Titelthema Gesucht, gefunden: Zinsalternativen | 30.03.2017

Ja, ich will Zinsen!

Mit Zertifikaten können Anleger eine renditereiche Bindung eingehen – sie müssen sich nur trauen. Von X-markets gibt es eine Reihe von zinsversprechenden Kandidaten, für gute und für schlechte Börsenzeiten

Das Deflationsgespenst hat seinen Schrecken verloren. Von vielen Experten im vergangenen Jahr noch als veritable Gefahr für die Wirtschaft beschworen, sind fallende Preise nun kein Thema mehr. Im Gegenteil: Im Februar war die Lebenshaltung in Deutschland 2,2 Prozent teurer als im Vorjahresmonat, der höchste Stand seit Februar 2012. Für die gesamte Eurozone lag die Inflationsrate bei zwei Prozent. Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der Deutschen-Bank-Tochter Deutsche Asset Management, bringt es auf den Punkt: „Die Deflationsgefahren, die noch in der zweiten Jahreshälfte 2016 geschürt wurden, scheinen gebannt.“

Schwierig für Sparer, denn die Europäische Zentralbank hält den Leitzins weiterhin bei null, während viele solide Staatsanleihen negative Renditen abwerfen. Selbst festverzinsliche Wertpapiere geringerer Bonität rentieren nach Steuern nur knapp über der Inflationsrate.

Negativzinsen sind für die meisten Privatanleger zwar weiter die Ausnahme, doch der reale Zins – also der Zins nach Abzug der Teuerung – ist längst ins Minus gerutscht. Die Vermögenssubstanz der Sparer droht spürbar zu schrumpfen, weil Sparbuch und Tagesgeld eine Verzinsung deutlich unterhalb der Teuerung abwerfen. „Wenn ich in Frankfurt mittags essen gehe, liegt die jährliche Preissteigerung bei rund fünf Prozent. Aber selbst wenn die Inflation nur zwei Prozent beträgt, das Sparbuch aber nur ein Prozent Zinsen abwirft, verliere ich an Kaufkraft“, rechnet André Köttner vor, der seit Januar globaler Co-Aktienchef von Deutsche Asset Management ist.

Entwicklung der Leitzinsen

Die Monatsberichte der Bundesbank offenbaren die Brisanz der Lage: Demnach kostet die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank Deutschlands Sparer Jahr für Jahr mehrere Milliarden Euro. Allein zwischen 2009 bis 2015 sind die jährlichen Zinsgutschriften auf Spareinlagen auf ein Drittel ihrer früheren Höhe geschmolzen: von 13,8 auf 4,4 Milliarden Euro.

Auch wenn Janet Yellen, die Chefin der amerikanische Notenbank Fed aktuell die Leitzinsen um 0,25 Punkte erhöht hat und die sogenannte Federal Funds Rate damit künftig zwischen 0,75 und 1,0 Prozent liegt, profitieren die deutschen Privatanleger noch lange nicht davon.

Durch die US-Zinserhöhung wächst nun der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB). Der dem EZB-Rat angehörende Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, kann sich eine Erhöhung des Einlagensatzes auch bereits vorstellen. Bisher sieht EZB-Chef Mario Draghi aber noch keinen Anlass aus der absoluten Niedrigzinspolitik auszusteigen. „Niedrige Zinsen sind jetzt notwendig, damit wir in Zukunft wieder höhere Zinsen haben“, so Draghi. Wann diese Zukunft für ihn eintritt, konkretisierte er allerdings noch nicht.

Goldener Mittelweg

Gleichwohl lieben die Bundesbürger ihr Sparbuch. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) legen die Menschen zwischen Garmisch und Flensburg mehr als doppelt so viel auf die hohe Kante wie der Durchschnitt der EU-Bürger, rund viermal so viel wie die Franzosen und über fünfzehnmal mehr als die Italiener. So verwundert es kaum, dass hierzulande auf Sparbüchern, Giro-, Tages- und Festgeldkonten laut Deutscher Bundesbank rund 2,1 Billionen Euro liegen, die nach Abzug der Inflation vielfach negative Renditen aufweisen. Daran dürfte sich auch künftig nichts ändern: Jeder zweite Deutsche will im Verlauf dieses Jahres noch mehr auf die hohe Kante legen als 2016 – Magerzinsen hin oder her. Damit wird er dann wohl zu den Verlierern der aktuellen extremen Niedrigzinspolitik gehören (siehe Grafik Seite 14).

Dabei ist das viel bemühte Bonmot, wonach es statt risikoloser Renditen renditelose Risiken gibt, längst Wirklichkeit geworden. Experten zufolge wird sich am Tiefzinsumfeld noch längere Zeit nichts ändern. Doch je länger die Europäische Zentralbank an der Politik des billigen Geldes festhält, desto mehr geraten sicherheitsbetonte Anlagen wie Anleihen, Banksparpläne oder Lebens- und Rentenversicherungen ins Abseits. Sparer, die nicht auf Jahre hinaus einen wichtigen Teil ihrer Geldanlage brachliegen lassen wollen, müssen umdenken.

Geht es um größere Renditechancen, raten Vermögensverwalter fast unisono zu Aktien. Doch Dividendentitel sind in der Regel mit einem höheren Risiko verbunden. „Den goldenen Mittelweg – und damit einen Ausweg aus dem Magerzins-Dilemma bei reduziertem Risiko – bieten strukturierte Wertpapiere mit Sicherheitspuffer. Aktienanleihen und Express-Zertifikate verzeichnen deshalb ein überdurchschnittliches Wachstum“, beobachtet Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbandes (DDV). „Zwar hängen ihre Erträge unmittelbar vom Geschehen an den Aktienmärkten ab, doch haben sie Sicherungsfunktionen eingebaut, um die Aktienrisiken abzufedern.“ Laut der jährlichen Umfrage, die der DDV bei 21 Emittenten durchgeführt hat, sehen 40 Prozent der Emittenten in diesem Jahr bei den Express-Zertifikaten die größten Zuwächse.

Chance auf 6,1 p.a.
WKN DB9T5F
Name (kurz) DB Express Certificate: BASF SE 02/22
Geld 71,740 EUR
Barriere 53,400
Laufzeit 18.02.2022
Stand 15.12.2018 15:45:12 Quelle: Deutsche Bank AG
ENTWICKLUNG DER SPARBUCHZINSEN IN DEUTSCHLAND VON 2011 BIS 2016

Vorzeitige Rückzahlung möglich

Der besondere Charme dieser Investmentvehikel: Anleger können damit im positiven Fall nicht nur mehr als mit Tages- und Festgeld verdienen, sie bleiben auch flexibler. Mitunter kann es bei Express-Zertifikaten – nomen est omen – alles sehr schnell gehen. Zwar haben sie eine reguläre Laufzeit, die sich bei Emission meist über mehrere Jahre erstreckt. Zugleich bieten sie aber die Möglichkeit einer vorzeitigen Rückzahlung zu einem festgelegten Einlösebetrag.

Mit fallenden Tilgungsschwellen und ansteigenden Tilgungsbeträgen gewinnt das Express-Zertifikat von X-markets in diesem Fall auf die Ludwigshafener BASF (siehe Tabelle Seite 13) seine Anhänger. Die großzügige Barriere wurde bei Emission bei 60 Prozent festgelegt, was einem Aktienkurs von 53,40 Euro entspricht. Die Beobachtungstage datieren zwischen dem 15. und 21. Februar eines jeden Jahres, fällig wird das Papier spätestens am 23. Februar 2022. Liegt die Tilgungsschwelle am ersten Beobachtungstag, dem 16. Februar kommenden Jahres, noch bei 89 Euro je Aktie, so sinkt sie jährlich um 4,45 Euro bis zum letzten Beobachtungstag am 16. Februar 2022 auf nur 71,20 Euro. Im gleichen Zeitraum steigt der Tilgungsbetrag jährlich um satte 6,10 Euro von 106,10 auf 130,50 Euro.

Notiert das weltgrößte Chemieunternehmen am letzten Bewertungstag auf oder über 71,20 Euro je Aktie, dann erhält der Anleger EUR 130,50. Liegt der Referenzpreis zu diesem Zeitpunkt unterhalb der Einlösungsschwelle von 71,20 Euro, aber noch über der Barriere von 53,40 Euro, beträgt die Auszahlung 100 Euro. Erst ab dieser Schwelle müssen Investoren Verluste hinnehmen. Die Aktie müsste also deutlich an Wert verlieren, um Anlegern die Suppe zu versalzen.

mit Zinsen punkten

Für diejenigen, die nach Zinsalternativen suchen, sind Kupon-Zertifikate eine weitere interessante Produktkategorie. Im Fall der WKN DL54QS auf die Allianz-Aktie sogar mit Airbag (siehe Tabelle unten). Dieses Produkt richtet sich an Anleger mit der Erwartung, dass die Allianz-Aktie spätestens am finalen Bewertungstag, dem 10. März 2022, nicht unter 101,49 Euro notiert. Damit das Kupon-Zertifikat mit Airbag einen Zinsbetrag in Höhe von 35 Euro je Zertifikat ausschüttet – was einer Zinszahlung in Höhe von 3,5 Prozent entspricht, muss der Allianz-Aktien-Kurs am jeweiligen Beobachtungstag über der Zinsschwelle von 101,49 Euro notieren. Insgesamt könnte der Zertifikate-Anleger somit im positiven Fall fünf Mal einen Zinsertrag einnehmen.

 

PROFITIEREN SIE VOM NIEDRIGZINSNIVEAU?

 

Der kleine Wermutstropfen: Eine positive Entwicklung der Allianz-Aktie nutzt den Zertifikate-Anlegern nichts, weil die Zinszahlungen den maximalen Ertrag darstellen. Dafür kassieren Anleger den Zinsbetrag am Bewertungstag auch dann, wenn die Allianz-Aktie unterhalb der Tilgungsschwelle notiert. Ihr Kurs muss lediglich auf oder über der jeweiligen Zinsschwelle in Höhe von 101,49 Euro schließen.

Schnelles ende denkbar

Zu einer vorzeitigen Rückzahlung kann es kommen, wenn sich die Allianz-Aktie seitwärts oder aufwärts entwickelt. Dazu muss ihr Schlusskurs an einem der Beobachtungstage auf oder über der Tilgungsschwelle von 169,15 Euro liegen. Dann erhalten die Besitzer des Zertifikats den Nennbetrag von 1000 Euro, den aktuellen Zinsbetrag von 35 Euro und eventuell zuvor angefallene Zinsbeträge. Im schnellstmöglichen Szenario erfolgt die Rückzahlung am 12. März 2018, also bereits nach einem Jahr.

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Flott und fexibel

Verluste entstehen erst dann, wenn weder eine vorzeitige Rückzahlung noch die Behauptung des der Barriere von 101,49 Euro am Bewertungstag, dem 10. März 2022, gelingt. Dann entfallen die finale Zinszahlung und vorher eventuell entgangene Zinsbeträge. Anleger erhalten stattdessen den Nennbetrag von 1000 Euro abzüglich der negativen prozentualen Wertentwicklung der Allianz-Aktie ausgehend vom Kurs bei der Emission des Zertifikats (169,15 Euro).

Mit anderen Worten: Anleger nehmen eins zu eins an der negativen Wertentwicklung der Aktie ausgehend vom Kurs bei Emission teil. Damit dieses für den Anleger negative Szenario Wirklichkeit wird, müsste die Aktie, vom heutigen Stand aus, bis März 2022 rund 70 Prozent einbüßen und auch zwischendrin an den Beobachtungstagen niemals über der Tilgungsschwelle liegen.

Das Kupon-Zertifikat mit Airbag richtet sich somit an Anleger, die davon ausgehen, dass die Aktie des Münchener Versicherungsriesen spätestens am Laufzeitende bei mindestens 101,49 Euro notiert. Darunter wandern im schlimsten Fall Allianz-Aktien in der gemäß dem Bezugsverhältnis bestimmten Anzahl ins Depot. Angerechnet werden dabei nicht die vollständigen Kursverluste, sondern nur die über die Schwelle hinausgehenden Einbußen – ein Airbag, der Anleger besserstellt als bei Produkten ohne Sicherungsmechanismus. Doch dazu dürfte es vermutlich kaum kommen: Dank gut laufender Geschäfte steigerten die Münchener im vergangenen Jahr das Ergebnis um 12,4 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro, erst kürzlich erreichte der Aktienkurs ein Siebenjahreshoch und steht somit auch aktuell mit 171,22 Euro deutlich über der Tilgungsschwelle von 169,15 Euro. Liegt der Schlusskurs der Aktie an einem der Beobachtungstermine unterhalb der Zinsschwelle, findet keine Zinszahlung statt.

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VERHALTEN VON AKTIEN UND ZERTIFIKATEN BEI VERSCHIEDENEN MARKTVERLÄUFEN

Liebling der anleger

Auch mit Aktienanleihen kommen Anleger in den Genuss von Zinserträgen. Der jährlichen Umfrage des Deutschen Derivate Verbandes zufolge erwartet jeder vierte der 21 befragten Emittenten, dass Privatanleger verstärkt auf Aktienanleihen setzen. Denn bei dieser Mixtur aus Aktien- und Zinsinvestment reichen bereits seitwärts laufende Kurse aus, um nennenswerte Erträge zu erwirtschaften. Sind die Aktienanleihen mit einem Sicherheitsabstand bis zur Barriere ausgestattet, stellen selbst leicht fallende Märkte keine Schwierigkeit dar.

Fester jährlicher Zins

Ein Beispiel ist die Daimler-Aktienanleihe (siehe Tabelle oben) von X-markets. Dreh- und Angelpunkt ist der Basispreis, der hier auf runde 65,00 Euro festgelegt wurde. Notiert die Mitte März zum Preis von 70,35 Euro gehandelte Aktie zum Laufzeitende am 14. Juni kommenden Jahres über diesem Niveau, winkt zusätzlich zum Nennbetrag von 1000 Euro ein annualisierter Zins von 7,2 Prozent, der deutlich über der erwarteten Daimler-Dividendenrendite von derzeit rund 4,5 Prozent liegt.

Ganz umsonst gibt es diese üppige Zinszahlung nicht, denn die Aktienanleihe birgt – ebenso wie die Aktie selbst – das Risiko eines Rückgangs des Daimler-Kurses. Rutscht die Daimler-Aktie am Laufzeitende unter den Basispreis von 65 Euro, gibt es die Zinsen freilich auch. Doch zugleich wandelt sich die Aktienanleihe in eine Direktanlage und ihr Besitzer wird zum Aktionär. Natürlich kann er die gelieferten Aktien auch behalten, auf eine Kurserholung setzen und von künftigen Dividendenzahlungen profitieren. Über die maximale Rendite freuen, darf er sich hingegen, wenn die Aktie der Stuttgarter Automobilschmiede zum Laufzeitende auf oder über 65 Euro schließt und Nennwert nebst Zins p.a. winken. Das ist selbst dann der Fall, wenn die Daimler-Aktie bis dahin um rund sechs Prozent an Wert verliert.

Spezielles Sicherheitsnetz

Eine Alternative zu klassischen Aktienanleihen sind derartige Produkte mit einer zusätzlichen Barriere, die wie ein Dämpfer wirkt, etwa die Adidas-Aktienanleihe Plus (WKN DM0YE2) von X-markets. Auch hier erfolgt die Zinszahlung – in diesem Fall 6,2 Prozent per annum – unabhängig von der Wertentwicklung der Aktie. Liegt der Adidas-Schlusskurs am 14. Juni 2018 auf oder über dem Basispreis von 145 Euro, gibt es zusätzlich zum Zins den Nennbetrag von 1000 Euro zurück.

Nun kommt die Barriere ins Spiel: Notiert die Aktie während der Laufzeit immer über der niedriger angesetzten Schwelle von 115 Euro, wird der Nennbetrag ebenfalls fällig. Fällt der Kurs der Aktie während der Laufzeit aber nur einmal auf oder unter 115 Euro und schafft es bis zum Laufzeitende nicht, die 145-Euro-Marke wieder zu knacken, erhält der Anleger Adidas-Aktien in der durch das Bezugsverhältnis bestimmten Anzahl. Wer die Adidas-Aktienanleihe Plus kauft, sollte also davon ausgehen, dass der Kurs der Aktie während der Laufzeit immer über 115 Euro liegt.

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Bewusst ins renditeziel

Wer sich bindet, geht ein Risiko ein – das gilt natürlich auch für sämtliche Finanzanlagen. Ganz ohne Risiko geht es in der heutigen Niedrigzinszeit nämlich nicht mehr. Immer mehr Anleger denken daher um, wie die aktuelle Umfrage des Deutschen Derivate Verbandes bezüglich der Risikobereitschaft zeigt (siehe Seite 5). Denn wer Rendite erzielen will, muss sich trauen und ein gewisses Risiko in Kauf nehmen.


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