Kommentar | 21.02.2017

Goldene Träume

Nach gut 18 Jahren heißt es für den Verfasser beim Schreiben dieser Zeilen Abschied nehmen. Abschied von der gewohnten Umgebung, Abschied von einem Schreibtisch, zu dem ich auch im Autopilot-Modus gefunden hätte.

Weil das Gebäude aus feuerpolizeilichen Gründen nicht mehr zeitgemäß war und nur für Unsummen hätte renoviert werden können, müssen meine Kollegen und ich Umzugskartons packen. Um­züge, das weiß man, sind nie eine vergnügungssteuerpflichtige Angelegenheit, aber am Ende des Prozesses winken niegelnagelneue Büroräume. Bedauerlicherweise wurden meine Wünsche zur Ausstattung nicht berücksichtigt, dabei sind die doch bescheiden und für jeden Edelmetallfan nachvollziehbar: So sah mein Einrichtungskonzept beispielsweise goldene Telefonapparate, silberne Schränke und Stühle aus reinem Platin vor. Selbstverständlich hatte ich mir Wasserhähne aus purem Gold gewünscht, auch das Geschirr und der Kaffeeautomat sollten gülden schimmern. Dass auch die Tabletts in der Kantine aus meinem Lieblingsmetall bestehen sollten, versteht sich da von selbst. Ich hätte selbst den möglicherweise ab und an über den Boden huschenden Mäusen vergoldete Innenverkleidungen für ihre Mäuselöcher spendiert. Doch, huch, was ist das für ein komisches Geräusch? Ach so, mein Wecker. Schade, war wohl doch nur ein Traum. Aber auch wenn im neuen Büro ganz normale Büromöbel zum Einsatz kommen, haben die edlen Metalle bislang ordentlich Gas gegeben. Beim Abfassen dieses Kommentars stand für Gold ein Gewinn von mehr als acht Prozent seit Jahresanfang zu Buche. Und damit war es noch das schwächste der vier Edelmetalle.

Es profitierte dabei davon, dass sich der starke Anstieg des Dollars von Ende vergangenen Jahres nicht weiter fortsetzte. Und davon, dass die Märkte eine potenzielle nächste Zinserhöhung der US-Notenbank für den März weitgehend auspreisten. Dies sorgte dafür, dass Zinsen und Renditen in den USA von ihren Höchstständen etwas ­zurückkamen. Die Frage ist nun natürlich, wie es weitergehen wird. Viel wird dabei von der konkreten Ausgestaltung der Wirtschaftspolitik der neuen US-Regierung abhängen. Wird es die „phänomenale“ Steuerreform, die Donald Trump Anfang Februar ankündigte, tatsächlich geben? Dies würde tendenziell den Dollar stärken und die Renditen steigen lassen, was nachteilig für den Goldpreis wäre. Oder wird doch nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird? Die kommenden Monate werden es zeigen.


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