Eingebettet in eine malerische Landschaft aus Winzerdörfern, Wäldern und Mittelgebirgen liegt Würzburg am Ufer des Mains. Beide Seiten des Flusses zieren Weinberge, Barock- und Rokokokirchen sowie unzählige Kapellen. Stein und Wein – das ist das Credo dieser unterfränkischen Stadt.

 

Dafür steht auch die älteste Steinbrücke Mittel­europas, über die zu allen Zeiten schwere Weinfässer gerollt wurden. Auf ihr findet man auch ein weiteres Merkmal Würzburgs: Zu Zeiten des Barocks wurde sie nämlich mit zahlreichen Heiligenfiguren geschmückt – wie viele andere weltliche Bauwerke der Stadt, die deswegen bis heute den Namen „Stadt der Madonnen“ führt.
Die Ursprünge Würzburgs reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als die Stadt noch „Virteburch“ genannt wurde.
Lässt man von der historischen Brücke den Blick über die Dächer schweifen, fallen sofort die in den Himmel ragenden Kirchtürme aus den unterschiedlichsten Epochen auf.
Kein Wunder, über acht Jahrhunderte war Würzburg auch ein Fürstbistum: Bis zur Säkularisierung Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Würzburger Bischöfe gleichzeitig Reichsfürsten. Diese Ämterkoppelung brachte ihrem Inhaber Macht und der Residenzstadt viel Prestige, das sich bis heute in den vielen Kirchen und bedeutungsschweren Bauwerken widerspiegelt.
Hoch über der Stadt ragt die Festung Marienberg in den Himmel. Von der Gotik bis zum Barock wurde sie als bischöflicher Verwaltungssitz genutzt, auch das Militär war hier untergebracht. Doch trotz zahlreicher An- und Ausbauten reichte Marienberg den adligen Geistlichen bald nicht mehr aus. Balthasar Neumann, einer der profiliertesten Architekten des Barock, erbaute in ihrem Auftrag eine prunkvolle neue Residenz. Seit dem Jahr 1981 steht die Würzburger Residenz mit ihrem prächtigen Hofgarten auf der UNESCO-Welterbeliste.

EUROPÄISCHES GESAMTKUNSTWERK

Heute wird sie von Historikern als baulicher Archetyp eines barocken Schlosses und als beispielhaftes europäisches Gesamtkunstwerk dieser Epoche überhaupt angesehen. Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn rief zwischen 1740 und 1780 die herausragendsten Architekten der bedeutendsten europäischen Länder zusammen. Neumann schuf dann gemeinsam mit Johann Lucas von Hildebrandt aus Wien, Robert de Cotte aus Frankreich und Germain Boffrand und Giovanni Battista Tiepolo aus Venedig dieses beispiellose Ensemble, in das auch die verschiedenen regionalspezifischen Nuancen der Baumeister mit einflossen. Aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt etwa der spektakulärste Teil der Innenausstattung der Residenz, für den unter anderem Tiepolo verantwortlich war. So schmückt das von ihm verantwortete Treppenhaus das größte zusammenhängende Deckenfresko der Welt. Unter der Herrschaft des nächsten Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim, der von 1755 bis 1779 regierte, wurden die jahrzehntelangen Arbeiten an der Residenz schließlich fertiggestellt. Auch der Garten bekam in dieser Zeit seine heutige Form.
Im prächtigen Obstgarten kann man zwischen einem Meer aus blühenden Rosenpflanzen die bekannten Putten von Johann Peter Wagner sowie eine Reihe anderer Skulpturen bewundern.
Die einzelnen Zugänge zur Anlage sind teilweise mit Rokoko-Gittern verziert. Heute wird der Hofgarten auch gerne für besondere Veranstaltungen genutzt. Die historische Atmosphäre aus gelebter Geschichte macht diesen Ort so einzigartig und Veranstaltungen für Teilnehmer so unvergesslich. Spektakulär ist auch das Lager im 4500 Quadratmeter großen Weinkeller, der unter der Residenz liegt.
Ein jährlich stattfindendes Event ist das Weinfest, das zumindest jeder Liebhaber fränkischer Weine einmal besucht haben sollte.
Man vermutet, dass schon seit der ersten Erwähnung Würzburgs im Jahr 704 Wein angebaut wurde. Das älteste Weingut der Stadt, der staatliche Hofkeller Würzburg, konnte 2003 sein 875-jähriges Bestehen feiern. Eine Verfügung des Rates der Stadt von 1726, die die Einwohner Würzburgs vor gefälschtem Wein schützen sollte, gilt bis heute als Aushängeschild der regionalen Weinkultur: der Bocksbeutel.

RESIDENZ WIRD MUSEUM

Eine historische Zäsur für die Entwicklung der Gesamtanlage war der Bombenangriff auf Würzburg kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. In der Nacht des 16. März 1945 wurden vor allem die Seitenflügel der Residenz schwer beschädigt. Vollständig erhalten blieben glücklicherweise die gewölbten repräsentativen Räume des Zentralbaus mit Vestibül, Treppenhaus, Gartensaal, dem Weißen und dem Kaisersaal. Heute wird die Residenz zum größten Teil als Museum genutzt, Teile davon gehören zur Universität, zur Antikensammlung oder zum Staatsarchiv.

ES GEHT AUFWÄRTS

Über Jahrhunderte leitete Würzburg seine Bedeutung von Kirche und Herrschaftshäusern ab, aber wie ist der Status der Stadt heute zu bewerten? Norman Kustos, Geschäftsführer der Immobilienberatung neotares Consult: „Entgegen dem prognostizierten Trend aus dem Jahr 2013 veränderte sich die Einwohnerzahl positiv im einstelligen Bereich und trotzt damit dem demografischen Wandel. Die attraktive Lage Würzburgs mit ihrer zentralen Anbindung, den kulturellen und historischen Anknüpfungspunkten bietet Studenten und Familien gleichermaßen ideale Voraussetzungen. Darauf reagiert der private Wohnungsmarkt und das ist positiv für Anleger und Investoren.“
Auch für Touristen ist die Welterbestadt Würzburg nach wie vor eine Reise wert. Besondere Bedeutung hat natürlich das Thema Wein, dem sich kein Besucher entziehen kann. Überall finden sich Hinweise, entweder in Form von Schänken oder Tafeln und Denkmäler, die einen Bezug zur Rebe haben. Ein weiterer starker Trend sind die Flusskreuzfahrten auf dem Main. So konnte im letzten November das tausendste Schiff begrüßt werden. Der Aufwärtstrend bei den Übernachtungszahlen in Würzburg setzte sich jedenfalls auch 2015 fort. Sowohl Würzburg als auch der Landkreis meldeten für die vergangene Saison neue Rekordzahlen. 2015 verzeichnete die Stadt mit 891 801 Besuchern einen Zuwachs von 33 943 im Vergleich zum Vorjahr (vier Prozent). Jeder fünfte Gast kam dabei aus dem Ausland. Knapp die Hälfte (17 850 Übernachtungen) entfiel auf Besucher aus den USA.
Tourismusdirektor Peter Oettinger freut das: „Würzburg profitiert weiterhin von der starken Nachfrage für das Reiseland Deutschland, die wir durch gezieltes Auslandsmarketing unterstützen.“ Überraschend: Mit einem Zuwachs von 38 Prozent bei den Übernachtungen belegte China den fünften Platz. Mit Reiseerleichterungen und einer wachsenden Mittelschicht haben die Chinesen inzwischen die Japaner überholt.


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