Kommentar | 23.01.2017

Make Gold Great Again

Alles in allem war 2016 für Gold ein recht erfreuliches Jahr, auch wenn dem Edelmetall zum Jahresende etwas die Luft ausging – kein Wunder, denn es ist halt doch kein so kompletter Ultraläufer wie ich.

Nun stellt sich natürlich die Frage, wie es in diesem Jahr weitergeht. Der Beginn war jedenfalls schon einmal recht vielversprechend: In den ersten sieben Handelstagen 2017 legte Gold immerhin um 3,5 Prozent zu. Erstaunlich eigentlich, denn dem edelsten aller Metalle ist nicht einmal die Ehre zuteilgeworden, vom neuen US-Präsidenten Donald Trump mit einem Tweet gewürdigt zu werden. Eine Erwähnung in diesem Medium kann allerdings sowohl den Ritterschlag als auch einen Schlag in die Magengrube bedeuten. So hatte Mister President bereits vor seiner Amtseinführung den Kurs eines Flugzeugbauers mittels eines kleinen Ausbruchs auf Twitter gen Süden geschickt. Auch den Aktienkursen eines US- und eines japanischen Autobauers bekam ein erboster Tweet Trumps vorübergehend nicht gut. Ein anderer Fahrzeughersteller, der in den Genuss eines Lobes kam, konnte hingegen mit einem vierprozentigen Kurssprung glänzen. Apropos glänzen: Wenn wir von Glanz reden, kann natürlich erst einmal nur das Gold gemeint sein. Nun stellt sich dem Goldanleger die bange Frage, ob der US-Präsident eines Tages auch für den Goldpreis über Twitter den Daumen heben oder senken wird. Vielleicht könnte man ja eine Art Magnet an der Decke des Trump Towers befestigen, der seinen Daumen nach oben zucken lässt. Fundamental betrachtet sieht es für die Edelmetalle bis dato in 2017 nicht so schlecht aus. Der Anstieg der Renditen der Staatsanleihen, der das nicht zinsbringende Investment Gold Ende 2016 unter Druck brachte, scheint zumindest vorübergehend gestoppt. Dank der zahlreichen Wahlen in Europa im Jahresverlauf und der anhaltenden Unsicherheit über das, was der König der Twitterer im Jahresverlauf alles in die Wege leiten wird, könnten zudem auch sichere Häfen wie Gold gefragt bleiben. Umgekehrt könnte ein stärkerer Dollar den Goldpreisen durchaus wehtun. Aber gemach: Viele der Bauten Mister Trumps zeichnen sich ja durch prunkvolle Verzierungen mit Gold aus. Und je höher der Goldpreis ist, desto wertvoller werden konsequenterweise diese Bauten. Ein kluger Geschäftsmann sollte mithin daran interessiert sein, den Goldpreis eher höher zu reden. Warten wir also mal ab, ob Herr Trump demnächst auf Twitter mal Gold (oder mich für diese Kolumne) überschwänglich loben wird.


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