Zertifikat statt Aktie | 15.12.2016

Linde nimmt zweiten Anlauf

Mit einer Performance von knapp 20 Prozent gehört die Aktie von Linde in diesem Jahr zu den besten Titeln im Dax. Allerdings prägen ausgedehnte Seitwärtsphasen den Aktienkurs, weshalb Discount-Zertifikate eine gute Alternative zu einem Direkteinstieg sein könnten. Denn genau in diesem Umfeld spielen sie ihre Stärken aus.

Für Linde geht ein schwieriges Jahr zu Ende. Der Industriegasehersteller leidet stark unter dem Verfall des Ölpreises und muss sich einer Rosskur unterziehen. So wurde der Sparkurs verstärkt, ab 2019 sollen jährlich 550 Millionen Euro eingespart werden. Das sind fast 400 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Die Maßnahmen sind notwendig, weil Kunden wie etwa Öl-Unternehmen sich nach wie vor mit Investitionen zurückhalten. Das bekommt vor allem der Anlagenbau von Linde heftig zu spüren. Ein Lichtblick ist allerdings, dass der Konzern die Talfahrt bei den Umsätzen stoppen konnte.

 

Linde Discount-Zertifikat

 

FUSION MÖGLICH

Außerdem honorieren Anleger die wieder aufgenommenen Gespräche mit dem US-Konkurrenten Praxair über eine mögliche Fusion. Vor zwei Monaten wurden die Verhandlungen abgebrochen, weil sich beide Seiten nicht über Standorte und Personalien einigen konnten. Nun ist Praxair Linde entgegengekommen und die Verhandlungen werden fortgesetzt, aber mit einem neuen Vorstandschef. Wolfgang Büchele ist zurückgetreten, dafür holt Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle seinen Vertrauten Aldo Belloni aus dem Ruhestand. Er bleibt bis Ende 2018 im Amt, um die Fusion voranzubringen.

Praxair könnte sich nun vorstellen, dass es in der Zukunft zwei Konzernzentralen – eine in den USA und eine in Deutschland – unterhält.
Auch zu Standortgarantien sind die Amerikaner jetzt bereit. Sollte die Fusion doch noch gelingen, wäre Linde wieder die uneingeschränkte Nummer eins auf dem globalen Gasemarkt. Zusammen würden die beiden Unternehmen einen Marktwert von mehr als 60 Milliarden Euro erreichen. Praxair und Linde sind regional unterschiedlich gut positioniert und ergänzen sich somit perfekt. Linde hat vor allem in Europa und Asien eine starke Marktstellung, Praxair in Nord- und Südamerika.

 

Chart Linde AG

 

INVESTMENTIDEE

Linde besitzt also noch Übernahmefantasien, allerdings gehört die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2016 von fast 22 zu den teuren Titeln im Dax.
Wer daher lieber etwas defensiver bei der Aktie engagiert sein will, kann diese Strategie mit einem Discount-Zertifikat umsetzen. Anleger investieren mit einem Rabatt (Discount) in die Linde-Aktie, dafür sind die Gewinnchancen auf einen Höchstbetrag (Cap) begrenzt. Der Rabatt ermöglicht nicht nur einen günstigeren Einstieg als beim Aktienkauf, sondern er fungiert gleichzeitig als kleiner Schutz bei fallenden Kursen. Das Papier mit der WKN DL7VUF notiert derzeit knapp 13 Prozent unter dem aktuellen Aktienkurs. Der defensive Charakter dieses Discount-Zertifikats wird aber nicht nur anhand des niedrigen Einstiegspreises von 138,80 Euro deutlich, sondern auch am niedrigen Cap von 146 Euro, der momentan weit unterhalb des aktuellen Aktienkurses liegt.

Das heißt, am Verfallstag im Dezember 2017 kann die Linde-Aktie sogar bis auf 146 Euro gefallen sein, und dennoch erzielt das Papier die maximal mögliche Seitwärtsrendite. Sie liegt zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe bei 5,23 Prozent. Sollte die Aktie bei Verfall allerdings unter dem Cap notieren, verringert sich der Gewinn allmählich. Verluste entstehen aber erst, wenn der Linde-Kurs unter den noch tiefer liegenden aktuellen Preis des Discount-Zertifikats fällt.

 

Linde AG - Aktie und Zertifikat im Vergleich


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