Titelthema | 15.12.2016

Womit Anleger im neuen Jahr rechnen müssen

Das Jahr 2017 könnte ein Jahr der Veränderung und Herausforderung werden. Der Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Trump, die Umsetzung des Brexit sowie Wahlen in Deutschland und Frankreich gehören zu den wichtigsten Ereignissen im neuen Jahr und sollten von Anlegern unbedingt beachtet werden.

Weg mit den Glimmstängeln, den überflüssigen Fettpölsterchen oder anderen Lastern – viele Menschen starten mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Jedoch hält die Euphorie oft nicht lange an. Der Verzicht auf Alkohol wird zumeist bereits zur fünften Jahreszeit, wenn die Jecken und Narren zum Feiern laden, missachtet, die sportlichen Aktivitäten auf den ersten Bundesliga-Spieltag im neuen Jahr im Stadion oder vor dem Fernseher verschoben. Und spätestens zum 17. Juni darf der Ball auch wieder bei einem überregionalen Turnier gekickt werden. Anhänger der deutschen Nationalmannschaft dürfen sich dann nämlich auf den FIFA Confederations Cup, das Vorbereitungsturnier auf die Weltmeisterschaft 2018, zwischen acht Nationen in Russland freuen.

DAX-Chartanalyse

Eine kurvenreiche Reise

Der Dax wird 2017 Achterbahn fahren. Die beiden extremen Außenkurven liegen bei 9500 und 12 300 Punkten. Das entspricht, ausgehend von einem Indexstand von 11 100 Punkten, einem Risiko von gut 15 Prozent und einer Chance von knapp 11 Prozent.

Stefan Ziermann

EUROPÄISCHE HERAUSFORDERUNGEN

Auch auf politischer Ebene wird es im Jahr 2017 mit den anstehenden Wahlen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden Großereignisse geben, deren Ausgang zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig unklar erscheint, denn ähnlich wie in den USA sind auch in Europa zum Teil populistische Positionen auf dem Vormarsch. Diese beinhalten ein erhebliches Konfliktpotenzial und könnten die Weltwirtschaft durch die zunehmende Abkehr von offenen Gesellschaften und vom freien Warenhandel vor zusätzliche Herausforderungen stellen (siehe auch „Deutsche Bank Thesen für das Anlagejahr 2017“). Entsprechend prognostiziert
Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden, für 2017 ein globales Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent.

Dies gilt jedoch nicht für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Europa. Vor allem die zu erwartenden sinkende Bruttoinlandsprodukt (BIP) Großbritanniens als Folge des Brexit werden auf das europäische Wachstum wie ein Bremsfaktor wirken. So erwartet der EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici, dass das reale jährliche BIP-Wachstum des Euroraums von 1,7 Prozent in 2016 auf 1,5 Prozent in 2017 zurückgehen wird, bevor es 2018 wieder auf 1,7 Prozent anziehen könnte. Die Analysten der Deutschen Bank prognostizieren dagegen für 2017 ein Wirtschaftswachstum für die Eurozone von 1,1 Prozent. Obwohl die direkten Auswirkungen auf die meisten EU-Mitglieder von kurzfristiger Natur bleiben dürften, gefährdet der angestrebte Austritt des Vereinigten Königreichs die Stabilität der EU und damit das Vertrauen in die Union, bekundet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Beachtung finden hierbei auch die Schwierigkeiten im italienischen Bankensystem, die nicht abgeschlossene Staatsschuldenkrise im Süden des Euroraums sowie die Notwendigkeit von Reformen in Frankreich. Dies könnte zu erhöhten Schwankungen an den Finanzmärkten führen, weswegen Stratege Stephan den Euro Stoxx 50 am Jahresende 2017 auf einem Stand von 3100 Punkten erwartet.

KonjunkturPrognosen der Oecd

HALBIERUNG DES WACHSTUMS

Auch was das deutsche Wirtschaftswachstum in 2017 angeht, ist das IW mit Blick auf die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und seinen bisherigen Aussagen pessimistisch und erwartet eine Zunahme um nur 1,0 Prozent. Stephan prognostiziert das gleiche Wachstum der deutschen Wirtschaft im Jahr 2017 und geht entsprechend von einer Halbierung gegenüber den Erwartungen für das Jahr 2016 aus. Dagegen rechnen die Bundesregierung und der Internationale Währungsfonds mit einem Wachstum von 1,4 Prozent. Dennoch bleibt festzuhalten, dass ein protektionistischer und isolationistischer Kurs der USA gerade für Deutschland als exportorientiertes Land mittel- und langfristig ein Wachstumsrisiko sein könnte. Große Sprünge sind daher auch am deutschen Aktienmarkt nicht zu erwarten. Aus heutiger Sicht erscheint ein Dax-Stand am Ende eines schwankungsintensiven Jahres 2017 bei 11 300 Punkten realistisch.

AMERIKANISCHE WAHRHEITEN

Zurück zum Jahresstart: Nur rund 75 Prozent sämtlicher guter Vorsätze für das neue Jahr – eine Auswahl an Beispielen finden Sie hier – erfreuen sich immerhin einer Lebensdauer von einer Woche.
Ob Trumps Vorsätze aus seinen Wahlversprechen die vierjährige Amtsperiode hindurch Gültigkeit haben, darf noch abgewartet werden. Zumindest stehen seine ersten Äußerungen als designierter Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika in einem deutlichen Gegensatz zu seiner populistischen Wahlkampfrhetorik. Sollten jedoch die im Mittelpunkt stehende unternehmensfreundliche Steuerreform sowie das umfassende Investitionsprogramm in den USA zeitnah angestoßen werden, rechnen die Analysten der Deutschen Bank mit einem spürbar anziehenden Wachstum für 2017 um 2,3 Prozent. Darüber hinaus könnte die geplante Rückführung regulatorischer Maßnahmen, zum Beispiel im Finanz- und Energiesektor, zu einer erhöhten Investitionsbereitschaft amerikanischer Unternehmen führen.

„Zitat: Sollte Trump alle Wahlkampfan­kündigungen in die Tat umsetzen, werden gravierende ökonomische Auswirkungen mit entsprechendem Einfluss auf die Börsen folgen.”

Dr. Ulrich Stephan
Chef-Anlage­stratege für Privat- und Firmen­kunden der Deutschen Bank.

HOFFNUNGSTRÄGER AKTIE

Entsprechend ruhen auch 2017 große Wachstumshoffnungen auf zahlreichen Aktien aus den Vereinigten Staaten. Besonderes Augenmerk sollte dabei auf die Bereiche Gesundheit, Versorgung, Technologie, Finanzen und Telekommunikation gelegt werden. Zum Jahresende 2017 erwartet die Deutsche Bank den S&P 500 bei 2350 Punkten. Schwierig erscheint dagegen eine Prognose für Automobilwerte, da sich aktuell noch kein nennenswerter Unternehmensvorsprung bezüglich der unterschiedlichen alternativen Antriebe he­rauskristallisieren lässt. Während europäische Medienwerte aufgrund der unzähligen Chancen im Internet ebenfalls interessant werden könnten, erscheinen Öl- und Gasaktien in Erwartung steigender Energiepreise bereits auf einem hohen Niveau. Doch auch hier sieht Stephan zum Jahresende verhältnismäßig wenig Bewegung.
Eine Seitwärtsbewegung zu Beginn des Jahres 2017 erwartet der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank auch beim Rentenmarkt. Da ein starkes Absinken seiner Meinung nach unwahrscheinlich ist, lautet seine Prognose für Ende 2017 bei zehnjährigen Bundesanleihe-Papieren 0,35 Prozent Rendite und 2,30 Prozent bei den US-Staatsanleihen.

 

Prognosen für das Jahresende 2017

 

ZUNEHMENDE ZINSDIFFERENZEN

Welchen indirekten Einfluss Trumps Politik auf die Währungshüter nehmen wird, ist offen. Wenngleich die Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken expansiv bleiben dürfte, so könnten doch 2017 moderate Zinsschritte der Fed anstehen. Da die Europäische Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm mindestens bis Ende 2017 verlängert hat und dafür zusätzlich 540 Milliarden Euro ausgeben will, könnte die zunehmende Zinsdifferenz zwischen Europa und Amerika im Jahresverlauf zu Kapitalflüssen Richtung USA führen. In der Folge könnte der Dollar gegenüber dem Euro weiter steigen, weswegen ein Absinken des Euro unter die Parität bis auf 0,95 Dollar zum Jahresende 2017 denkbar ist.

SCHWINDENDER GLANZ

Dies hätte auch Konsequenzen für das Interesse an Gold, sodass aufgrund des vergleichsweise kleinen Marktes für das Edelmetall und der Risiken hinsichtlich eines möglichen Zinsanstiegs in den USA nur ein moderates Preispotenzial vorhanden sein könnte (siehe auch Blumenroth-Kolumne).

WILLKOMMEN IN RUSSLAND

Bejubelt wurde Trumps Wahlsieg unter anderem in Moskau, denn Russland könnte einer der großen Profiteure sein. Nicht nur die mehrfach geäußerten Sympathien des US-Milliardärs für Russlands Präsidenten Wladimir Putin lassen dies vermuten. Viele Anleger spekulieren trotz des Ukraine-Konflikts auf eine politische Entspannung zwischen beiden Ländern. Und so konnte die russische Börse als einer der wenigen Schwellenländermärkte nach Trumps Triumph zulegen . Während die russische Wirtschaft 2016 noch um 0,7 Prozent geschrumpft war, erwartet die Weltbank für 2017 ein Wachstum des russischen BIPs um 1,2 Prozent – trotz anhaltender Sanktionen dürfte Russland in den folgenden zwölf Monaten aus der Rezession kommen. Russische Aktienindizes wie der RTX sollten von den positiven Aussichten auch weiterhin profitieren. Anleger könnten beispielsweise mit einem Index-Zertifikat auf den russischen Leitindex am zukünftigen Verlauf partizipieren (WKN 774900).

VERMEINTLICHE VERLIERER

Glaubt man dem Wahlversprechen Trumps, chinesische Stahlimporte künftig mit Zöllen zu belegen, dürfte seine Wahl zum neuen US-Präsidenten für das Reich der Mitte kein Segen sein. Ungewiss ist jedoch, ob Trump tatsächlich einen Handelskrieg mit China riskiert, da auch die amerikanische Wirtschaft darunter empfindlich leiden könnte. Doch auch ohne „trumpsche“ Entscheidungen hat China genügend Hausaufgaben zu erledigen. Neben den Überkapazitäten in der Industrie steigen zudem die öffentlichen und die privaten Schulden. Darüber hinaus betrug die Wachstumsrate im dritten Quartal 2016 lediglich 6,9 Prozent. Lediglich, weil dies zugleich die geringste Wachstumsrate seit einem Vierteljahrhundert bedeutete. Es bleibt also abzuwarten, ob China im Jahr des Feuer-Hahns zu überraschen vermag, das laut Horoskop die Gelegenheit bieten kann, Probleme aus dem letzten Jahr noch einmal zu überdenken und für diese eine Lösung zu finden. Schließlich behält der stolze Gockel stets den Überblick und steht für einen starken Charakter.Spätestens ab dem 20. Januar 2017 wird das neue Jahr richtig Fahrt aufnehmen. Nicht nur, dass Trump seinen ersten Regierungstag antreten wird, auch der erste Bundesligaspieltag nach der Winterpause verspricht spannend zu werden. Die guten Vorsätze haben hoffentlich noch darüber hinaus Bestand.

Ausgewählte Discount-Zertifikate auf Indizes

Kommentar

Wird 2017 ein glänzendes Jahr?

Nicht klotzen, sondern kleckern: Neulich sah ich den spannenden Beitrag eines Nachrichtensenders. Es wurde dort über einen Juwelier in Tokio berichtet, der seine Kundschaft am Eingang seines Geschäftes zur Einstimmung auf die Weihnachtszeit mit einem Weihnachtsbaum aus purem Gold erfreut.


Weiterlesen

X-press Magazin © 2018