Internetboom in China | 28.10.2016

Webgiganten auf der Überholspur

Taobao, Renren oder WeChat sind hierzulande kaum bekannt. Doch hinter diesen Namen verbergen sich chinesische Internetriesen, die die Welt erobern wollen. Mit dem Solactive China Internet-Index können Anleger auf einen Schlag alle abdecken.

Chinas Wirtschaft befindet sich derzeit in einer harten Umbauphase: Weg von „Made in China“, der weltweiten Werkbank für billige Waren von niedriger Qualität, hin zu einer hoch entwickelten Volkswirtschaft mit Maschinenbauern, Autoherstellern und Hightech-Giganten. Die starken Säulen der Wirtschaft sollen Dienstleistung und Zukunftstechnologie werden. Insbesondere mit Letzterem plant China, die Wirtschaft voranzutreiben. Wie zielstrebig die Asiaten diesen Weg beschreiten, zeigt die gerade abgeschlossene Übernahme des deutschen Roboterherstellers Kuka.

Interview

Ohne China geht heute nichts mehr

Der chinesische Internetmarkt gehört zu den schnellstwachsenden weltweit. X-press sprach mit dem CEO von iCrowdU, dem Web-Experten Alexander Holtermann darüber, warum auch deutsche Firmen das Reich der Mitte bei ihren Unternehmungen nicht mehr unberücksichtigt lassen können.

Immer online

Smartphones und Tablets sind in Chinas Business-Alltag allgegenwärtig.

Insgesamt soll das Bruttoinlandsprodukt bis 2020 jedes Jahr um mindestens 6,5 Prozent wachsen. Das ist zwar deutlich weniger als in der Vergangenheit, aber trotzdem ein Wert auf hohem Niveau und im Vergleich zur restlichen Welt immer noch sehr eindrucksvoll. Vor allem aber beruht es auf innovativeren und damit potenziell nachhaltigeren Branchen und Produkten.

Solactive China Internet-Index

ENORMES POTENZIAL

Wer sich nun fragt, ob die chinesische Bevölkerung dafür bereit ist und auch zahlenmäßig ein ausreichendes Potenzial an gut ausgebildeten Berufstätigen vorhanden ist, dem sei ein Blick auf die aktuellen Populationsdaten empfohlen. Die Anzahl der sogenannten Millenials in China wird viele Menschen verwundern: Experten bezeichnet damit die Generation, die zwischen 1980 und 1999 geboren ist. Aus Sicht der Wirtschaft ist diese Bevölkerungsgruppe die interessante, denn die jungen Menschen strömen gerade auf den Arbeitsmarkt oder sind dort frisch angekommen. Mit 415 Millionen Menschen zwischen 17 und 37 Jahren stehen in China mehr Junge bereit als in den Vereinigten Staaten (146 Millionen Millennials), in Kanada (22 Millionen) und Westeuropa (207 Millionen) zusammen. Und eines ist sicher: Diese 415 Millionen Chinesinnen und Chinesen sind ehrgeizig, fast ein Viertel von ihnen, also 107 Millionen, nennen einen Hochschulabschluss ihr Eigen. Allen gemeinsam ist, dass sie mit großer Sicherheit nicht mehr wie ihre Vorfahren auf den Reisfeldern schuften oder am Förderband stehen wollen. Diese neue, junge Generation strebt nach Höherem und vor allem nach interessanten Jobs im Wirtschafts- und Dienstleistungssektor.

HOHE ONLINE-AFFINITÄT

Doch die junge Generation ist nicht nur deutlich besser ausgebildet als früher, sie weist auch eine enorm hohe Online-Affinität auf. Über 700 Millionen Chinesen sind online. Im Gegensatz zum Westen nutzen die meisten von ihnen jedoch nicht einen Computer, sondern bevorzugen Smartphone oder Tablet. Dies wiederum begünstigt zukunftsträchtige Social-Media-Apps und Onlineshops. Laut chinesischem Informationsministerium nutzten bereits Ende 2015 mehr als 375 Millionen Chinesen mobile Bezahldienste, über 400 Millionen kauften übers Internet ein. Wer schon einmal in China war, wird bestätigen können, dass eigentlich alle fast überall permanent ihr Smartphone bedienen – besonders auffällig ist das in Bussen, der Bahn oder am Flughafen.

CHINAS WEBRIESEN IN EINEM PRODUKT

Für Anleger, die in die neue Zukunft Chinas investieren möchten, könnte das Solactive China Internet-Zertifikat eine interessante Anlage-Alternative sein. Denn dieses bildet eins zu eins den Solactive-China-Internet-Index ab.

 

China Index-Zertifikat DB2CNT

 

Im Index enthalten sind die zehn größten chinesischen Internetunternehmen. Auch wenn den meisten deutschen Anlegern viele der asiatischen Unternehmen weniger geläufig sind als deren westlichen Pendants Amazon, Google, Facebook oder auch der Internet-Messenger WhatsApp, so sind sie doch inzwischen wahre Webgiganten. Schließlich kommen vier der zehn nach Börsenwert weltweit größten Internetunternehmen inzwischen aus China.

 

Solactive China Internet-Index

FIRMEN, DIE GESCHICHTE SCHREIBEN

Der berühmteste unter den zehn enthaltenen Werten dürfte wahrscheinlich die an der New Yorker Börse gelistete E-Commerce-Plattform Alibaba sein. Dieses Unternehmen und sein Gründer Jack Ma haben eine ganze Stadt und seine Bürger im Südosten Chinas reich gemacht: Hangzhou.

Innerhalb von 28 Tagen nach Börsengang wuchs Alibaba auf eine Marktkapitalisierung von 80 Milliarden Dollar an. Viele Beschäftigte haben ihre Mitarbeiteraktien daraufhin verkauft und anschließend eigene Firmen gegründet. So beispielsweise Sun Ying, der mit seiner „In-App“ gerade auf dem Weg ist, das amerikanische Pendant Instagram zu überholen. Im Gegensatz zur US-Version bietet die chinesische Variante zusätzliche Features, die bei der Jugend so gut ankommen, dass die App aktuell um neun Millionen Nutzer pro Monat wächst.

Hangzhous Markenzeichen sind jedenfalls massenweise Inkubatoren – Großraumbüros mit zahlreichen Start-up-Unternehmen – sowie ein hohes Aufkommen von teuren Limousinen, aber auch modernen elektrischen Tesla-Sportwagen sowie anderen hochpreisigen Elektro-Boliden.
Kein Wunder, dass die Region rund um Hang­zhou inzwischen als das Silicon Valley Chinas bezeichnet wird. Durchschnittlich 70 neue Internet-Unternehmen werden laut der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in der Acht-Millionen-Einwohner-Metropole an der Mündung des Qiantang-Flusses täglich gegründet. Die Stadt hat darüber hinaus eine eindrucksvolle Geschichte: Sie zählte bereits im Mittelalter zu den imposantesten Städten. Mit vermutlich bereits über einer Million Einwohner könnte sie schon damals zu den größten Metropolen der Welt gehört haben.

Asiatische Konkurrenz

WeChat ist das beste Beispiel dafür, wie chinesische Unternehmen den westlichen Markt Schritt für Schritt erobern.

GLOBALISIERUNG IM FOKUS

Allen chinesischen Unternehmen gemeinsam ist das Streben, weltweit die Märkte zu erobern. Beispiele wie das der Tencent Holding, die derzeit mit ihrem Mobile Messenger Weixin (WeChat) den Markt gewaltig aufrollt, gibt es zahlreiche. Tencent ist im Solactive-Index genauso vertreten (Tabelle siehe oben) wie Chinas führende Suchmaschine Baidu, die den entsprechenden Markt im Reich der Mitte mit einem rund 60-Prozent-Anteil dominiert und damit in Asien das amerikanische Pendant Google erfolgreich in die Schranken weist. Ebenfalls im Index enthalten ist die chinesische E-Commerce-Plattform Jingdong Mall beziehungsweise ihr Betreiber JD.com, die ursprünglich nur für den Verkauf elektronischer Produkte ausgelegt worden war und sich mittlerweile stark am Geschäftsmodell von Amazon orientiert. Diese vier Konzerne vereint die Absicht, unter anderem im Bereich Digitale Medien überdurchschnittlich zu wachsen. So betrug der Umsatz in diesem Markt 2015 rund 10,7 Milliarden Euro. Im Jahr 2020 soll dieser laut dem Frankfurter Index-Anbieter Solactive bereits auf 17,3 Milliarden Euro anwachsen. Das größte Stück vom Kuchen wird dann mit rund 80 Prozent voraussichtlich der Sektor Digital Games einnehmen. Die stärksten Wachstumsraten würden dieser Schätzung nach jedoch in den Bereichen digitale Videos und Musik sowie E-Publishing mit Verdopplern beziehungsweise Verdreifachern zu finden sein.


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