Tops & Flops | 15.12.2016

Gewinner und Verlierer 2016

Kurz vor Jahresende gab der Dax doch noch etwas Gas. Seine Bilanz bis Mitte Dezember: ein Plus von rund vier Prozent. Mit einigen Indizes konnten Anleger jedoch deutlich besser abschneiden, mit anderen wiederum auch viel verlieren. Einige Tops und Flops des Jahres 2016.

Das Jahr 2016 ist fast vorbei – Zeit, um Bilanz zu ziehen und sich für 2017 zu positionieren. Viele Werte konnten positiv überraschen, viele sind aber auch deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Für das kommende Jahr werden die Karten neu gemischt, daher könnte es sich lohnen, einzelne Indizes genauer anzuschauen. Denn mit Index-Zertifikaten können Anleger bequem einzelne Volkswirtschaften, Branchen und Themen mit einem Produkt abbilden. Bei den Länderindizes stachen 2016 vor allem zwei positiv heraus: Sowohl der brasilianische Bovespa als auch der russische RTX entwickelten sich sehr gut, aber auch der Solactive Global Gold Mining-Branchenindex konnte überraschen (siehe Kästen rechts). Während der Stand des Bovespa von einigen Experten nun langsam als leicht überhitzt angesehen wird, vermuten viele beim RTX und dem Gold Mining-Index weiteres Potenzial für neue Kurshöhen.

Goldgräberstimmung

Der Solactive Global Gold Mining-Index konnte zuletzt mit einem Wertzuwachs von 52,29 Prozent im Jahr 2016 glänzen. Er bildet den Kurs der zehn größten internationalen Goldminen-Unternehmen ab. Vor allem die durch zahlreiche globale Krisen und Unsicherheiten sowie durch die Folgen des Brexit-Votums und weitere Probleme Europas bedingte steigende Nachfrage nach Gold hat auch den Aktien von Goldproduzenten Rückenwind verliehen. Für einen anhaltend hohen Goldbedarf spricht unter anderem der wachsende Mittelstand in Asien und die damit verbundene steigende Schmucknachfrage.

Goldproduktion WKN DB2GGM

Russischer Bär erwacht

Allen westlichen Sanktionen zum Trotz entwickelte sich der russische Aktienindex 2016 positiv. Vor allem könnte Russland das Schwellenland sein, das vermutlich am stärksten von der Präsidentschaft Trumps profitiert. Jedenfalls schöpfte der Russian Traded-Index (RTX) aufgrund des amerikanischen Wahlergebnisses und einer aus Sicht der Ölförderländer vielversprechenden OPEC-Sitzung frische Energie für einen kräftigen Jahresendspurt. Und sollte Trump tatsächlich die Sanktionen gegen Russland im kommenden Jahr lockern, dürfte der russische Aktienmarkt auch 2017 weiter nach oben tendieren.

Russland WKN 774900

Anhaltende Samba-Laune

Mehr noch als sportliche Großereignisse bestimmten politische Skandale die Nachrichten über Brasilien in der jüngsten Vergangenheit. Das alles scheint die brasilianische Wirtschaft, nach Bruttoinlandsprodukt 2015 immerhin die neuntgrößte der Welt, allerdings nur bedingt zu beeinflussen. Laut OECD soll 2017 wieder ein Wirtschaftswachstum in Brasilien möglich sein. Denn die neue Übergangsregierung verfolgt eine wirtschaftsfreundlichere Politik, setzt auf Privatisierungen und will das Staatsdefizit reduzieren. Alles Maßnahmen, die Anlegern offenbar gefallen: Der Leitindex Brasiliens, der Bovespa, gehört jedenfalls zu den Börsengewinnern 2016.

Brasilien WKN DB1CC7

ENTTÄUSCHUNGEN ALS WENDEPUNKT

Werte, die 2016 hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, sollten nicht grundsätzlich abgeschrieben werden. Oft schlummern dort die größten Reserven. Wer in dem einen Jahr hinten liegt, kann im nächsten unter den Gewinnern sein. Ob einer der nebenstehenden Indizes dazugehört, ist schwer zu sagen. Der ÖkoDax umfasst viele zukunftsträchtige Unternehmen. Ob diese ihr volles Potenzial bereits 2017 ausspielen können, wird die Zukunft zeigen müssen. Eine Kehrtwende ist zumindest rein charttechnisch gesehen aber noch nicht zu erkennen. Beim X-pert Index-Zertifikat auf den Egyptian Exchange-Index lag das Problem ganz woanders: Überraschend hatte die ägyptische Regierung ihre Währung gegenüber dem Dollar deutlich abgewertet. Da das X-pert-Zertifikat in Euro notiert, wirkte sich die Maßnahme auch in dessen Kurs aus. Der ägyptischen Wirtschaft könnte die günstigere Währung nun aber vor allem aus Exportsicht Vorteile bringen, was sich bereits im Index zeigt und künftig auch in einer wieder stärker werdenden Währung niederschlagen dürfte. Von beidem sollte auch das Index-Zertifikat profitieren können. Italiens Börse hat 2016 einige Turbulenzen erlebt. Anleger sollten vorerst etwas Ruhe einkehren lassen.

Grün sieht rot

Der am 4. Juli 2007 eingeführte ÖkoDax bescherte seinen Anlegern in den vergangenen Monaten nur wenig Vergnügen. Der Spezialindex enthält die zehn nach Marktkapitalisierung größten deutschen Erneuerbare-Energie-Unternehmen, allesamt im Prime Standard gelistet – dem Segment der Deutschen Börse mit den höchsten Regulierungs- und Transparenzanforderungen. Alle Firmen stammen aus den Branchen Solar, Wind, Wasserkraft und Bioenergie. Nach dem Ende der deutschen Atomkraft und dem Umstieg auf Elektro­autos könnte der ÖkoDax künftig wieder Auftrieb erhalten, was bislang aber noch nicht absehbar ist.

Erneuerbare Energien WKN DB80EK

Zwiegespalten

Anleger, die in den größten ägyptischen Aktienindex Egyptian Exchange-Index investiert sind, mussten leidvoll erfahren, wie stark die Wirkung einer Währungskomponente ausfallen kann. Ägypten wertete am 11. November überraschend seine Währung gegenüber dem US-Dollar um 48 Prozent ab. Da die Basiswerte des Index allesamt in ägyptischen Pfund gehandelt werden, verlor dieser in Fremdwährung trotz Kursanstieg des Index im nicht währungsgesicherten X-pert-Zertifikat drastisch. Anleger sollten daher bei all ihren Investitionen potenzielle Risiken durch die Währungskomponenten im Auge behalten.

Ägypten WKN DB1CEX

No, no, no!

Nach dem gescheiterten Referendum zur Reform der Verfassung in Italien reagierten die Börsen eher gelassen. Der Ausgang des Votums war bereits zum größten Teil eingepreist. Ansonsten sind es vor allem Probleme im italienischen Bankensektor, die im Jahresverlauf die Entwicklung des italienischen Aktienmarkts schwer belastet haben. Grund sind hauptsächlich faule Kredite. Im Zentrum steht die Monte dei Paschi di Siena, die bei den Banken-Stresstests 2014 und 2016 jeweils den letzten Platz belegte. Das hatte auch Auswirkungen auf den Blue-Chip-Index FTSE MIB.

Italien WKN DB0GSY


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