Rohstoffe | 23.01.2017

Die OPEC und der Ölpreis

Das Spiel der Ölproduzenten mit sinkenden oder steigenden Förderquoten ist altbekannt. Allerdings hatten die Beschlüsse der OPEC zur Drosselung der Ölproduktion in der Vergangenheit häufig nicht besonders lange Bestand. Welche Balance der Ölmarkt 2017 finden wird, ist derzeit noch offen.

Nun ist Ende 2016 also doch eingetreten, womit viele Marktbeobachter nicht mehr gerechnet haben: Die OPEC- und einige Nicht-OPEC-Staaten haben sich auf eine Drosselung der Ölförderung mit dem Ziel, den Ölpreis zu stützen, geeinigt. Sind die Zeiten des billigen Tankbefüllens nun ein für alle Mal vorbei? Hätte man im vergangenen Jahr den eigenen Heizöltank bis zum Bersten füllen müssen? Der genauere Blick auf die Situation an den Märkten offenbart ein vielschichtigeres Bild.

Kommentar

Make Gold Great Again

Alles in allem war 2016 für Gold ein recht erfreuliches Jahr, auch wenn dem Edelmetall zum Jahresende etwas die Luft ausging – kein Wunder, denn es ist halt doch kein so kompletter Ultraläufer wie ich.

Michael Blumenroth

Vor ungefähr einem Jahr hatten die Ölpreise kaum vorstellbare Tiefpunkte erreicht und Öl war teilweise – so die Sorte WTI – unter 30 Dollar/Barrel gehandelt worden. Offensichtlich scheint hier dann doch vielen ölproduzierenden Ländern ein heilsamer Schreck in die Glieder gefahren zu sein. Nach langem Hin und Her haben sich die OPEC-Länder am 30. November darauf geeinigt, die Fördermenge ab Januar 2017 auf 32,5 Millionen Barrel am Tag zu reduzieren. Vor diesem Beschluss hatte sie auf einem Rekordstand von 34,2 Millionen Barrel am Tag gelegen. Anfang Dezember haben sich dann schließlich noch etliche Nicht-OPEC-Länder verständigt – dem Beispiel der OPEC folgend –, ihre Förderung ebenfalls zu senken, und zwar um 0,6 Millionen Barrel am Tag. Dies war die erste Kooperation zwischen der OPEC und den Nicht-OPEC-Ländern seit 15 Jahren. Das Abkommen gilt zunächst für sechs Monate, das heißt von Januar bis Juni dieses Jahres. Eine Verlängerung um sechs Monate ist möglich.

LERNEN AUS DER VERGANGEHEIT

Nun ist es so, dass frühere Förderkürzungen durchaus schon einmal elegant unterlaufen wurden. Schließlich stehen neben den meisten Raffinerien keine Aufpasser, welche die Fässer zählen, die dort gefördert und verschifft werden. Das hatte zur Folge, dass frühere Förderkürzungen gerne einmal im Sand verlaufen sind. Da die OPEC aber außer einer gewissen Verschärfung des Tons in der Kommunikation kaum Sanktionsmechanismen habe, sei der Anreiz, so Marktbeobachter, für die einzelnen Mitgliedsländer groß, zunächst die Teilnahme an den Förderkürzungen zuzusagen, sich anschließend aber nicht daran zu halten.
Um dieses Unterlaufen der gemeinsamen Beschlüsse zu unterlaufen, hat die OPEC ein sogenanntes „Monitoring Committee“ etabliert, das die beschlossene Ölförderkürzung überwachen soll. Dem Gremium gehören neben Repräsentanten dreier OPEC-Staaten, nämlich Venezuelas, Algeriens und Kuwaits, auch Vertreter von zwei Nicht-OPEC-Mitgliedern an, nämlich Russland und Oman. Marktteilnehmer gewannen zu Beginn des Jahres 2017 den Eindruck, dass sich alle OPEC-Länder an die Vereinbarung hielten. Kuwait erklärte gar, seine Förderung stärker als versprochen reduziert zu haben. Einzelheiten dazu wurden allerdings nicht bekannt.

EFFIZIENTERES FRACKING

Es kann also davon ausgegangen werden, dass es zumindest für einige Zeit tatsächlich zu Produktionsbeschränkungen seitens der OPEC-Staaten kommen wird. Dann stellt sich natürlich die Frage, ob die Ölindustrie in den USA die Zurückhaltung der OPEC-Länder bei der Förderung zum Ausbau des eigenen Marktanteils nutzen könnte. Schließlich könnten bei der amerikanischen Fracking-Industrie Ende vergangenen Jahres die Sektkorken geknallt haben. Höhere Ölpreise – der Förderkürzung der OPEC-Staaten sei Dank – lassen natürlich die Ölgewinnung in den USA durch Fracking oder in Kanada aus Ölsanden wieder etwas attraktiver erscheinen. Bemerkenswert ist ohnehin, dass in den USA zwar die Anzahl der aktiven Bohrlöcher von 2015 bis Mitte 2017 um mehr als 75 Prozent abnehmen wird, die aus dieser reduzierten Zahl an Bohrlöchern geförderte Rohölmenge aber in wesentlich geringerem Ausmaß zurückgehen  wird, nämlich um nicht wesentlich mehr als zehn Prozent.
Die Fracking-Industrie hat hier also wirklich überragend an ihrer Effizienz gearbeitet und ihre Produktivität verbessert. Die Anzahl der aktiven Bohrlöcher ist seit Mitte 2016 nahezu kontinuierlich angestiegen und auf den Stand von Ende 2015 geklettert, was bedeutet, dass das Ölangebot vonseiten der USA wieder wächst. Zudem hat US-Präsident Trump angekündigt, die Förderung fossiler Energieträger im eigenen Land erleichtern zu wollen. Schließlich ist er der Ansicht, dass der globale Klimawandel nicht wirklich existiert, sondern eine Erfindung der Chinesen ist.

REKORDNACHFRAGE AUS CHINA

Erstaunlicherweise ist übrigens in China die Ölproduktion im vergangenen Jahr auf ein Siebeneinhalb-Jahres-Tief gefallen. Gleichzeitig stieg jedoch gerade der Fahrzeugabsatz in China im vergangenen Jahr um 15,9 Prozent – staatlichen Subventionen für Kleinwagen sei Dank. Falls diese Fahrzeuge nicht nur in der Garage herumstehen, brauchen sie natürlich auch die entsprechenden Mengen an Kraftstoff. Die Internationale Energieagentur rechnet denn auch für das laufende Jahr 2017 mit einem Anstieg der Ölnachfrage in China um 250 000 Barrel pro Tag (2016 wurden etwa zwölf Millionen Fässer täglich aus dem Reich der Mitte nachgefragt – ein Rekordwert). Gleichzeitig erwartet sie eine Steigerung der globalen Ölnachfrage um 1,3 Millionen Barrel pro Tag.

UNEINHEITLICHE ERWARTUNGEN

Gepaart mit der oben erläuterten Angebotseinschränkung sollte dies den Ölpreis stützen und verhindern, dass er dramatisch abrutscht. Andererseits steigt mit einem höheren Ölpreis auch die Ölförderung in den USA. Die Bäume werden also nicht in den Himmel wachsen und Preise von 100 Dollar/Barrel wie vor drei oder vier Jahren werden aller Wahrscheinlichkeit nach in den nächsten Jahren nicht mehr erreicht. Entsprechend erwartet das Rohstoff-Research der Deutschen Bank Preise von 55 Dollar/Barrel für die europäische Sorte Brent bzw. 53 Dollar/Barrel für amerikanisches WTI-Öl zum Jahresende 2017 bzw. 65 Dollar/Barrel (Brent) und 62 Dollar/Barrel (WTI) zum Jahresende 2018.

Einige Analysten anderer Häuser sehen tiefere Preise vorher, wenige höhere. Sollte Donald Trump aber einen Konjunkturboom in den USA entfachen können, könnte dies durchaus eine höhere Ölnachfrage nach sich ziehen. Und selbst wenn Öl in einer Handelsspanne zwischen circa 45 Dollar/Barrel und 60 Dollar/Barrel festhängen sollte, besteht das Potenzial für deutliche Tagesschwankungen, und
15 Dollar/Barrel sind in Relation zum obigen Ausgangsniveau betrachtet prozentual gesehen doch eine ganze Menge. Für interessierte Anleger bietet X-markets X-pert-Zertifikate mit und ohne Währungssicherung auf die beiden Ölsorten an.

X-PERT ZERTIFIKATE AUF ROHÖL

WKN Name Geld Quanto
DB3CTQ Brent Crude Oil Future (ICE) Rolling X-pert Zertifikat 32,340 EUR
DB3WT1 WTI (NYMEX) Crude Oil Future Rolling X-pert Zertifikat 19,200 EUR
DB4WT1 WTI (NYMEX) Crude Oil Future Rolling X-pert Zertifikat Quanto 18,560 EUR
DB2BRE Brent Crude Oil Future (ICE) Rolling X-pert Zertifikat Quanto 35,880 EUR
Stand 26.04.2018 09:49:54 Quelle: Deutsche Bank AG

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