Deutsche Bank | 15.12.2016

Thesen für das Anlagejahr 2017

1. Politik: Berechtigte Sorgen
Die anstehenden Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland beinhalten erhebliches Konfliktpotenzial, denn Teile der Mittelschicht haben in den vergangenen Jahrzehnten von der Globalisierung zu wenig profitiert. Eine zunehmende Abkehr von offenen Gesellschaften und vom freien Warenhandel könnte die Weltwirtschaft vor zusätzliche Herausforderungen stellen.


2. Volkswirtschaft: Angst vor Rezession
Weltweit versuchen Regierungen, die größten Probleme der hartnäckigen Wachstumsschwäche mit geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen zu überdecken. Für die Weltwirtschaft erwarten wir 2017 ein Wachstum von 3,5 Prozent.


3. „Sichere Häfen“: Auslaufender Bullenmarkt ist kein Bärenmarkt
Fiskalpolitische Maßnahmen könnten die Zinsen treiben. In Europa deckeln die Demografie sowie mangelnder fiskalischer Spielraum einen Zinsanstieg. Damit dürften jenseits des Atlantiks weiterhin deutlich höhere Anleiherenditen als etwa in Deutschland zu erzielen sein. Ende 2017 erwarten wir in den USA ein Kapitalmarktzinsniveau von 2,3 Prozent.


4. Immobilien: Boom statt Blasenbildung
Das weltweit interessante Zinsumfeld für Immobilieninvestitionen dürfte bestehen bleiben. Ein Anlageziel in den USA könnte aufgrund des robusten US-Konsums und des intakten Arbeitsmarkts der Gewerbeimmobiliensektor sein. In Europa dürften deutsche Immobilien weiterhin im Anlegerfokus stehen.


5. Rentenmarkt: Rendite nur mit Risiko
Sollten sich die weltweiten Rentenmärkte wieder beruhigen, könnten Anleger auf der Suche nach höheren Renditen zum Beispiel in den USA fündig werden. Neben einer interessanten Verzinsung bieten US-Anleihen zusätzliche Währungsgewinne, sollte der Dollar zum Euro aufwerten. Auch Schwellenländeranleihen könnten wieder interessanter werden.


6. Aktien global: Die Dividende bleibt
Für 2017 rechnen wir mit Schwierigkeiten bei der Umsetzung der angekündigten US-Reformen. In Kombination mit den anstehenden Wahlen in Europa oder dem Brexit-Thema könnte dies zu spürbaren Marktschwankungen führen. In diesem Umfeld dürften defensivere Aktien und Dividendentitel als langfristige Basisanlage interessant sein.

7. Aktien regional: „America first“
Steuererleichterungen, Konjunkturprogramme, Deregulierung: Sollte Donald Trump dies zumindest in Teilen umsetzen, könnte der US-Aktienmarkt, zum Beispiel Finanztitel sowie der Gesundheitssektor, profitieren. Den S&P 500 erwarten wir Ende 2017 bei 2350 Punkten. Auch die Schwellenländeraktienmärkte könnten wieder stärker in den Anlegerfokus rücken. Die Jahresendprognose für den Dax, der ein schwankungsintensives Jahr erleben könnte, liegt bei 11 300 Punkten.


8. Rohstoffe: Kampf ums Gleichgewicht
Fraglich bleibt, ob die OPEC ihre Fördermenge drosselt, zumal US-Förderer zur Schließung von Lücken bereitstünden. Wir rechnen daher weiter mit einem Überangebot am Ölmarkt. Zusätzlicher Gegenwind könnte aus einer Aufwertung des Dollar resultieren. Dieser dürfte auch Gold weniger interessant machen: Wir sehen zwar ein moderates Preispotenzial aufgrund des vergleichsweise kleinen Marktes, aber auch Risiken hinsichtlich eines möglichen Zinsanstiegs in den USA.


9. Megatrends: Anlagealternativen
Beim „Auto der Zukunft“ dürften Tech-Unternehmen ihren Anteil an der Wertschöpfungskette deutlich erhöhen. Ein weiterer Trend ist die intelligente Vernetzung alltäglicher Gebrauchsgegenstände. Schließlich dürfte die Bedeutung von Gesundheit in vielen alternden Gesellschaften weiter steigen, wovon die Branchen Biotechnologie, Pharma, Gesundheitsausrüstung, Softwaredienstleister sowie die Halbleiterindustrie besonders stark profitieren könnten.


10. Risiko & Portfolio: Es kann auch gut ausgehen!
Das größte Risiko für die weltwirtschaftliche Entwicklung ist ein möglicher ungeordneter Zinsanstieg in den USA. Zunehmender Protektionismus und die Wachstumsschwäche des Welthandels könnten zusätzliche Belastungsfaktoren darstellen. Für Anleger scheint eine dynamische Steuerung des Portfolios ratsam. Besonderes Augenmerk könnten risikobereite Anleger dabei auf US-Investments richten.


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