Interview | 21.02.2017

Wer nicht performt, fliegt

Christian W. Röhl plädiert für eine nachhaltige Bewertung von Dividendenwerten.

Eine hohe Dividendenrendite macht noch keine Top-Aktie: Investor Christian W. Röhl und X-markets-Produktexperte Nicolai Tietze verrieten der X-press-Redaktion, wie man Unternehmen mit nachhaltiger Ausschüttungsqualität erkennt und mit Zertifikaten an deren Wertentwicklung partizipieren kann.

Interview Christian W. Röhl - DividendenAdel

X-press: Herr Röhl, Sie haben ein Buch über Dividenden-Strategien geschrieben, betreiben eine Website zum Thema und verleihen gemeinsam mit der Deutsche Börse AG die DividendenAdel Awards. Wie kam es dazu?

Christian W. Röhl: Aus eigener Erfahrung. Nachdem mein langjähriger Partner Werner H. Heussinger und ich vor zehn Jahren die Mehrheit an unserem Unternehmen verkauft hatten, standen wir vor der Frage, wie wir diese finanzielle Freiheit nutzen. Wir haben uns dann Immobilien, geschlossene Fonds und die ganze Palette der klassischen Cashflow-Investments angesehen. Aber irgendwie passte das alles nicht mit unseren zwei wichtigsten Prioritäten zusammen: Liquidität und breite Streuung. So sind wir geradezu zwangsläufig bei Aktien gelandet. Nicht als schnelle Spekulation, sondern als Sachwerte mit laufenden Erträgen, sprich Dividenden. Durch meine Tätigkeit an der FOM Hochschule kamen dann 2010 in Zusammenarbeit mit den Anlegerschützern von der DSW die jährlichen Dividendenstudien hinzu, und irgendwann hatte sich so viel Material angesammelt, dass ich Lust hatte, daraus ein Buch zu machen. Alles andere – die Website, die Social-Media-Aktivitäten, die Awards – hat sich dann quasi von selbst ergeben.

X-press: Und warum haben Sie Ihr Projekt ausgerechnet DividendenAdel genannt? Richten Sie sich etwa nur an Blaublüter?

Christian W. Röhl: ‚Dividend Aristocrats‘ werden in den USA Unternehmen genannt, die ihre Ausschüttung 25 Jahre in Folge erhöht haben. Das ist sozusagen die High Society der Dividendenzahler – wobei wir dieses Konzept nicht nur einfach kopiert, sondern in mehrfacher Hinsicht verfeinert haben.

X-press: Und das heißt – wie wird eine Aktie in den DividendenAdel erhoben?

Christian W. Röhl: Anders als die US-Kollegen schauen wir nicht nur auf die Historie, sondern analysieren das, was wir in Anlehnung an die Volkswirtschaftslehre ‚Magisches Viereck‘ der Ausschüttungsqualität nennen: Kontinuität, Payout, Rendite und Wachstum. Zum DividendenAdel zählt ein Unternehmen, das seine Dividende zehn Jahre lang wenigstens stabil gehalten hat, zwischen 25 und 75 Prozent seiner Gewinne ausschüttet, historisch wie aktuell eine Dividendenrendite von über 1 Prozent abwirft und für die letzten fünf Jahre ein überdurchschnittliches Dividendenwachstum aufweist. Und diese Kriterien checken wir jedes Jahr. Die Firmen müssen sich das Prädikat DividendenAdel also immer wieder neu verdienen – und wer das nicht schafft, fliegt raus.

X-press: Die Deutsche Bank hat jetzt erstmals ein Zertifikat auf eine DividendenAdel-Strategie emittiert. Wie kam es dazu?

Nicolai Tietze: Das Duo Röhl/Heussinger ist ja seit fast zwei Jahrzehnten eine feste Größe am deutschen Finanzmarkt, und weil wir uns schon sehr lange kennen, haben wir das Projekt DividendenAdel natürlich von Anfang an verfolgt. Ein spannendes und nachhaltiges Thema, klare und nachvollziehbare Kriterien, eine transparente und regelbasierte Umsetzung – das hat uns einfach gefallen. Mit dem Zertifikat bieten wir Privatanlegern nun erstmals den Zugang zu diesem Konzept und der Expertise, die dahintersteckt.

X-press: Nun gibt es ja auf www.dividenden­adel.de Strategien für eine ganze Reihe von Zielmärkten – Deutschland, Schweiz, USA. Warum bezieht sich das Zertifikat ausgerechnet auf den DividendenAdel Eurozone?

Nicolai Tietze: In den meisten Privatanleger-Portfolios dominiert nach wie vor Deutschland, während das Anlagethema Europa unterrepräsentiert ist. Dabei gibt es auch in den anderen Ländern der Eurozone einige sehr erfolgreiche Unternehmen – was sich in üppigen Dividenden und einer starken Kursentwicklung niederschlägt. Insofern ist das Zertifikat durchaus auch ein Appell, über eine internationalere Ausrichtung des Depots nachzudenken.

Christian W. Röhl: Abgesehen davon, dass wir in der Eurozone momentan im Vergleich mit US-Aktien eher moderate Bewertungen sehen, war für uns vor allem eines wichtig: Das Zertifikat muss einen konkreten Mehrwert bringen. Ein paar deutsche Firmen kann man sich als Privatanleger selbst ins Depot legen, aber bei 25 Aktien aus derzeit sechs Ländern sieht das schon anders aus. Da ist das Zertifikat für viele Investoren eine effiziente Paketlösung.

X-press: Herr Röhl, Herr Tietze, haben Sie als Experten noch einen abschließenden Tipp für unsere Leser?

Christian W. Röhl: Auch wenn ich mich damit selbst zitiere: Cool bleiben und Dividenden kassieren.

Nicolai Tietze: Und mit Zertifikaten am DividendenAdel partizipieren.

Das Interview führte Marcus Pichura.


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