibe nicht nur ideell, bei den Olympischen Spielen auf dem Treppchen zu landen: Mit Ausnahme schwer zu handelnder Aktienindizes in Brasilien, Venezuela oder Russland gab es im bisherigen Jahresverlauf nämlich so gut wie keine bessere Anlagealternative als Gold und Silber. Wer zu Jahresbeginn Gold bei 1060 Dollar/Unze erworben hat, konnte sich Mitte August bei einem Kursniveau von circa 1350 Dollar/Unze glücklich schätzen. Wobei prozentual gesehen Silber mit einem Kursanstieg von 13,75 Dollar/Unze auf 19,50 Dollar/Unze Mitte August dem güldenen Metall sogar noch die, nun ja, Goldmedaille entreißen konnte. Auch die „Schwestermetalle“ Platin und Palladium glänzen bis dato mit beeindruckenden Kursgewinnen.

GRÜNDE FÜR DEN ANSTIEG

Was ist hier los? Bewegen sich die Metalle etwa allmählich zurück in Richtung ihrer alten Höchststände? Das denn nun doch nicht. Es sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass der Höchstkurs von Gold bei 1920 Dollar/Unze (September 2011) und der von Silber um 50 Dollar/Unze (Juni 2011) lag. Da hätten die beiden Matalle also noch eine ordentliche Wegstrecke vor sich. Dennoch: Kursgewinne um 25 respektive 35 Prozent in nur einem halben Jahr lassen aufhorchen.

Die Gründe für den Kursanstieg der Edelmetalle sind vielfältig. Einen Beitrag leistete vor allem die weltweite Nachfrage nach Gold, die in der ersten Jahreshälfte einen neuen Rekord erreichte: Sie lag bei 1064 Tonnen, teilte das World Gold Council mit. Das sind stolze 16 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2009, dem Höhepunkt der Finanzkrise. Der größte Teil der Nachfrage kam von börsengehandelten Gold- bzw. Indexfonds, also ETFs und ETCs auf Gold, nämlich 580 Tonnen.

Dazu kam zusätzliche Nachfrage, die zum Teil aus Versicherungsaspekten beziehungsweise der Suche nach sicheren Häfen entstand. Die Gründe sind schnell aufgezählt: die Krise auf den Ölmärkten, die Turbulenzen der chinesischen Aktienindizes im Frühjahr sowie die Unsicherheiten aufgrund des Brexit-Referendums in Großbritannien.

Zu einer erhöhten Nachfrage kam es auch aufgrund der lockeren Geldpolitik wichtiger Notenbanken wie der Bank of Japan, der Europäischen Zentralbank und der Bank of England. Auch die derzeitigen Niedrig- und Negativzinsen machen die Geldanlage in zinslose Sachwerte wie Gold attraktiver. Die amerikanische Notenbank Fed, die Anfang des Jahres noch vier Zinserhöhungen in diesem Jahr anpeilte, wird wohl kaum mehr als eine einzige vornehmen. Wenn überhaupt.

Aus diesem Grund hat der Dollar im Jahresverlauf sowohl gegen Währungen wichtiger gold- und silberproduzierender Länder wie Südafrika, Australien oder Kanada nachgegeben als auch gegen Währungen bedeutender Nachfrageländer wie Yen oder den Euro.

SICHERHEIT IST DAS GEBOT DER STUNDE

Alles in allem herrscht aktuell ein sehr günstiges Umfeld für Gold und Silber. Spannend ist natürlich die Frage, wie es nun weitergehen wird. Für eine Fortsetzung der Rally spricht unter anderem die Tatsache, dass beide Edelmetalle auch während der üblicherweise nachfrageschwachen Sommermonate Juli und August kaum gegenüber ihren „Nach-Brexit-Höchstständen“ nachgegeben haben. Und dies, obwohl gleichzeitig einige Aktienindizes neue Jahreshöchst- oder sogar Allzeit-Rekordstände, wie die drei Leitindizes in den USA, erzielen konnten.

Das ist stark. Und deutet darauf hin, dass viele Anleger den trotz kaum zulegenden Unternehmensgewinnen steigenden Aktienmärkten nicht richtig trauen. Sicherheit respektive eine kleine Versicherung für den Fall, dass die Aktienmärkte früher oder später doch einmal nach unten kippen, scheint für viele Investoren daher das Gebot der Stunde zu sein.

analysten sehen trend intakt

Wichtiger sollte jedoch für viele Anleger sein, dass der Teil des Portfolios, der aus Gold und Silber besteht, eine Versicherung gegen die vielfältigen politischen Risiken, die in den nächsten Monaten auf uns lauern, sein soll. Sei es das Referendum in Italien, die US-Präsidentschaftswahlen, die Spannungen mit Russland, die Putschfolgen in der Türkei oder die Wahlen im Jahr 2017 in Frankreich und Deutschland – die Welt erscheint etwas unsicherer als in den vergangenen Jahren. Und so lange sollten Gold und Silber auch eher nachgefragt bleiben. Gerade in Zeiten von Null- beziehunsgweise. Negativzinsen.

Der Anleger sollte allerdings nicht außer Acht lassen, dass nun viele Großinvestoren in Gold und Silber investiert sind, die ebenso schnell wieder aus ihren (Long-)Positionen aussteigen könnten. Und dass überraschend schnelle Zinserhöhungen beispielsweise der amerikanischen Notenbank und ein damit einhergehender höherer Kurs des Dollar für die Preise der beiden edlen Metalle von Nachteil wären. Es könnte also – in einem aktuell noch recht intakten Trend – durchaus zu Rückschlägen kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Metalle bis zum Jahresende zumindest in der Nähe der heutigen Niveaus handeln könnten, sieht die Mehrzahl aller Analysten dennoch als durchaus hoch an.

Wer diese Meinung teilt, kann mit X-pert-Zertifikaten der Deutschen Bank eins zu eins auf Gold und Silber setzen (siehe Tabelle auf Seite 30). Wer sich noch mehr zutraut, kann zu Faktor-Zertifikaten mit unterschiedlichen Hebeln mit Faktoren zwischen zwei und acht greifen – mehr dazu erfahren Interessierte unter www.xmarkets.de.

KOMMENTAR: STIMMUNGSTÖTER AUS NORWEGEN

Trotz aller Anstregungen blieb mir auch dieses Jahr olympisches Marathon-Gold versagt. Es ist also reine Enttäuschung, wenn es in diesen Zeilen ums Öl geht. Das war im Sommer nämlich nicht untätig. Im Juli gerieten die Preise stark unter Druck und näherten sich (Brent) respektive touchierten und unterschritten (WTI) die 40-Dollar/Barrel-Marke. Hierfür war wohl die Auflösung eines Teils der extrem zahlreichen und hohen Long-Positionen an den Terminmärkten verantwortlich. Anfang August war dann plötzlich Schluss mit der trüben Stimmung und die Preise legten die ganze Strecke, die sie sich nach unten bewegt hatten, wieder nach oben zurück. Hier glauben die Investoren mal wieder daran, dass es bei den für September anberaumten Gesprächen zwischen Russland, Saudi-Arabien und anderen Ölförderländern zu einem Durchbruch und somit zu Förderkürzungen kommen könnte. Aber auch dem optimistischsten Ölförderer mag die Urlaubslaune vergangen sein, als Norwegen Mitte August ankündigte, ab dem Jahr 2025 keine Diesel- und Benzinautos mehr zulassen zu wollen. Der „exitus letalis“ für Tankstellen und Benzinproduzenten? Gemach. Norwegen wird Verbrennungsmotoren nicht verbieten, aber Elektroautos weiter fördern. Das will unsere Bundesregierung ja auch. Allerdings gibt es hier das Problem fehlender Ladestationen. Wer einmal in Oslo gewesen ist, weiß, dass die dort quasi im Meterabstand zu finden sind. Hierzulande nimmt jedoch das Verhältnis zugelassener Elektroautos zu öffentlichen Ladestationen eher ab. Ganz ehrlich gesagt wüsste ich nicht, wo ich so etwas hier in Frankfurt fände. Und da ein Elektroauto, das nicht aufgeladen werden kann, irgendwie nutzlos ist, sollte es nicht weiter verwundern, wenn wir hierzulande noch lange Benziner auf den Straßen sehen werden. Entwarnung also zunächst einmal für die Ölscheichs. Und die Preise für das schwarze Gold können sogar weiter steigen. So lange zumindest, bis in den USA die Anzahl der aktiven Bohrlöcher und somit die Ölproduktion wieder signifikant erhöht wird. Und wir können so lange mal abwarten, ob nach den oben erwähnten Gesprächen zwischen Russland, Saudi-Arabien und dem Rest der Ölwelt diesmal greifbare Ergebnisse verkündet werden.

X-pert-Zertifikate auf Gold und Silber

Basiswert WKN Quanto Kurs
Gold 722373 Nein 118,90
Gold DB0SEX Ja 114,04
Silber DB3XAG Nein 17,16
Silber DB2XAG Ja 16,52

Briefkurse vom 19.08.2016 in EUR, alle ohne Laufzeitbeschränkung, Quelle: Reuters

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