Euro versus Dollar | 21.02.2017

Auf dem Weg zum Gleichstand

Ende 2016 bewegte sich der Euro in Richtung Parität gegenüber dem Dollar. Einige Analysten rechneten gar mit einem weiter fallenden Euro-Kurs. Die bevorstehenden Wahlen in Europa und die von Donald Trump angekündigten Reformen könnten einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Währungspaars Euro/Dollar im Jahr 2017 haben.

Kommentar

Goldene Träume

Nach gut 18 Jahren heißt es für den Verfasser beim Schreiben dieser Zeilen Abschied nehmen. Abschied von der gewohnten Umgebung, Abschied von einem Schreibtisch, zu dem ich auch im Autopilot-Modus gefunden hätte.

Michael Blumenroth

Jeder Marktteilnehmer träumt vom sagenumwobenen „Free Lunch“, einem Trade also, bei dem man nur gewinnen kann. Leider ist diese Mahlzeit in der Realität ebenso selten wie die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau.

Dennoch: Fragte man Ende des Jahres 2016 Währungsanalysten zu ihrer Einschätzung der Euro/Dollar-Entwicklung, wurden nahezu unisono fallende Euro-Kurse vorhergesagt. Zudem erwartete die Hälfte der Analysten, dass der Euro gegen den Dollar im Verlauf des Jahres auf eine Parität zurückfällt. Wenn nicht gar noch tiefer. Ein kostenloses Mittagessen schien in greifbarer Nähe. Hinzu kam, dass der Euro zum Jahresende bereits der allgemeinen Dollar-Stärke nach der US-Wahl Tribut zollen musste. Er startete denn auch etwas schwächelnd bei 1,0540 ins neue Jahr und markierte gleich am zweiten Handelstag ein 14-Jahres-Tief bei 1,0340. Damit schien sich der Euro auf dem direkten Weg zur Parität zu befinden. Seit dem Tiefstkurs von 1,0340 am 3. Januar stieg er recht kontinuierlich an und kletterte Anfang Februar gar auf 1,0828.

EUPHORIE DANK TRUMP

Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass der Euro nicht die einzige Währung war, die der Begeisterung über die vermeintlichen ‚Trumponomics‘, der ‚Trumphorie‘, zum Opfer gefallen ist. Der DXY-Index von Reuters, der die Stärke des Dollar gegen einen Währungskorb misst, kletterte nämlich zeitgleich auf ein 14-Jahres-Hoch. Zudem markierten amerikanische Aktienindizes neue Höchststände und auch die Renditen der US-Anleihen stiegen deutlich an. Dies alles hat für enorme Kapitalverlagerungen aus vielen Währungsräumen in die USA gesorgt. Die US-Aktienhausse (Dow Jones über 20 000 Punkte, alle drei US-Leitindizes erzielen zusammen neue Höchststände) zieht allein schon durch die mediale Aufmerksamkeit, die ihr widerfährt, Anlagegelder aus aller Welt an. Noch eindeutiger ist der Effekt natürlich bei steigenden Renditen. Steht ein Großinvestor vor der Entscheidung, seine Anlagegelder in eine mit 0,30 Prozent verzinste zehnjährige Bundesanleihe oder in eine US-Staatsanleihe gleicher Laufzeit mit einem Zinssatz von 2,40 Prozent zu investieren, ist die Frage, was er tun wird, schon fast eine rhetorische. Zudem hat die US-Notenbank Fed auf ihrer Sitzung im Dezember ihre Zinserhöhungsprognosen für das Jahr 2017 von zwei auf drei erwartete Zinsschritte erhöht. ­Dagegen kündigte die EZB nahezu zeitgleich eine Verlängerung ihres Staatsanleihe-Ankaufprogramms an. Die meisten Marktbeobachter erwarten daher eine erste schüchterne Zinserhöhung der EZB frühestens für das Jahr 2019.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Wachstumsstory in den USA zu neuem Leben erwacht ist und die Reagan-Ära als Blaupause für die bevorstehende Ära Donald Trumps angesehen wird: Steuererleichterungen plus Infrastrukturmaßnahmen gleich Konjunkturboom gleich ein starker Dollar und höhere Zinsen in den USA, heißt die einfache und nachvollziehbare Gleichung.
Nachdem sich Donald Trump in den ersten ­Tagen seiner Amtszeit eher wenig um Wirtschaftsfragen kümmerte, ließ der Enthusiasmus an den Märkten etwas nach. Der S&P 500 dümpelte vor sich hin. Die Renditen der zehnjährigen US-Treasuries purzelten von knapp 2,60 Prozent auf gut 2,30 Prozent. Auch in Trumps täglichem Twitter-Tsunami glänzten wirtschaftspolitische Themen zunächst durch Abwesenheit. Dies änderte sich erst, als er Anfang Februar ‚phänomenale‘ Steuererleichterungen ankündigte.

DER PRÄSIDENT MUSS LIEFERN

Die meisten Analysten haben jedenfalls bis dato ihre Prognosen für das Jahr 2017 nicht angepasst und gehen weiterhin von einem Euro-Kurs um die Parität herum oder gar tiefer aus. Wie sich der EUR/USD-Kurs weiterentwickeln wird, sollte innerhalb der kommenden Wochen klarer werden. Zum einen wird die neue US-Regierung dann liefern müssen, was sie bislang hinsichtlich Steuererleichterungen und Infrastrukturmaßnahmen nur angekündigt hat. Zum anderen wird es am 15. März nicht nur das nächste Treffen der US-Notenbank mit Pressekonferenz geben, sondern auch die Parlamentswahlen in den Niederlanden, die ein erster Stimmungstest hinsichtlich der Befindlichkeiten in der Eurozone sein werden (siehe S. 20 in dieser Ausgabe).

Noch spannender werden wohl die Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Hier wird es am 7. Mai aller Voraussicht nach zu einer Stichwahl kommen, wobei in den Umfragen die beiden möglichen Stichwahlteilnehmer derzeit quasi im Stundentakt wechseln. Es scheint sich jedoch herauszukristallisieren, dass Marine Le Pen, die Kandidatin des populistischen Front National, auf alle Fälle in die Stichwahl gelangen wird. Die Frage ist nur, gegen wen. Le Pen hat bereits deutlich gemacht, dass sie sowohl der EU als auch dem Euro ablehnend gegenübersteht. Zwar ist eine Mehrheit für ihre Partei bei den ebenfalls stattfindenden Parlamentswahlen unwahrscheinlich, aber starke Stimmengewinne des Front National würden natürlich einen Schatten auf Europas Zukunft werfen.

EMIGMATISCHES ITALIEN

Beim Schreiben dieser Zeilen war noch nicht abzusehen, ob es Mitte des Jahres in Italien Neuwahlen gibt. Auszuschließen ist es nicht, ebenso wie die Möglichkeit, dass auch hier eine europaskeptische Partei – die Fünf-Sterne-Bewegung – die Oberhand gewinnt. Nimmt man noch die Bundestagswahlen im September, eine mögliche Abstimmung über die Unabhängigkeit Kataloniens, die wieder aufkeimende Diskussion über die Schuldentragfähigkeit Griechenlands und die bevorstehenden Brexit-Verhandlungen mit ins Kalkül, so ist verständlich, dass sich einige Marktteilnehmer (zumindest vorübergehend) aus dem Euro verabschiedet haben.

Auch im weiteren Verlauf des Jahres scheint die Politik der hauptsächliche Markttreiber zu sein. Die entscheidende Frage wird hierbei sein, ob Donald Trump wirklich einen Boom in den USA auslösen kann und wie nachhaltig dieser sein wird. Auf der anderen Seite des Atlantiks werden die Anleger genau hinschauen, wie die politische Landkarte am Ende des Jahres aussieht. Ebenso wichtig ist natürlich auch, wie sich die Realzinsen entwickeln werden. Je höher diese in den USA steigen können, desto fester könnte der Dollar handeln, so dass die Parität für viele Analysten sicherlich immer noch eine Zeitlang ein in diesem Jahr durchaus realistisches Kursziel bleiben wird.

Anleger könnten mit unterschiedlichen Op­tionsscheinen, WAVEs, WAVEs XXL und WAVEs Unlimited an der Entwicklung des Währungspaars EUR/USD partizipieren. Entsprechende Produkte finden sich auf www.xmarkets.de.


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