Gold-Kommentar | 27.10.2017

Wenn die Rolltreppe streikt

Ab und an wird ja in den Medien mit einem leichten Seufzer daran erinnert, wie sich das heutige Reisen mit dem Flugzeug von Trips vor – sagen wir mal – 50 Jahren unterscheidet.

Während man sich ­damals noch fein kleidete, scheint heutzutage eher ein Wettstreit ausgebrochen zu sein, wer es auf Langstreckenflügen schafft, am nachlässigsten ­angezogen zu sein. Aber Rettung ist in Sicht. Und zwar dann, wenn das Beispiel des Königs von Saudi-Arabien Schule macht. Dieser hatte bei seinem ­Besuch in Russland nicht nur 1500 Personen in mehreren Fliegern als Begleitung, sondern unter anderem auch eine goldene (!) Rolltreppe im Gepäck. Diese wurde dann vor das Flugzeug geschoben – zum Zwecke des Hinabrollens und Gleitens gen Boden, wo die Fahrzeugeskorte wartete. ­Irgendetwas ging dabei allerdings schief, so dass die Rolltreppe nach der Hälfte der Strecke streikte. Und er tatsächlich den Rest zu Fuß absteigen musste. So ähnlich fühlt sich auch die Lage für einige Gold-Investoren momentan an. Beim Schreiben dieser Zeilen notiert das Edelmetall zwar zirka zwölf Prozent (in Dollar betrachtet) über seinem Niveau vom Jahresanfang, allerdings auch ein paar Prozent unter seinem Jahreshoch bei 1357 Dollar/Unze ­Anfang September. Die Gründe hierfür sind die altbekannten: Zum einen hat sich die US-Notenbank alle Mühe gegeben, die Zinsfantasie der Investoren wieder zu wecken. War Anfang September eine nächste Zinserhöhung für den Dezember bereits so gut wie ausgepreist, so wird diese nun mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erwartet. Händler müssen halt immer übertreiben. Dies hatte zudem zur Folge, dass der Dollar sich von seinen Zweieinhalbjahres-Tiefstständen wieder erholen konnte. Und auch die Marktzinsen der US-Staatsanleihen erholten sich von ihren Jahrestiefs Anfang September. Zum anderen besagen die Rekordhochs an den US-Aktienmärkten wohl auch, dass der Bedarf an sicheren Häfen momentan nicht sehr hoch eingeschätzt wird. Alles zusammen bedeutet natürlich einigen Gegenwind für die Goldpreise – dafür halten diese sich jedoch noch recht gut. Vieles hängt nun von US-Präsident Trump ab: Wird eine Steuerreform kommen? Wer wird neuer Präsident der Fed? Oder bleibt Yellen doch? Der November dürfte die Weichen stellen, ob es auch beim Gold zu einer Jahresendrallye kommen könnte.

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