US-Währung im Aufwind | 15.12.2016

Make the Dollar great again

Ein durchaus ungewöhnliches Jahr mit viel Auf und Ab an den Währungsmärkten neigt sich dem Ende zu. So kehrte sich zum Beispiel das Verhältnis des Dollar zu den Währungen der Schwellenländer im Jahresverlauf praktisch um. Auch gegenüber dem Euro konnte die US-Währung zulegen.

Beim Blick auf die USA fällt auf, dass vor den Wahlen alles logisch und eindeutig zu sein schien. Sollte Donald Trump gewinnen, „muss“ der Dollar gegen Währungen wie den Euro, den Franken oder den Yen nachgeben („sichere Häfen“), während umgekehrt Schwellenländerwährungen in Zeiten erhöhter Unsicherheit wie am Jahresanfang gegen den Greenback nachgeben sollten. Doch Investoren und Marktbeobachter hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Nachdem der Dollar ganze drei Stunden unter Druck stand, ging es für ihn seit dem ominösen 9. November schnell nach oben. Der DXY-Index, der den Kursverlauf des US-Dollar gegen die anderen Hauptwährungen misst, kletterte unaufhaltsam aufwärts und erzielte ein 13-Jahres-Hoch.
Besonders gegen den Yen konnte der Greenback deutlich aufwerten. Aber auch das Währungspaar Euro/Dollar wurde aus seiner Lethargie gerissen. Lag dieses seit März mehr oder weniger in einer Handelsspanne von 1,09 zu 1,15 (und dabei meist sogar wie festgenagelt um die 1,12 herum), stürzte der Euro von seinem vorübergehenden Hoch bei 1,13 in der Wahlnacht deutlich ab. Anfang Dezember hatte er ein 20-Monats-Tief knapp über 1,05 markiert und handelte somit nicht mehr allzu weit entfernt von seinem 13-Jahres-Tief bei 1,0458 – erzielt im März 2015.

HÖHERES BIP ERWARTET

Warum konnte der US-Dollar gegen fast alle Währungen seit der Wahl zulegen? Das ist der Annahme geschuldet, dass Trump, sobald er im Weißen Haus Platz genommen hat, ein Infrastrukturprogramm im Stile von Ronald Reagan auf den Weg bringen wird. Dies hatte zur Folge, dass Analysten weltweit im Eiltempo neue (höhere) Bruttoinlandsprodukt-Prognosen veröffentlichten. Ein höheres Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte Anlegergelder weiterhin anziehen und somit den Dollar stärken. Außerdem trieben die nun vermeintlich enorm steigenden Staatsausgaben der USA die Inflationserwartungen in die Höhe – was die US-Notenbank Fed in zwei Jahren nicht geschafft hat, erledigte der zukünftige US-Präsident quasi in 24 Stunden. In Erwartung höherer Inflationsraten in der Zukunft und einer Zentralbank, die deswegen aggressiver als bis dato mit Zinserhöhungen vorgeht, stiegen die Renditen der US-Staatsanleihen deutlich an. Hat ein Großinvestor die Wahl zwischen zehnjährigen Staatsanleihen aus Deutschland mit einer Rendite von 0,30 Prozent und zehnjährigen US-Treasuries mit einer Rendite von fast 2,5 Prozent, dann ist die Entscheidung sicherlich keine Überraschung. Das hatte zur Folge, dass die Kapitalabflüsse aus der Eurozone heraus in die USA massiv anstiegen – und dabei geht es dann eher um Milliarden als um Millionen. Aus diesem Grund musste der Euro gegen den Dollar nachgeben.

HÄLT DIE EUROSCHWÄCHE AN?

Für 2017 stellt sich nun die Frage, ob dieser Trend der Euroschwäche gegen den Dollar weiter anhalten wird. Dafür spricht, dass die US-Notenbank möglicherweise aggressiver mit Zinserhöhungen vorgehen könnte, falls Trump und der amerikanische Kongress tatsächlich ohne Rücksicht auf Verluste die Staatsausgaben in die Höhe treiben und der Arbeitsmarkt in den USA, der sich ohnehin der Vollbeschäftigung nähert, heiß läuft. Beides würde höhere Inflationsraten zur Folge haben. Da in der Eurozone im nächsten Jahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinerlei Zinserhöhungen zu erwarten sind, rechnet eine knappe Mehrheit der weltweiten Analystengemeinde mit einem potenziellen Sturz auf die Parität im neuen Jahr. Währungsanalysten der Deutschen Bank gehen sogar noch einen Schritt weiter und halten Kurse von 0,95 für das Währungspaar
Euro/Dollar für möglich. Diese Prognose ist allerdings mit dem Risiko behaftet, dass Anfang 2016 vieles für mehrere Zinserhöhungen der Fed sprach, sodass einige Marktbeobachter bereits für dieses Jahr die Parität erwartet hatten. Nicht erwartet hatten sie dagegen, dass der Euro selbst nach dem Italien-Referendum ansteigen würde, anstatt nachhaltig in die Knie zu gehen.

BREXIT SCHICKT PFUND AUF TALFAHRT

Spannend wird es auch, wenn man auf das Pfund blickt. Selbst altgediente Währungshasen können sich kaum an ähnliche Abstürze erinnern wie den des britischen Pfunds im Juni nach der Abstimmung über den sogenannten Brexit. Nach den ersten Nachwahlbefragungen, bei denen fälschlicherweise eine Mehrheit für den Verbleib in der EU angenommen worden war, kletterte das britische Pfund noch auf mehr als 1,50 Dollar, bevor es dann Stunden später auf 1,32 Dollar fiel. Ein Kurssturz von acht Prozent innerhalb weniger Stunden ist bei einer der Hauptwährungen höchst selten. Doch damit nicht genug: Im Oktober ging es gar bis auf 1,1841 Dollar/Pfund abwärts. So tief hatte die britische Währung zuletzt im Jahre 1985 gehandelt. Die weitere Entwicklung des Pfunds hängt nun davon ab, ob es eher zu einem „Soft Brexit“ kommt, bei dem sich nicht allzu viel an der derzeitigen Beziehung Großbritanniens zur EU ändern wird. Das würde das Pfund stützen. Oder kommt es zu einem „Hard Brexit“, also einem weitgehenden Kappen der Beziehungen und stattdessen dem Aushandeln von gesonderten Verträgen mit einzelnen Mitgliedsstaaten, was fatal für den Wert des Pfunds wäre. Viele Analysten sehen weiteres Abwärtspotenzial für das Pfund – teilweise sogar bis auf 1,06 Dollar/Pfund. Für Anleger ist es ratsam, die Nachrichtenlage hinsichtlich neuer Entwicklungen im Brexit-Prozess genau zu verfolgen.
Auch Aktieninvestoren sollten bedenken, dass das Rekordhoch des britischen Leitindex FTSE 100 (ähnlich wie das Mehr-Jahres-Hoch des japanischen Nikkei 225-Index im vergangenen Jahr) hauptsächlich durch die schwächere Währung der Briten ausgelöst worden war. Für Anleger, die auf weitere Kursrekorde der Londoner Börse setzen, könnten sich daher währungsgesicherte Produkte empfehlen.
Interessant bleiben dürfte 2017 auch die Entwicklung der Schwellenländerwährungen. Analysten sind recht positiv für den Rubel (insbesondere bei steigenden Ölpreisen) gestimmt, ebenso für den südafrikanischen Rand. Wesentlich kritischer wird der chinesische Renminbi betrachtet. Hier könnte es zu einem weiteren Kursrückgang von aktuell circa 6,90 Dollar/Renminbi bis auf 7,40 Dollar/Renminbi im kommenden Jahr und 8,10 Dollar/Renminbi 2018 kommen. Und das würde sicherlich dem Herrn im Oval Office nicht gefallen, der China ja vor der Wahl unberechtigterweise der Währungsmanipulation bezichtigt hatte. Denn in Wahrheit stützt China seit Monaten den Renminbi.
2017 wird viel darauf ankommen, wie die neue Regierung der USA agieren wird. Selten waren Prognosen unter so großer Unsicherheit zu treffen. Die Frage ist, ob die USA überhaupt eine ausufernde Stärke des Dollar und damit eine Schwächung ihrer Exportindustrie tolerieren werden.


X-press Magazin © 2018