Welterbe-Serie | 26.05.2017

Trier – älteste Stadt Deutschlands

„Augusta Treverorum“ wurde im Jahre 16 v. Chr. gegründet. Die Stadt ist reich an Baudenkmälern, herausragenden Kirchenbauten und Romantik. Seit 1986 stehen einige Bauwerke der Moselstadt auf der UNESCO-Welterbeliste.

Die über 2000-jährige Geschichte von Trier beschenkt die Besucher noch heute reichlich aus ihrem bedeutsamen historischen Fundus. Die frühere römische Residenzstadt bietet Kunstfreunden und Geschichtsbegeisterten ein fantastisches kulturelles Angebot. Römische Kaiser, Bischöfe, Kurfürsten und Bürger haben Trier einst geprägt. Das römische Amphitheater mit seinen für damalige Verhältnisse geradezu gigantischen 20 000 Sitzplätzen, die Kaiserthermen und die Konstantinbasilika machen die Stadt zu einem Open-Air-Erlebnispark für römische Geschichte. Auch die Römerbrücke, die Barbarathermen und natürlich das Wahrzeichen der Stadt, die 1800 Jahre alte Porta Nigra, sind erhalten gebliebene Zeugnisse des einstigen römischen Augusta Treverorum.

Christen und römer

Etwas jünger, aber mindestens ebenso bedeutungsvoll, ist der Trierer Dom. In der ältesten Bischofskirche Deutschlands treffen sich schon seit dem dritten Jahrhundert christliche Gemeinden.

Im Dom wie auch in der Liebfrauenkirche verbinden sich römische, salische, romanische, gotische und barocke Elemente zu Sakralkomplexen von höchster Vollendung. Mit einer Länge von 112,5 Metern und einer Breite von 41 Metern ist die Hohe Domkirche St. Peter zu Trier das bedeutendste kirchliche Bauwerk der Stadt. Aber nicht nur die geistliche Welt, auch die weltliche römische Macht hat Trier bis heute sichtbar ihren Stempel aufgedrückt. Von den Römern im Jahr 16 vor Christus gegründet, hält die Stadt bis heute eine Fülle an Zeugnissen römischer Kultur bereit. Die Basilika, die Kaisertherme, das Amphitheater und natürlich das berühmte schwarze Stadttor, die Porta Nigra, sind bedeutende Bauwerke aus jener Zeit. Das am besten erhaltene römische Stadttor nördlich der Alpen wurde im Jahr 180 aus Tausenden massiver Steinquader erbaut und diente im Laufe der Jahrhunderte als Behausung eines Eremiten und als Kirche. Die UNESCO setzte es bereits 1986 auf ihre Welterbeliste. Aber nicht nur durch ihre Baukunst machten sich die Römer in Trier unvergesslich. Sie brachten auch den Weinanbau auf zuvor nicht ­gekanntes Niveau und legten so den Grundstein für die heutige Bedeutung der Region als Weinbaugebiet.

kelten und legionäre

Die Stadt liegt auf einer Höhe von 124 Metern, umgeben von sanften, satten Hügeln, die im Norden zur Eifel, im Süden zum Hunsrück gehören. Schon 3000 Jahre vor Christus gründeten Menschen der Jungsteinzeit hier erste Siedlungen.

So ließen sich bereits einige Jahrhunderte bevor die Römer kamen, die Treverer auf dem heutigen Gebiet von Trier nieder. Diesem keltischen Stamm hat Trier auch seinen Namen zu verdanken. Als die Römer im Gallischen Krieg diesen Keltenstamm unterwarfen, nannten sie die Stadt zu Ehren des herrschenden Kaisers Augustus „Augusta Treverorum“. Die Römerstadt wurde im Lauf der Zeit zum wirtschaftlichen, kulturellen und militärischen Zentrum der Provinz Gallia Belgica. Die wohl zwischen 142 und 150 n. Chr. gebaute Steinbrücke über die Mosel – die älteste in Deutschland –, die ein aus der Zeit der Stadtgründung stammendes hölzernes Bauwerk an gleicher Stelle ersetzte, spielte eine wesentliche Rolle bei den Truppenbewegungen der römischen Besatzungsmacht. Auch wenn sie im Lauf der Jahrhunderte mehrfach umgebaut wurde, fließt der Straßenverkehr des modernen Trier immer noch über römische Pfeiler. Trier war damals jedoch nicht nur ein wichtiger Militärstützpunkt, sondern auch ein bedeutendes Handelszentrum. Über die Mosel wurden Legionäre ebenso wie Waren verschifft. Vor allem war es aber der Weinbau, der den Römern in und um Trier Reichtum brachte.

Zu ihrer großen Bedeutung trug auch bei, dass die Stadt schon damals ein Zentrum der Christianisierung war.

Zwar zerstörte der Einfall der Alemannen im Jahr 275 die Stadt fast vollständig, durch den römischen Kaiser Konstantin wurde sie jedoch rasch wieder aufgebaut. Aus seiner Ära stammen viele der wuchtigen repräsentativen Bauten, die noch heute Zeugnis geben von der Macht des Kaisers und der Kultiviertheit römischen Lebens. Sie zeugen von einem bis dahin ungekannten Luxus. Heute sind von den weitläufigen Badetempeln zwar nur noch Ruinen zu sehen, aber die ausgeklügelte Technik, die die ober- und unterirdischen Mauerreste widerspiegeln, lässt Besucher immer noch staunen, welch hohe Ansprüche die römischen Besatzer seinerzeit hatten. Auch die Tatsache, dass die Stadt gleich zwei Badeanlagen, die Barbara-thermen und die Kaiserthermen, aufweist, belegt die Bedeutung dieser antiken Wellness-Tempel für ihre Bewohner. Wie in jeder römischen Siedlung waren sie der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens und Ort nicht nur der Entspannung, sondern auch für Diskussionen und Intrigen.

Liebfrauenkirche.

Unmittelbar neben dem Dom gelegen, ist die Liebfrauenkirche eine der ältesten gotischen Kirchen in Deutschland.

franken, hunnen, wikinger

In den Jahren 367 bis 392 nach Christus war Trier auf weit über 80 000 Einwohner angewachsen und damit größten Stadt des weströmischen Reiches. Der Verfall kam mit Vordringen der Germanen, vor denen die Römer nach und nach zurückwichen. Den Rest der blühenden ehemaligen Provinzhauptstadt erledigten die einfallenden Franken, Hunnen und im 9. Jahrhundert die Wikinger. Der Kulturverfall ging einher mit einem Niedergang der wirtschaftlichen Bedeutung Triers sowie einem starken Rückgang der Bevölkerung. So war die Stadt im frühen Mittelalter nur noch halb so groß wie zur Römerzeit. Erst allmählich wuchs die Bedeutung der Stadt wieder, als Bischöfe und Kirchenfürsten sich niederließen.

Eine wichtige Rolle spielte dabei Erzbischof Heinrich I., der im 10. Jahrhundert den Marktbereich von der Römerbrücke vor die sogenannte Domstadt und damit in seinen unmittelbaren Zugriffsbereich verlegte. Als sichtbares Zeichen seiner Macht ließ er auf dem neuen Marktplatz ein gewaltiges Marktkreuz aufbauen. Das Symbol erzielte die gewünschte Wirkung und Trier erhob sich nach dem mittelalterlichen Verfall wieder wie Phoenix aus der Asche.

Neben der Wirtschaft gedieh auch das wissenschaftliche Leben. Ein besonders bedeutsamer Schritt wurde im Jahr 1473 getan, als die Trierer Universität gegründet wurde, an der heutzutage rund 15 000 Studenten immatrikuliert sind. Weitere Aderlässe forderten der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) und die französische Besetzung Ende des achtzehnten Jahrhunderts: Die Bevölkerung hatte unter den Kampfhandlungen schwer zu leiden und viele Bauwerke, darunter auch etliche kirchliche, wurden damals beschädigt oder zerstört. Doch bis heute konnte in Trier ein architektonischer Schatz aus vielen Epochen der europäischen Geschichte bewahrt werden. Es ist diese Essenz, die Jahr für Jahr Touristen aus dem In- und Ausland anlockt.

touristen Und Gäste

Und bei diesen ist Trier beliebt wie nie. Wie die gesamte rheinland-pfälzische Tourismusbranche konnte Trier im Jahr 2016 abermals den Vorjahresrekord knacken. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Bad Ems übernachteten 9,6 Millionen Gäste im Land; ein Zuwachs von 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Region Trier gehört dabei zu den beliebtesten Urlaubszielen in Rheinland-Pfalz. Ann-Kathrin Moorbach, Tourismusreferentin der IHK: „Erfreulich ist, dass die durchschnittliche Bettenauslastung in der Region Trier mit 34 Prozent über dem rheinland-pfälzischen Durchschnitt liegt.“ Ebenso positiv sind die Zahlen für das Gastgewerbe. Dort arbeiten zurzeit 8530 Menschen, 115 mehr als noch im Jahr 2014. Für eine Stadt, die schon im Mittelalter weit gereiste Gäste in ihre Schänken lockte, sind das gute Zukunftsaussichten.


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