Als vor über 25 Jahren

mit dem Partizipationsschein auf den Deutschen Aktienindex - kurz Dax genannt - die ersten Zertifikate auf den Markt kamen, hätte keiner an dennachhaltigen Erfolg des neuen Investmentsegments gedacht. Die größten Vorteile von Zertifikaten gegenüber allen anderen Finanzanlagen waren und sind, dass sie schneller, mit geringerem Aufwand und somit vor allem deutlich kostengünstiger auf den Markt gebracht werden können sowie Lösungen für jede Marktphase bieten.

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Wer sich einmal mit dem Segment Zertifikate auseinandergesetzt hat, wird schnell feststellen, dass er damit eine Art „eierlegende Wollmilchsau" entdeckt hat. Denn mit Zertifikaten können auch Privatanleger Investmentmöglichkeiten nutzen, die bislang nur institutionellen oder sehr vermögenden Investoren vorbehalten waren. Wer konnte schon in der Vor-Zertifikate-Ära mit einem einzigen Produkt in ganze Marktbarometer teilweise sogar gehebelt investieren?

Doch genauso wie beim Laufsport benötigt der Einsteiger beim Anlegen ein wenig Übung und gezieltes Wissen. Ganz ohne Training geht es auch hier nicht: Kostenlose Events wie beispielsweise Börsentage und die von zahlreichen Emittenten oder dem Deutschen Derivate Verband (DDV) herausgegebenen Gratis-Informationsmaterialien helfen Anlegern dabei, fit zu werden (siehe Bestellschein auf Seite 36). Denn mit ein wenig Erfahrung haben Anleger in fast allen Marktsituationen die Möglichkeit, erfolgreich zu investieren.

ÜBERLEGT AUF DIE LANGSTRECKE

Wer einen langen Zeithorizont zugrunde legt, möchte sein Geld meist eher konservativ angelegt wissen. Dafür bieten sich aus dem breiten Derivate-Sortiment vor allem Festzins-Zertifikate an (siehe „Auf einen Blick"-Kasten unten).

Mit Festzins-Zertifikaten lassen sich Renditen erzielen, die deutlich über dem aktuellen Marktniveau liegen. Gerade die jährliche überdurchschnittliche Verzinsung spricht die meisten Anleger an. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Festzins-Zertifikate in der Beliebtheitsskala weit oben stehen. Die Funktionsweise des Produktes beruht auf zwei wesentlichen Merkmalen: dem festen Zins zum jeweiligen Zinstermin sowie dem Rückzahlungsbetrag zum Laufzeitende. Die jährliche Verzinsung wird durch das mit dem Investment verknüpfte Tilgungsrisiko bei Endfälligkeit und den Verzicht auf etwaige Dividendenzahlungen ermöglicht. Sollte der maßgebliche Index am Laufzeitende die bei Emission definierte Barriere unterschreiten, wird das Zertifikat nicht zum Emissionspreis, sondern darunter zurückbezahlt. Die Rückzahlung, die ausschließlich zum Laufzeitende vorgesehen ist, wird übrigens wie bei allen Zertifikaten nicht von dritter Seite garantiert, sondern ist allein von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten, in diesem Fall die Deutsche Bank, abhängig. Leicht verwechseln lassen sich Festzins-Zertifikate mit Festzins-Anleihen. Gemeinsam haben sie die feste Verzinsung. Der große Unterschied liegt in der Rückzahlung bzw. in der Produktionskonstruktion. Während die Festzins-Anleihe als Produkt mit Kapitalschutz per Laufzeitende immer in Höhe des Nennbetrages zurückbezahlt wird (und daher auch einen deutlich niedrigeren Zins bietet, siehe Seite 34), kommt das Festzins-Zertifikat nur dann zur kompletten Auszahlung, wenn der Rückzahlungsmechanismus greift, d.h., die Barriere nicht verletzt wurde.

IM WINDSCHATTEN DES BASISWERTS

Eine weitere interessante Produktklasse, die für eine längere Wegstrecke geeignet sein könnte, sind X-pert-Index-Zertifikate. Diese können zwar auch permanent problemlos gehandelt werden, sind aber aufgrund ihrer endlosen Laufzeit vor allem für die Langstrecke prädestiniert. Mit diesen Anlageprodukten erzielen Privatanleger im Gegensatz zu einem Investment in die erstgenannten Festzins-Zertifikaten zwar keine feste Rendite, dafür investieren sie kostengünstig mit einem Produkt in einen Index oder einen Rohstoff. Allein die Deutsche Bank bietet 144 Index-Zertifikate, viele davon in der X-pert-Variante – also ohne Laufzeitende und zusätzliche Managementgebühren. Mit diesen Produkten partizipiert der Anleger nahezu eins zu eins an den abgebildeten Indizes. Das kann beispielsweise ein bedeutender Index wie der Euro Stoxx 50 oder der amerikanische S&P 500 sein, aber auch kleinere Märkte wie der österreichische ATX oder der thailändische SET 50 sind so auf einfache Weise investierbar. Bei Produkten auf ausländische Basiswerte, die in Fremdwährung gehandelt werden, ist zu beachten, dass das jeweilige Anlageprodukt währungsgeschützt ist (Quanto-Ausstattung). Sollte dies nicht der Fall sein, wie beispielsweise beim X-pert-Zertifikat auf den S&P 500 (siehe Kasten links), muss der Anleger noch den Währungseinfluss des Dollars berücksichtigen. Sollte der Greenback gegenüber dem Euro aufwerten, würden Währungsgewinne dazukommen, ist das Gegenteil der Fall, treten Verluste auf.

 

DB9T0M - Festzins-Zertifikat

 

Im direkten Vergleich ist das konservative Festzins-Zertifikat als deutlich risikoärmer zu beurteilen als das X-pert-Index-Zertifikat, da es auch in leicht fallenden Märkten – unter der Voraussetzung, dass der Schlusskurs des Index am Laufzeitende über der Barrieremarke steht – keinen Verlust hinnehmen muss, sondern durch die Zinszahlung auch dann noch seinem Eigner ein angenehmes Plus beschert. Das Index-Zertifikat eignet sich dagegen für Privatanleger, die zukünftig vor allem leicht steigende bis steigende Märkte erwarten. Es reagiert genauso wie sein Basiswert sowohl in die positive als auch in die negative Richtung. Der Anleger sollte daher überhitzte Märkte meiden, da er ebenfalls komplett am negativen Verlauf partizipiert und es somit jederzeit auch zu erheblichen Verlusten kommen könnte.

 

709336 - X-pert-Zertifikat

 

GUTE GRÜNDE FÜR ZERTIFIKATE

Es gibt zahlreiche Argumente, die für den Besitz von strukturierten Wertpapieren sprechen, das wichtigste ist schnell ausgemacht: Es besteht darin, dass die Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung durch die gravierenden Reformen der sozialen Sicherungssysteme deutlich reduziert wurden. Das wiederum bedeutet, dass grundsätzlich jeder Erwerbstätige während seiner Erwerbszeit private Vorsorge treffen muss, sofern er seinen gewohnten Lebensstandard auch im Rentenalter ohne allzu große Einbußen beibehalten will. Und das quasi in einem Nullzinsumfeld.

Laut Lars Brandau, Geschäftsführer des DDV (siehe auch „Fünf Argumente, Zertifikate zu erwerben") sind Zertifikate die geeigneten Produkte, um in der aktuellen Zinssituation zu agieren: „Mit Zertifikaten lassen sich individuelle Erwartungen in Bezug auf die weitere Entwicklung des zugrunde liegenden Basiswerts in einem entsprechenden Produkt umsetzen. Mit diesen Produkten kann der Anleger in jeder Marktphase attraktive Renditen erzielen."

Festzins-Zertifikat

X-pert Index-Zertifikat

GUT IN TRITT AUF MITTLEREN DISTANZEN

Gerade Anlagedistanzen von ein bis zwei Jahren lassen sich mit Derivaten ausgezeichnet ins Visier nehmen. Denn kaum ein anderes Anlageprodukt eignet sich besser dafür als Discount- oder Bonus-Zertifikate. Bei Discountpapieren erwirbt der Anleger eine Aktie oder einen Index mit einem Abschlag zum Börsenkurs. Das heißt, er steigt günstiger ein. Der Nachteil: Sein Gewinn ist durch eine Kursobergrenze, den sogenannten Cap, nach oben limitiert. Die Folge dieser Konstruktion ist, dass sich die Papiere vor allem für Seitwärtsbewegungen und moderate Auf- und Abwärtsbewegungen eignen. In stark steigenden Phasen schneiden sie im Vergleich zu einem Direktinvestment aufgrund der Gewinnbegrenzung schlechter ab. Dafür profitieren sie aber bei einem leichten Kursrückgang des Basiswerts vom Rabatt und können selbst dann noch einen positiven Ertrag erzielen.

 

DL7JG8 - Bonus-Zerti kat mit Cap

 

Bei den jährlichen Discount-Studien der Deutschen Bank jedenfalls schneidet die Produktklasse grandios ab. So schnitten beim vergangenen Vergleich – bei dem 114 595 Discount-Zertifikate der Deutschen Bank untersucht wurden – 57,20 Prozent während ihrer Laufzeit besser ab als das Direktinvestment. 18 Prozent der Discounter wiesen sogar ein positives Ergebnis auf, während der dazugehörige Basiswert in der gleichen Zeitspanne im Minus landete.

„Die Studie beweist, dass Discount-Zertifikate eine lohnende Alternative zum Direktinvestment sein können. Wegen des Abschlags sind sie weniger riskant als der Direktkauf von Basiswerten und trotzdem können Anleger mit ihnen ansehnliche Renditen erzielen", bilanziert Nicolai Tietze, Zertifikate-Experte bei der Deutschen Bank.

Verglichen mit den bereits seit 1996 auf den Markt gekommenen Discountern sind Bonus-Zertifikate die Nachwuchsstars unter den Anlage-Zertifikaten. Sie erfreuen sich seit ihrer Premiere 2003 immer größerer Beliebtheit. Das klassische Bonus-Zertifikat zahlt am Laufzeitende einen Bonusbetrag aus, solange eine bei Emission unter dem Aktienkurs liegende Kursschwelle während der Laufzeit nicht verletzt wurde. Dabei ist die Auszahlung nicht auf den Bonusbetrag begrenzt, sondern der Anleger partizipiert an Steigerungen der Aktie, die den Bonusbetrag übersteigen in vollem Umfang. Anders beim Bonus-Zertifikat mit Cap: Hier kennt der Anleger bereits beim Einstieg den zur Auszahlung kommenden Höchstbetrag. Die Einführung des Caps ermöglicht es im Vergleich zu einem völlig identisch ausgestatteten klassischen Bonuspapier (d. h., gleiche Laufzeit, Kursschwelle, Bonusschwelle und Beobachtungszeitpunkt), bei Auszahlung des Höchstbetrags eine höhere Rendite zu erzielen, da das Bonus-Zertifikat mit Cap günstiger ist.

 

XM98WL - Discount-Zertifikat

Bonus-Zertifikate mit Cap

Discount-Zertifikate

IM SPURT ÜBER DIE ZIELLINIE

Eine Reihe von Anlegern möchte eine relativ hohe Rendite erzielen, dafür sind sie auch gerne bereit, ein höheres Risiko einzugehen. Denn jedem muss klar sein: Je kürzer die Zeit beziehungsweise je höher die Rendite, desto höher auch das Risiko. Wer ein erhöhtes Risiko akzeptiert, für den gibt es zahlreiche Anlage- und Hebelprodukte für kurze Zeithorizonte von wenigen Monaten bis zu zwei Jahren. Beispielsweise bieten Outperformance-Zertifikate Anlegern die Möglichkeit, an einer positiven Kursentwicklung einer Aktie oder eines Index überproportional zu partizipieren. Das Verlustrisiko ist dagegen in gleicher Höhe wie das des Direktinvestments.

 

DL4ALD - Outperformance-Zertifikat

 

Im Detail erhält der Zertifikate-Anleger einen Auszahlungsbetrag, welcher sich nach der Kursentwicklung des Basiswerts bemisst. Überdurchschnittlich partizipiert wird, sofern eine zum Emissionszeitpunkt festgelegte Kursschwelle vom Basiswert überschritten wird. Die Kursentwicklung wird dann um einen vorher festgelegten Partizipationsfaktor erhöht. Die Chance auf diese überproportionale Partizipation wird durch den Dividendenverzicht des Anlegers während der Laufzeit finanziert. Der Partizipationsfaktor liegt bei 200 Prozent beziehungsweise Faktor 2,0; die Kursschwelle liegt bei 70 Euro. Steigt nun die Aktie von derzeit 82,66 Euro bis zum Laufzeitende auf beispielsweise 133,45 Euro, so erhält der Anleger am Einlösungstermin 196,89 Euro (abzüglich der Kosten).

 

DL216E - Sprint-Zertifikat

 

PER SPRINT ZUM ERFOLG

Ein Sprint-Zertifikat funktioniert ähnlich wie ein Outperformance-Papier. Nach unten reagiert es wie sein Basiswert, nach oben nimmt der Anleger mit einem bekannten Faktor am Erfolg teil. Im Beispiel nebenan ist es ein Faktor von 2. Der einzige Unterschied zum Outperformance-Zertifikat liegt darin, dass der Anleger nicht unendlich am Erfolg partizipiert, sondern dieser durch einen Höchstbetrag (Cap) nach oben begrenzt ist. Weitere ausführliche Informationen zu allen aufgeführten Produktklassen finden interessierte Anleger im Internet unter www.xmarkets.de.

Outperformance-Zertifikate

Sprint-Zertifikate


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