- Kommentar | 15.12.2016

Wird 2017 ein glänzendes Jahr?

Dieser soll circa zwei Meter hoch gewesen sein, mit 19 Kilo allerdings geradezu filigran gearbeitet. Wer von uns hätte nicht auch gerne so einen Baum zu Hause stehen? Dafür würde ich sogar auf das ein oder andere Geschenk verzichten. Allerdings hat dieses Kunstwerk leider auch im Laufe der letzten Wochen wieder etwas an Wert verloren. Ein Verlustgeschäft also für den Juwelier, falls er das Rohmaterial für diesen güldenen Baum im Sommer beschafft hat. Um sich eine Meinung für 2017 zu bilden, muss der Marktbeobachter zunächst noch einmal reflektieren, warum der Goldpreis in diesem Jahr vorübergehend um 300 Dollar/Unze angestiegen ist und davon dann wieder 200 Dollar verloren hat. Der starke Kursanstieg im ersten Halbjahr war auf drei Gründe zurückzuführen: Zunächst einmal waren nach den Turbulenzen an den Aktienbörsen und nach dem Kurssturz der Ölpreise zu Jahresbeginn ebenso „sichere Häfen“ gefragt wie unmittelbar nach dem Brexit-Votum in Großbritannien im Juni. Die US-Notenbank hatte zu Beginn des Jahres vier Zinserhöhungen eingeplant. Was daraus geworden ist, wissen wir ja. Und der Dollar zeigte zu Jahresbeginn auch aus diesem Grunde heraus leichte Schwäche.

Seit der US-Wahl hat Gold dann aber deutlich an Wert verloren. Ehrlich gesagt hätte ich höhere Goldpreise nach der Wahl Donald Trumps erwartet. Die „Make America great again“-Story, die Mr. Trump unablässig verkündet, scheint an den Märkten unbesehen „gekauft“ zu werden. Die Renditen der US-Staatsanleihen schossen nach oben (schlecht für das nicht zinsbringende Gold), der Dollar stieg gegen einen Währungskorb auf ein 14-Jahres-Hoch, und die US-Aktienindizes kletterten von Rekord zu Rekord. Für 2017 erwartet das Rohstoff-Research der Deutschen Bank (Stand Anfang Oktober 2016) noch circa 1320 Dollar/Unze im Schnitt. Dies könnte in den kommenden Tagen adjustiert werden. Die entscheidende Frage ist, wie lange die Märkte die unter Trump wohl enorm wachsende Staatsverschuldung der USA und die stark steigenden Inflationserwartungen ignorieren. Sollten sie dies irgendwann nicht mehr tun, dann wird das oben genannte Bäumchen nächstes Jahr wohl teurer sein als derzeit.


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