Öl im Fokus | 27.04.2017

Volltanken, bitte

Die weitere Entwicklung des Ölpreises ist selbst bei Experten umstritten. Kurzfristig kann es aber immer wieder Tendenzen in die eine oder andere Richtung geben. Für Anleger, die an diesen Bewegungen partizipieren möchten, könnten Faktor-Zertifikate die richtigen Produkte sein.

Es gibt Themen, die tauchen jedes Jahr wieder von neuem auf. So zum Beispiel die entflohenen Kängurus und Krokodile, die pünktlich zum Sommerloch den nach Themen suchenden Redakteuren erlauben, ein paar Zeilen mehr zu füllen. Ähnliches gibt es auch immer um die Urlaubszeiten herum – wie gerade um ­Ostern. Dann wird in den hiesigen Gazetten lauthals beklagt, dass pünktlich zur Reisesaison Benzin mal wieder teurer geworden ist. Was fast ein ehernes Gesetz zu sein scheint. Ob dies aber vielleicht doch irgendwie mit Angebot und Nachfrage zusammenhängen kann?

Gold-Kommentar

Goldene Eier

Nach der starken Vorstellung, die das edelste ­aller Metalle - nämlich das Gold - um die Osterzeit herum dem staunenden Publikum geboten hat, war es für mich natürlich klar, dass ich mich in diesem Jahr nicht lumpen lassen konnte und somit goldene Ostereier für Freunde, Familie und Fans verstecken würde.

Michael Blumenroth

Wie auch immer. Hier hilft zunächst einmal ein Blick auf die Charts. Handelte zum Beispiel Öl der Sorte WTI vor einem Jahr bei 46 Dollar/Barrel, so folgte danach ein ordentlicher Zickzackkurs, bis es dann im November (WTI stand wieder bei ca. 46 Dollar/Barrel) die Einigung zwischen einigen OPEC- und Nicht-OPEC-Ländern hinsichtlich Produktionskürzungen gab. Diese schickte die Preise für Brent und WTI nach Norden. WTI konnte bis auf 57,50 Dollar/Barrel zu Beginn des Jahres 2017 ansteigen, bröckelte anschließend zwar zunächst erneut auf das altbekannte Niveau von 47 Dollar/Barrel ab, bevor es dann aber pünktlich zu Beginn der Feiertage wieder einige Dollar zulegen konnte. Ein ähnliches Chartbild ergibt sich, wenn man einen Blick auf Brent wirft. Es stellt sich nun natürlich die Frage, warum der bisherige Höchstkurs für WTI bereits am ersten Handelstag des Jahres erzielt wurde und wie die weiteren Aussichten für die Ölpreise sind.

Öl bekam zunächst Rückenwind durch die Vereinbarung einiger OPEC- und Nicht-OPEC-Länder, ihre Produktion im ersten Halbjahr 2017 einzuschränken, um die Preise zu stützen. Die Förderdisziplin der OPEC selbst scheint diesmal erstaunlich ausgeprägt zu sein. Ende Oktober 2016 wurden noch 34 Millionen Barrel am Tag gefördert. Aktuell sind es „nur“ noch 32,2 Millionen. Auch Russland, Mexiko und die weiteren Nicht-OPEC-Staaten, die an der Vereinbarung teilnehmen, halten sich an die Verpflichtungen. Besonders Saudi-Arabien ist dabei sehr eifrig und übererfüllt die Quote sogar. Allerdings gibt es auch Länder wie Venezuela, die aktuell noch mehr fördern, als es der Vereinbarung entspräche.

Die Vereinbarungen über die Förderkürzungen gelten zunächst bis Ende Juni 2017. Laut Bloomberg hat Saudi-Arabien im April bereits angekündigt, offen für eine Verlängerung jener Förderbeschränkungen bis Ende des Jahres zu sein. Allerdings naheliegenderweise nur, wenn die restlichen Länder mitziehen.

Warum haben sich nun die Ölpreise von Anfang Januar bis in den Februar hinein wenig bewegt? Offenkundig wollten die Marktteilnehmer erst einmal sehen, wie stark sich die OPEC-Länder an ihre Vereinbarungen halten und wie sich die Angebotsdaten entwickeln.

Hier kam es denn auch so, wie es wohl kommen musste. Das Angebot an Öl, welches von den Unterzeichnern der Vereinbarung vom Markt genommen wurde, wurde von anderen Ländern nahezu komplett wieder ausgeglichen. An erster Stelle sind hier natürlich die US-Förderer zu nennen. Diese verzeichneten in den vergangenen beiden Jahren unglaublich anmutende Effizienzsteigerungen, was die Fördertechnik anbelangt. So wurde bereits vor der Vereinbarung der OPEC-Länder fleißig gefördert, was die Pumpen zu gewinnbringenden Preisen noch hergaben. Nach den November-Beschlüssen hinsichtlich der Produktionskürzungen wurden dann auch immer mehr Bohrlöcher wieder aktiviert, was sich an den wöchentlich veröffentlichten Daten von Baker Hughes gut ablesen lässt (siehe Tabelle auf Seite 28).

Innerhalb der vergangenen elf Monate hat sich somit die Zahl der aktiven Bohrlöcher in den USA mehr als verdoppelt. Und der totale Ausstoß ist nicht wesentlich geringer als im Oktober 2014, obwohl die Anzahl der aktiven Bohrlöcher sich seitdem um circa 60 Prozent verringert hat. Laut Schätzungen von Bloomberg haben die USA seit dem OPEC-Beschluss vom November 2016 circa 60 Millionen Barrel Öl zusätzlich gefördert, während der Rest der Welt das Angebot um 62 Millionen Barrel Öl reduziert hat.

Dies ist also der Grund dafür, dass sich der Preis im Winter nicht mehr wirklich vom Fleck ­bewegt hat: An der Angebotssituation hat sich netto nichts geändert. Allerdings wären die Ölpreise wohl noch tiefer, wenn die OPEC das Abkommen nicht geschlossen hätte. Was die Zukunft anbelangt, so wird die kurzfristige Preisentwicklung des Öls sicherlich auch davon abhängen, ob das Abkommen über die Produktionsbeschränkungen bis zum Jahresende verlängert wird. Dies würde den Ölpreisen natürlich helfen, auch wenn in den USA nun eine neue Regierung am Werk ist, welche der Ölindustrie und deren Förderwünschen sehr aufgeschlossen gegenübersteht. Wichtig ist auch das Verhalten der Großanleger. Diese hatten sich zum Jahresende 2016 und Anfang 2017 massiv auf der Long-Seite positioniert. Diese Positionen wurden aber zu einem großen Teil Mitte März aufgelöst, was die Korrektur der Ölpreise Richtung 50 Dollar/Barrel und tiefer zur Folge hatte.

Auf mittlere Sicht ist natürlich die weltweite Konjunkturentwicklung für die Nachfrageseite entscheidend. Je stärker die Konjunktur anzieht, desto höher wird die Nachfrage nach Öl sein. Auf die lange Sicht sollte das Öl in den nächsten Jahren zwar nicht knapp werden. Die meisten Analysten erwarten aber für die Zukunft eher ansteigende als fallende Notierungen von Öl. Und dies auch, wenn laut Handelsblatt vom 6. März die Ölreserven, die mit heutiger Technik aus dem Boden gepumpt werden können, 2,6 Billionen Barrel betragen sollten. Was genug wäre, den Erdölbedarf der gesamten Weltbevölkerung bis 2050 zweimal zu befriedigen. Entscheidend ist daneben für den weiteren Weg der Ölpreise natürlich auch die Entwicklung der Elektromobilität.

Für Anleger, die eine feste Meinung haben oder meinen, einen beginnenden Trend (sei dieser kurz- oder langfristiger Natur) identifiziert zu haben, könnte sich ein Blick auf Faktor-Zertifikate als lohnend erweisen. Hier erwarten den Anleger Produkte mit einem täglich festen Hebel, ohne fixen Basispreis und auch ohne jegliche Laufzeitbegrenzung. Faktor-Zertifikate auf Öl gibt es sowohl für die Umsetzung einer Erwartung steigender Kurse als auch für das Setzen auf fallende Kurse. Für Brent- ebenso wie für WTI-Öl stellt X-markets Anlegern, die eine feste Meinung in Bezug auf die jeweile Richtung haben und diese gerne mit einem etwas höheren Hebel (bisher 2, 4 und 6) handeln möchten, neuerdings auch Faktor-Zertifikate mit den Hebeln 8 und 10 zur Verfügung. Nähere Informationen hierzu – und auch zu den Risiken – finden sich auf der Website www.db-faktorzertifikate.de.

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