Europa hat die Wahl | 21.02.2017

Wohin des Weges, Niederlande?

Mitte März finden in den Niederlanden Parlamentswahlen statt. Nach dem Brexit-Referendum und dem Wahlsieg von Donald Trump könnte sich der Siegeszug der Populisten in den Niederlanden fortsetzen. Die X-press-Redaktion widmet sich der Frage, was das für die Märkte bedeutet.

Nach dem überraschenden Ausgang des EU-Referendums in Großbritannien und der US-Präsidentschaftswahl rücken sogar die Parlamentswahlen in einem verhältnismäßig kleinen Land wie den Niederlanden in den Fokus der Anleger. Abstimmungen wie diese werden zurzeit stärker beachtet, weil das politische Risiko, vor allem in Europa, zugenommen hat. Bei der Wahl in den Niederlanden am 15. März stehen daher die Populisten um Geert Wilders im Blickpunkt.

Wilders ist Chef der „Partei für die Freiheit“ (PVV) und strebt einen Austritt aus der EU und dem Euro an. Ein Wahlsieg Wilders’ würde daher bei Investoren die Sorge vor einem Auseinanderbrechen des Euro schüren. In Umfragen liegt die PVV als Spitzenreiter mit rund 30 der 150 neu zu vergebenden Sitze vor der VVD, der Partei des rechtsliberalen Ministerpräsidenten Mark Rutte, mit 25 Sitzen. Damit hätte die PVV ihre Sitze gegenüber der 2012er-Wahl verdoppelt.

wenig Arbeitslose, Viele schulden

Rutte versucht die Wähler zu überzeugen, dass alle von einem wirtschaftlichen Aufschwung profitieren würden. Die niederländische Notenbank hat die Prognose für das Wirtschaftswachstum für 2017 auf 2,3 Prozent angehoben. Das könnte den Arbeitsmarkt weiter beflügeln, nachdem die Arbeitslosenquote zuletzt mit 5,4 Prozent auf das niedrigste Niveau seit Dezember 2011 gesunken war. Das Problem ist allerdings der Schuldenstand der Niederlande. Laut Notenbank soll er im laufenden Jahr zwar auf 59,3 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung sinken, allerdings stehen immer mehr private Haushalte in der Kreide. Ihre Verschuldung stieg zuletzt auf 111,3 Prozent der Wirtschaftsleistung – ein sehr hoher Wert. „Die Schulden der Haushalte sind explodiert“, urteilte daher der Wissenschaftliche Rat für die Regierungspolitik. So liegt der Vergleichswert für die USA bei „nur“ 80 Prozent, für Deutschland sogar bei lediglich 53 Prozent.

 

Unsicherheit am Anleihenmarkt

Zwar gehen Investoren derzeit davon aus, dass Wilders die Wahl gewinnen wird, doch lehnen viele Parteien eine Zusammenarbeit mit ihm ab. Daher könnte es einmal mehr auf Rutte ankommen, wenngleich er für eine mögliche Regierung künftig eine Koalition aus fünf Parteien schmieden müsste. Die zunehmende Unsicherheit spiegelt der Anleihenmarkt bereits wider. So ist der Zinsaufschlag für zehnjährige niederländische Anleihen gegenüber Bundesanleihen auf rund 20 Basispunkte (0,2 Prozentpunkte) nach oben geklettert. Damit liegt der Aufschlag allerdings noch unter dem Niveau von Mitte 2012, als er auf dem Höhepunkt der Euro-Krise rund 70 Basispunkten betrug.

Mit Blick auf den Anleihenmarkt greifen Investoren daher weiter bei Aktien zu. Deswegen nimmt der AEX, der die 25 größten Unternehmen der Niederlande umfasst, die Mehrjahreshochs ins Visier. Der mit Abstand gewichtigste Wert im Index ist Royal Dutch Shell mit einem Anteil von 15,4 Prozent, vor Unilever (12,9 Prozent) und der ING Groep (11,5 Prozent). Royal Dutch Shell hat zuletzt zwar enttäuschende Gesamtergebnisse vorgelegt, erfreulich war aber, dass der operative Cashflow das zweite Quartal in Folge ausgereicht hat, um die Investitionen und die Dividende zu bezahlen, ohne weitere Schulden aufzunehmen. Sollte der Ölpreis weiter steigen, würden sich die Perspektiven für den Konzern aufhellen. Die Aktie ist vor allem wegen der Dividendenrendite von 6,9 Prozent bei Investoren gefragt.

Der von der Gewichtung her zweitgrößte Wert im AEX-Index, der Konsumgüterhersteller Unilever, ist zuletzt in die Schlagzeilen geraten. Durch den Rückzug des Übernahmeangebots des US-Konkurrenten Kraft Heinz ist eine der größten Unternehmensübernahmen überhaupt vom Tisch.

florierende Möglichkeiten

Ebenso wie Royal Dutch Shell gehört auch die ING Groep zu den Zyklikern, also zu den Unternehmen aus konjunkturabhängigen Sektoren. Diese profitieren von einer Belebung der Wirtschaft. ING erzielt rund zwei Drittel der Erträge im Privatkundengeschäft. Vorstandschef Ralph Hamers investiert daher verstärkt in die Digitalisierung, während er gleichzeitig die Kosten deutlich senkt.

Insgesamt tendierten die Aktien der großen niederländischen Unternehmen zuletzt seitwärts bis aufwärts. Stärkeren Rückenwind könnten sie bekommen, sollte die politische Unsicherheit abnehmen.

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