Brent und WTI auf getrennten Wegen | 27.10.2017

Am Preishahn gedreht

Der Ölmarkt ist für viele Anleger schwer zu verstehen. Nicht nur, dass es mit WTI und Brent zwei verschiedene Richtsorten gibt, auch der zuletzt wachsende Preisabstand zwischen den beiden sorgt für Irritation. Anleger, die auf eine ­bestimmte Marktrichtung von Brent und/oder WTI setzen wollen, können mit Faktor-Zertifikaten gehebelt an der Bewegung partizipieren.

Als Anfang Juni die Ölpreise auf das Jahrestief von rund 45 Dollar pro Barrel rutschten, stieg die Nervosität in einigen Ölländern sicher wieder deutlich. Heute, einige Monate später, hat sich die Lage an der Preisfront aus Anbietersicht beruhigt. Dass die Preise bei beiden Sorten stiegen, bei Brent sogar auf den Jahreshöchststand von 60 Dollar, lag vor allem an den in diesem Jahr starken Stürmen und den andauernden Auseinandersetzungen im Nahen Osten.

Gold-Kommentar

Wenn die Rolltreppe streikt

Ab und an wird ja in den Medien mit einem leichten Seufzer daran erinnert, wie sich das heutige Reisen mit dem Flugzeug von Trips vor – sagen wir mal – 50 Jahren unterscheidet.

Michael Blumenroth

Neben der starken Kursvolatilität verwundert noch immer viele Anleger, dass von zwei Ölsorten gesprochen wird und diese auch meist unterschiedlich bepreist sind. Beides lässt sich schnell erklären: Der internationale Ölhandel orientiert sich hauptsächlich an zwei Referenzölen, Brent und WTI. Während für Europa die Sorte Brent das entscheidende Öl ist, ist das für die Amerikaner „West Texas Intermediate“ abgekürzt WTI. Weltweit gehandelt wird Rohöl in Barrels. Ein Barrel sind 42 amerikanische Gallonen oder umgerechnet 158,99 Liter – deren Preis in Dollar angegeben wird.

Die wichtigsten Handelsplätze für Rohöl sind in Europa die Londoner Warenterminbörse ICE Futures, welche aus der einstigen International Petroleum Exchange (IPE) hervorging, und in den Vereinigten Staaten die New York Mercantile Exchange.

In der Qualtität liegt WTI leicht vor Brent. Während WTI einen niedrigen Schwefelgehalt von rund 0,24 Prozent hat, beträgt er bei Brent 0,37 Prozent. Beide gehören zu den leichten süßen Rohölen. Die sogenannten sauren Sorten haben dagegen einen Schwefelanteil von bis zu sechs Prozent.

Aufgrund der hochwertigeren Qualität kostete WTI in früheren Zeiten bis zu drei Dollar mehr als das europäische Brent-Öl. Mittlerweile ist es genau andersherum. Selbst ein Gleichstand ist selten geworden - zuletzt gab es ihn im Dezember 2015. Seitdem entwickelen sich die Preise wieder auseinander. Wurde die Preisentwicklung in den vergangenen Jahren hauptsächlich von der explosionsartigen Zunahme von Fracking und dem damit verbundenen Angebotsüberhang in Amerika getrieben, basieren die aktuellen vor allem auf den Auseinandersetzungen im Nahen Osten, welche verstärkt auf die europäischen Preise Auswirkungen haben. Zuletzt kostete Brent über sechs Dollar je Barrel mehr als WTI.

Während die vergangenen Erholungsbewegungen immer wieder abrissen, weil ein Überangebot am Ölmarkt einfach keinen Preisanstieg von längerer Dauer zuließ, könnten die Preise dieses Mal mittelfristig auf dieser Höhe bleiben oder sogar noch etwas mehr steigen. Die Voraussetzungen dafür sind gut: Die weltweite Ölnachfrage ist gewachsen, Chinas Konjunktur hat sich deutlich besser entwickelt als von Experten erwartet und die von der OPEC angestrebte Drosselung der Produktion scheint zu funktionieren.

Ein guter Indikator dafür, in welche Richtung sich die Ölpreise in Zukunft bewegen, ist der aktuelle Lagerbestand in den USA. Dieser wird wöchentlich von der Energy Information Administration (EIA) bekanntgegeben. Aktuell vermeldeten sie Öl-Lagerbestände in Höhe von 456,5 Millionen Barrel – und somit zum vierten Mal in Folge ein Minus. Es beträgt 5,7 Millionen Barrel (erwartet worden waren 4 Millionen Barrel). Solange die Bestände weiter nachlassen, könnten die Preise auch künftig hoch sein oder weiter steigen.

Dass diese Erholung aber dauerhaft ist, bezweifeln die meisten Experten. Dafür müsste die weltweite Nachfrage noch deutlicher wachsen. Bei einem weiter steigenden Preis würden jedoch die Schieferölproduzenten in den USA sehr bald per Fracking das Angebot ausweiten und somit wieder Druck auf den Ölpreis ausüben. Zudem ist die Produktionskürzung der OPEC oft auch nur von kurzer Dauer gewesen. Meist wichen einzelne OPEC-Mitglieder relativ schnell wieder von den Übereinkommen ab und erhöhten ihre Fördermenge beträchtlich. Die aktuelle Vereinbarung zur Produktionsreduktion jedenfalls, läuft Ende März 2018 offiziell aus.

Anlegern, die in Öl investieren möchten, bieten sich zahlreiche Möglichkeiten. Mit Faktor-Zertifikaten können sie auf eine Aufwärts- oder eine Abwärtsrichtung des Marktes setzen (siehe Tabelle Seite 26). So haben Anleger je nach Markterwartung die Wahl: Long (steigende Kurse) oder Short (fallende). Gleichzeitig können sie unterschiedliche Hebel wählen. Der ausgewählte Hebel gewährt eine überproportionale Partizipation an den täglichen Bewegungen des Basiswertes. Steigt beispielsweise der Preis des WTI-Futures im Tagesverlauf um ein Prozent, so steigt der Preis eines Faktor-2-Long-Zertifikats auf den WTI um zwei Prozent. Faktor-Zertifikate haben keine Knock-out-Schwelle und zeichnen sich durch eine unbegrenzte Laufzeit aus.

Rollverluste (Verzerrungen, welche entstehen, da der Zertifikatepreis sich auf Warentermingeschäfte und nicht auf den Kassapreis beziehen) sowie erwartete Dividendenzahlungen haben darüberhinaus keinen Einfluss auf die tägliche Rendite dieser spannenden Produktklasse. Weitere Informationen gibt es unter www.db-faktorzertifikate.de.

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