Silber im Fokus | 30.03.2017

Goldene Zeiten für Silber?

Silber vereint die Eigenschaften eines Edel- und eines Industriemetalls. Dementsprechend gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Faktoren, die 2017 den Preis des „kleinen Bruders des Goldes“ beeinflussen können.

Auf den Märkten für Edelmetalle deutet sich bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe Mitte März ein starkes erstes Quartal an, auch wenn diese ein Stück unter ihren bisherigen Jahreshöchstkursen handeln. Nichtsdestotrotz lassen insbesondere Palladium, aber auch Silber aktuell jedes andere Metall und auch jede Währung hinter sich, was die bisherigen Kursgewinne gegen den Dollar seit Jahresbeginn anbelangt. Auch die Goldpreise haben einen starken Jahresauftakt hinter sich. Was sind die Gründe?

Gold-Kommentar

Frühlingsgefühle

Wie bereits vergangenen Monat an dieser Stelle erwähnt, haben wir, das heißt meine X-markets-Kollegen und ich, ein neues Office bezogen. Inzwischen haben wir uns etwas eingelebt, aber es ist schon erstaunlich, welche Kinderkrankheiten so ein brandneues Gebäude doch haben kann. Aber solange ich morgens rein- und abends wieder rauskomme, ist alles gut.

Michael Blumenroth

Index-Zertifikate auf Silber

WKN Name Geld Quanto
DB3XAG Silber X-pert Zertifikat 12,710 EUR
DB2XAG Silber X-pert Zertifikat Quanto 12,000 EUR
Stand 15.10.2018 13:00:24 Quelle: Deutsche Bank AG

Hier muss man zwischen Gold und den anderen Edelmetallen genauer unterscheiden. Vier Gründe waren es vor allem, die seit Jahresbeginn für eine verstärkte Nachfrage nach Gold sorgten:

Erstens wurden politische Risiken eingepreist. Insbesondere die bevorstehenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Frankreich sowie zeitweilig auch der Wahlgang in den Niederlanden trieben die Investoren in Sichere-Hafen-Anlagen.

Zweitens sind die Renditen der US-Staatsanleihen von ihren Höchstständen nach den Präsidentschaftswahlen in den USA etwas zurückgekommen. Hier wirkt immer noch der gute alte Zusammenhang: „Je niedriger die Renditen, desto höher der Goldpreis und umgekehrt“. Dies führte auch dazu, dass der Dollar gegenüber seinem Höchststand zu Jahresbeginn mittlerweile deutlich zurücksetzte. Hier gilt eine andere alte Regel: „Je schwächer der Dollar, desto besser ist dies gewöhnlich für die Goldpreise.“

Drittens trieb die „phänomenale Steuersenkung“, die Donald Trump angekündigt hat, die Inflationserwartungen in den USA – ebenso wie die angekündigte eine Billion Dollar, die er für Infrastrukturmaßnahmen ausgeben möchte. Dies stützt tendenziell den Goldpreis.

Viertens wurden seit Jahresbeginn Gold-ETFs (viele von ihnen physisch hinterlegt) von den Anlegern in großer Zahl nachgefragt.

entwicklung des „kleinen Bruders“

Nun gilt ja Silber gemeinhin als der kleine Bruder des Goldes. Somit ist es naheliegend, dass dieselben Gründe, die Anleger veranlassten, Gold zu erwerben, auch für Silber gelten. Allerdings kommt bei Silber hinzu, dass dieses Metall auch den Charakter eines Industriemetalls hat. Neben dem Gebrauch in der Fotografie und für elektronische Anwendungen spielt hier natürlich insbesondere die Fotovoltaik eine Rolle.  

Generell erscheinen die Aussichten für die Industrie momentan weltweit besser zu sein als in den vergangenen Jahren. Dies kommt unter anderem in den Stimmungsindikatoren zum Ausdruck. Die monatlich durchgeführten Befragungen zu den Einkaufsmanagerindizes der Industrie kletterten in den letzten Monaten deutlich nach oben und zeugten somit von einer allgemein guten Stimmung unter den Befragten. Hauptgrund hierfür dürften natürlich die Folgen der US-Wahl sein. Schließlich hat Präsident Trump ja – siehe oben – Steuererleichterungen und Infrastrukturmaßnahmen angekündigt. Und ein guter Teil der dadurch verfügbaren Gelder sollte der Industrie zugutekommen.

Energiepolitisches umdenken 

Etwas zwiespältig sind die Aussichten für die Fotovoltaik – ein relativ junges, aber umso bedeutenderes Segment der Nachfrage nach Silber. Einerseits ist der Klimawandel nach Ansicht des US-Präsidenten eine Erfindung der Medien, Chinas oder anderer Mächte. Dies bedeutet, dass die Vereinigten Staaten in naher Zukunft vielleicht nicht unbedingt das Land sein werden, das die Solartechnik am meisten fördert. Andererseits nimmt die Wirtschaftlichkeit dieser Technik zu, so dass ihre Anwendung auch in den Vereinigten Staaten mit ihrer traditionell hohen Affinität zu fossilen Energien eher zunehmen sollte – und damit auch der Silberbedarf. 

der Energiehunger treibt die Preise 

Noch freundlicher sieht es im Rest der Welt aus. Hier sei insbesondere China erwähnt, das seine Initiativen zur Förderung sauberer Energie weiter ausbaut – eingedenk des dort vorherrschenden Smogs erscheint dies auch dringend nötig. So  hat China laut der Nationalen Energiebehörde seine Fotovoltaikleistung 2016 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Auch das fast ebenso bevölkerungsreiche Indien investiert inzwischen vermehrt in die Solarbranche, um den Energiehunger der stetig wachsenden Bevölkerung zu befriedigen. Ebenso soll es in absehbarer Zeit in vielen weiteren sonnenreichen Ländern wie Mexiko, Australien und Brasilien zu einem deutlichen Ausbau der Solarstromkapazitäten kommen. 

Dies alles deutet auf eine stetig wachsende Nachfrage nach Silber hin. Da aufgrund des Preisverfalls in den letzten Jahren viele geplante Investitionen zum Abbau von Metallen, als deren Beiprodukt auch Silber anfällt, nicht getätigt, sondern storniert oder zumindest verschoben wurden, ist gleichzeitig mit einem tendenziell eher schwächeren Angebot zu rechnen. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass bei sinkendem Angebot und wachsender Nachfrage laut BWL-Lehrbüchern der Silberpreis steigen müsste. Auch die Prognosen der Deutschen Bank gehen davon aus, dass nach einer kleinen möglichen Preisdelle im zweiten Quartal 2017 der Silberpreis über die nächsten Jahre ansteigt. 

vieles hängt von trump ab 

Risiken bestehen dabei durch die Eintrübung der weltweiten Konjunkturaussichten und einem möglichen Preisdruck auf Gold, falls die Renditen der US-Staatsanleihen stark ansteigen sollten bzw. falls die US-Notenbank die nächsten Zinserhöhungen deutlich aggressiver angeht, als es derzeit vermutet wird. Hier bestünde dann doch die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Silberpreise das Gold zum Vorbild nehmen. Auch könnte natürlich Donald Trump die Märkte enttäuschen. Und zwar dann, wenn er immer nur ankündigt, aber nicht liefert. Sollten die oben genannten geplanten Maßnahmen aber tatsächlich vollzogen werden, dann könnte die US-Konjunktur zumindest kurzfristig brummen. Schließlich möchte der US-Präsident das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes der USA von zirka zwei Prozent auf vier Prozent verdoppeln. Falls die USA dabei von allzu protektionistischen Maßnahmen absehen, sollte dieses Wachstum auch der Weltkonjunktur auf die Sprünge helfen – und damit auch der Nachfrage nach Industrie- und Edelmetallen, zu denen neben Gold und Silber auch Platin und Palladium zählen. Die Sommermonate könnten spannend werden, denn der US-Finanzminister hat Einzelheiten zu den geplanten Maßnahmen für spätestens Ende August angekündigt. 


X-press Magazin © 2018