Gold-Kommentar | 26.05.2017

Zwischenbilanz

Nun haben wir das an den Märkten im Vorfeld als wichtigstes Datum des ersten Halbjahres betrachtete Ereignis – nämlich die Präsidentschaftswahlen in Frankreich – hinter uns gebracht.

Was waren hier im Vorfeld nicht für Befürchtungen geäußert worden, wo es mit der Eurozone hingehen könnte, falls Madame Le Pen am Präsidentenschreibtisch im Élysée-Palast Platz nehmen würde. Dies hatte dazu geführt, dass auf der ­Suche nach sicheren Häfen für den Fall der Fälle einige Anleger natürlich auch ein wohlwollendes Auge auf das Gold warfen. Mitte April hatte mein Lieblingsmetall mit 1295,50 Dollar/Unze fast an der magischen Marke von 1300 Dollar/Unze ­gekratzt und die Verluste seit der US-Wahl somit beinahe wieder wettgemacht. Schon nach dem ersten Wahlgang in Frankreich gab der Goldpreis aber dann schnell wieder nach. Zu deutlich deuteten die Umfragen bereits auf das dann tatsächliche Wahlergebnis hin, so dass die Absicherungspositionen in Franken, Yen und natürlich auch in Gold wieder aufgelöst wurden. Das Grundproblem des Ganzen ist natürlich, dass der Autor dieser Zeilen nicht Präsident Frankreichs werden konnte. Eine meiner ersten Amtshandlungen wäre selbstverständlich gewesen, in jeder französischen Stadt vergoldete Kopien von Schloss Versailles bauen und die Ufer der Seine vergolden zu lassen. Dies hätte die Konjunktur ordentlich angekurbelt und den Goldpreis zur Freude vieler Anleger steigen lassen. Gut, so ganz neu ist die Idee ja nicht, schließlich hat der Sonnenkönig Ludwig XIV. schon opulent aus­gestattete Schlösser bauen lassen und so der Goldschmiedezunft Spitzenprofite verschafft. Ein bisschen Luxus schadet halt nie. Dies hätte sicherlich dem beim Schreiben dieser Zeilen etwas dahindümpelnden Goldpreis geholfen. Wie auch immer, die Sommermonate sind für das Edelmetall meist etwas schwierig. Entscheidend wird wahrscheinlich sein, wie sich im Juni die Euro­päische Zentralbank und die US-Notenbank hinsichtlich ihrer Geldpolitik positionieren werden. Werden die Zügel stark angezogen, dann könnte dies die Goldpreise im Zaum halten. Bleibt die Geldpolitik sehr locker und gibt vielleicht der Dollar weiter nach – Präsident Trumps „phänome­nale“ Steuerreform lässt ja noch eine Zeitlang auf sich warten –, dann könnten die Goldpreise bald wieder Höhenluft schnuppern.

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