Gastbeitrag: Dax-Analyse | 30.03.2017

Vor dem zweiten Schub

Erinnern Sie sich noch an den Jahreswechsel 2014/15 an der Börse? Ich ja, denn der Dax schaffte kurz nach Silvester den Sprung über die magische Marke von 10 000 Punkten. Danach ging es wie bei einem Raketenstart steil hinauf. Bis Ende März 2015 kletterte der Index auf sein Allzeithoch von 12 374 Punkten – und viele Anleger starrten diesem Anstieg überrascht hinterher. Ab Anfang April ging es dann aber das ganze Jahr lang kräftig abwärts und sogar wieder deutlich unter die Marke von 10 000 Punkten.

Ich lege Ihnen diesen kurzen Blick zurück ans Herz, weil er für die aktuelle Entwicklung des Dax in den kommenden Wochen und Monaten relevant sein könnte. Momentan scheint sich das damalige Kurs-Muster sehr ähnlich zu wiederholen. Das aktuelle Ausbruchsniveau des Dax liegt mit 10 800 Punkten zwar etwas höher als 2015. Und diesmal erfolgte der Ausbruch bereits im Dezember, kurz nach der Wahl von Donald Trump zum 45ten US-Präsidenten.

Der Börsenverlauf des Index ist in beiden Jahren trotz kleiner Unterschiede sehr ähnlich. Mit einem kräftigen Schub hat der Dax Anfang 2017 vom Startplateau (10 800 Punkte) aus an Höhe gewonnen. Dann flacht sich seine Bahn etwas ab und der Index verliert an Schwung (vgl. X-press 01/2017). Das war Anfang 2015 auch der Fall, bevor der Dax noch einen weiteren Anstieg vollzog.

Auch dieses Jahr könnte es eine zweite Schub-Stufe für den Dax geben. Diese dürfte nach dem Zinsentscheid der US-Notenbank Fed Mitte März gezündet werden. Die Spekulation geht so: Die gute US-Konjunktur beflügelt die Hoffnungen der Anleger, dass die US-Aktien ihre hohen Bewertungen rechtfertigen können, weil die Unternehmen in den kommenden Monaten ein entsprechendes Gewinnwachstum liefern werden. Dieser Optimismus wird auch den Dax mit nach oben ziehen, zumal die Aktien hierzulande im Durchschnitt deutlich preiswerter sind als US-Titel. Deren Shiller-KGV liegt über 26, das langfristige KGV der Dax-Werte dagegen nur bei 18. Hinzu kommt, dass die Geldhüter der EZB weiter superbillig Liquidität bereitstellen und die Zinsen am Boden festzurren. Das müsste dem Dax eigentlich Flügel verleihen.

Aber auch in diesem Jahr könnte der Dax schon im Frühjahr seinen Höchststand sehen – und dann wieder nach unten drehen. Denn Raketentriebwerke brennen einfach aus, wenn der Treibstoff verbraucht ist. An den Börsen könnte das dann geschehen, wenn die Marktzinsen in den USA weiter klettern und Donald Trump damit scheitert, seine Steuererleichterungen und gleichzeitig sein milliardenschweres Konjunkturprogramm haushaltstechnisch unter einen Hut zu bekommen. Das könnte im April anfangen, sich abzuzeichnen. Verliert der Dow Höhe, wird auch der Dax in den Sinkflug übergehen. Hinzu kommt für Europa das Risiko, dass im Mai in Frankreich Wahlen anstehen. Deren Ausgang könnte die Börsen sogar stärker belasten als der Brexit. Die Korrekturwahrscheinlichkeit des Dax in Richtung 11 500 /11 000 Zähler nimmt darum deutlich zu.

 

FAKTOR-ZERTIFIKATE AUF LEV- UND SHORTDAX

WKN Name Geld Laufzeit Factor type Factor
XM2HEB Faktor 2x long DAX® Index-Zertifikat bezogen auf den LevDAX® x2 Index 12,090 EUR Open End Long 2,00
XM2SRT Faktor 2x ShortDAX® Index-Zertifikat bezogen auf den ShortDAX® x2 Index 40,650 EUR Open End Short -2,00
XM4SRT Faktor 4x ShortDAX® Index-Zertifikat bezogen auf den ShortDAX® x4 Index 21,500 EUR Open End Short -4,00
XM4DAX Faktor 4x long DAX® Index-Zertifikat bezogen auf den LevDAX® x4 Index 10,750 EUR Open End Long 4,00
Stand 21.06.2018 18:15:53 Quelle: Deutsche Bank AG

Fazit: Der nächste Schub könnte den Dax noch bis zum Allzeithoch und – vom Momentum getrieben – sogar noch darüber hinaus in Richtung 13 000 Punkte führen. Höher sehe ich die Dax-Flugbahn aktuell aber nicht steigen. Wer investiert ist, fliegt in der Rakete weiter mit, sollte aber allmählich einen Fallschirm anlegen und Stopp-Kurse setzen. Neue Aktienkäufe würde ich erst nach einer kräftigen Korrektur wagen.

DAX-Chartanalyse

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