Kommentar | 28.10.2016

Kein goldener Oktober

Als eifrigen Leser der Tagespresse und ausgewiesenen Freund des Goldes hat es mich kürzlich gefreut, dass das edelste aller Metalle auch immer mehr im Rahmen der schönen Künste gebraucht wird.

So gibt es jetzt zum Beispiel im Guggenheim-Museum in New York eine voll funktionsfähige Toilette aus 18-karätigem Gold. Die Installation heißt „America“, kann und soll zwar benutzt werden, ist aber vor allem ein Kunstwerk des Italieners Maurizio Cattelan.

Bereits am ersten Tag bildeten sich lange Schlangen vor der Toilette. Laut einem Museumswärter darf immer nur eine Person allein die Toilette benutzen. Und – ganz wichtig – diese sei immer noch ein Kunstwerk, niemand dürfe die Brille hochklappen. In der „New York Times“ beteuerte Cattelan, dass er die goldene Toilette als voll und ganz ernstzunehmendes Kunstwerk betrachtet. „Es ist nicht meine Aufgabe, den Menschen zu sagen, was ein Werk bedeutet“, sagte er. „Aber ich glaube, dass die Menschen eine Bedeutung in diesem Werk sehen werden.“ Nun ja, ehrlich gesagt erschließt sich mir seine Intention noch nicht so ganz. Es sei denn, der Künstler wollte damit die Entwicklung des Goldpreises Anfang Oktober prophezeihen. Wurde der Goldpreis seit Ende Juni zwischen 1300 und 1380 Dollar/Unze gehandelt, so stürzte er am 4. Oktober unter die Marke von 1300 Dollar/Unze hindurch, was zu Anschlussverkäufen führte. Diese sind häufig zu beobachten, wenn lange gültige Unterstützungsmarken gerissen werden. Die für den Dezember wahrscheinlicher werdende Zinserhöhung in den USA, der Anfang Oktober immer stärker werdende Dollar sowie der Ausbau des Vorsprungs von Hillary Clinton gegenüber ihrem Rivalen Donald Trump in Umfragen zur US-Präsidentenwahl, was zur Auflösung von Sicherer-Hafen-Positionen führte, taten ihr Übriges, um die Goldpreise in der ersten Oktoberhälfte weiter unter Druck zu halten.

Dennoch: Zum einen sollten wir nicht vergessen, dass der Goldpreis zu Beginn des Jahres noch ein ganzes Stück tiefer notiert hat und seitdem immer noch um knapp 20 Prozent angestiegen ist. Und zum anderen köcheln einige Risiken unter der Oberfläche der Märkte. Schauen wir erst einmal, wie die Welt nach der US-Wahl aussehen wird.


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