Kommentar | 29.06.2017

Finden US-Finanzaktien zurück in die Spur?

Der US-Finanzsektor ist in Folge der Finanzkrise deutlich unter die Räder gekommen.

Das lag zum einen am allgemeinen wirtschaftlichen Abschwung in den USA - und zum anderen daran, dass die US-Aufsichtsbehörden die Finanzinstitute zwangen, faule Kredite zeitnah abzuschreiben. Viele Institute mussten ihre Geschäftsmodelle komplett neu ausrichten.

Seit einiger Zeit liefern US-amerikanische Bankhäuser wieder vermehrt positive Nachrichten: Ihre Gewinne legten kräftig zu und mit diesen auch ihre Aktienkurse. Neben Donald Trumps Deregulierungsplänen, die verstärkt nach seiner Wahl zum Präsidenten die Aktienkurse der Finanzhäuser stützten, war es insbesondere das steigende Niveau der US-Kapitalmarktzinsen, welches das Geschäftsumfeld für Banken verbesserte. Denn Banken erzielen einen wesentlichen Teil ihrer Gewinne, indem sie Kapital kurzfristig zu niedrigen Zinsen aufnehmen und es langfristig zu höheren Zinsen verleihen. Steigt das Zinsniveau an, vergrößert sich meist der Abstand zwischen kurz- und langfristigen Zinsen, was zu einer Margenausweitung bei den Finanzinstituten führt.

Grundlage für den Zinsanstieg war in erster Linie die gute wirtschaftliche Entwicklung in den USA und der daraufhin von der US-Notenbank Fed eingeleitete Zinserhöhungszyklus. In dessen Folge zogen Anfang Juli 2016 auch die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen und die Aktienkurse der Finanztitel spürbar an: Seitdem hat der Finanzsektor im Leitindex S&P 500 rund 32 Prozent zugelegt.

Unter den Marktteilnehmern setzte zuletzt zunehmend Ernüchterung hinsichtlich der Umsetzungswahrscheinlichkeit von Trumps Steuer- und Investitionsplänen ein. Dies führte zu einer Korrektur der Markterwartungen und beeinflusste US-Finanzaktien negativ. So rechnet die Deutsche Bank für das laufende Jahr noch mit einem Konjunkturplus von 2,4 Prozent. Zudem wurde die Zinsprognose für das Jahresende 2017 auf 2,75 Prozent gesenkt.

Die Deutsche Bank geht davon aus, dass der Gegenwind für US-Finanztitel weitestgehend in den Kursen berücksichtigt ist. Nach der Korrektur der Wachstumsprognose scheinen nunmehr die Aufwärtsrisiken für die US-Konjunktur zu überwiegen.

Zudem liegen die Erwartungen der Analysten hinsichtlich des Gewinnwachstums für die kommenden 12 Monate im Finanzsektor mit rund 12 Prozent auf hohem Niveau. Für entsprechend risikobereite Anleger könnten Finanzaktien aus den USA damit weiter eine interessante Investmentmöglichkeit darstellen.

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