USA: Allzeithoch am US-Markt | 27.10.2017

Goldener Herbst statt Schwarzer Montag

Der Dow Jones ist einer der ältesten und einer der wichtigsten Aktien­indizes. Fast noch beeindruckender als die Marktkapitalisierung von gigantischen 6,3 Billionen Dollar ist die jüngste Kursrallye des Börsen­barometers auf ein ein neues Allzeithoch von 23 485 Punkten. Auch der breiter gefasste S&P 500 und das Technologie-Segment Nasdaq erreichten jüngst neue Rekordhöhen.

Rückblende 2007: Anfang Oktober schickt sich der Dow Jones Industrial Average an, die erst im Juli erstmals überschrittene Marke von 14 000 Punkten erneut zu überwinden. Dann kommen Immobilienkrise, Lehman-Pleite und eine rasante Talfahrt des Index, der die Wertentwicklung der 30 größten amerikanischen Unternehmen abbildet, bis auf unter 7000 Punkte im Frühjahr 2009.

2014 bis 2016 folgt eine Seitwärtsphase, in der sich der Index dann hauptsächlich im Bereich zwischen 16 000 und 18 000 Punkten bewegt, bis Mitte 2016 die Marke von 18 000 Punkten nachhaltig überwunden wird.

 

US-Verbrauchervertrauen 2017

 

Nur wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl am 8. November 2016 setzte dann eine rasante Aufwärtsbewegung ein, in der der Dow mit den Stationen 19 000 Punkte (22. November 2016), 20 000 Punkte (25. Januar 2017), 21 000 Punkte (1. März 2017) und 22 000 Punkte (2. August 2017) um 4000 Punkte zulegt: Am 17. Oktober 2017 notierte er erstmals in seiner Geschichte über 23 000 Punkten, Tage später geraten 23 500 Punkte in Sichtweite.

Wendepunkte

Auch die Zinspolitik der Notenbank Fed bestärkt den Eindruck einer kraftvollen US-Wirtschaft. Zwar beließen die Notenbanker auf ihrer Sitzung im September die Leitzinzinsen bei 1–1,25 Prozent, sie kündigten jedoch an, ab Oktober ihre Anleihebestände zu reduzieren. Zur Bekämpfung der Finanzkrise hatte die Fed im Rahmen eines sogenannten Quantitative Easing ihre Bilanz auf 4,5 Billionen Dollar vervierfacht. Jetzt will der Offenmarktausschuss diese Bestände „schrittweise und vorhersehbar“ zurückfahren (Quantitative Tightening).

Da der Anleiheabbau zudem langfristig angekündigt worden war, werden größere Verwerfungen von den meisten Marktteilnehmern nicht befürchtet und entsprechend auch nicht eingepreist. Man werde jedoch darauf achten, so Fed-Chefin Janet Yellen, dass sich die Wirtschaft nicht überhitze, was von Beobachtern überwiegend als Zinserhöhungssignal gewertet wird. Die nächsten Gelegenheiten zu solchen Erhöhungen bestehen Anfang November (nach Redaktionsschluss) sowie Mitte Dezember. Dass die Fed eine Maßnahme dieses Umfangs gerade jetzt angeht, spricht für ihr Vertrauen in die Robustheit der Wirtschaft: So ist die Arbeitslosenquote – ein wichtiger Gradmesser für die Fed – auf 4,4 Prozent im August und damit den niedrigsten Stand seit 16 Jahren gefallen. Selbst die drei Hurrikane haben nicht zu einem drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt. Insgesamt hat der US-Arbeitsmarkt einen beachtlichen Weg zurückgelegt: 2010 gab es noch mehr als 10 Prozent Arbeitslose. Die Fed rechnet für die nächsten drei Jahre mit Werten leicht über 4 Prozent.

Auch sonst gibt es überwiegend gute Nachrichten: Die Handelsbilanz der USA ist zwar immer noch deutlich negativ, das Defizit im August fiel jedoch geringer aus, als es von den Märkten erwartet worden war. Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) stand im zweiten Quartal ein Plus von immerhin 3,1 Prozent zu Buche – das höchste Wachstum aller G7-Staaten. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum wuchs das BIP in Deutschland lediglich um 0,6 Prozent. Auch die enormen Zerstörungen, die die drei Hurrikane vor allem in Texas und Florida angerichtet haben, davon ist Fed-Chefin Janet Yellen überzeugt, werden zwar kurzfristig spürbar sein, die langfristigen Auswirkungen seien jedoch nur mäßig und die Gesamtwirtschaft werde sich schnell erholen. Schon im Schlussquartal des Jahres werde die Wirtschaft wieder in den Wachstumsmodus von vor den Stürmen zurückkehren.

 

DOW JONES

 

Rückenwind aus washington

Auch die Politik Donald Trumps wird derzeit noch positiv beurteilt: Seine Absicht, Arbeitsplätze durch weitere Deregulierung zu schaffen, sowie die Aussicht auf die Steuersenkungen und Infrastrukturprogramme, die der Präsident zwar angekündigt, aber noch nicht umgesetzt hat, sorgen offenbar für gute Laune in den Chefetagen zwischen Boston und Seattle. Ausdruck findet der Optimismus der Wirtschaftslenker beispielsweise darin, dass der Einkaufsmanagerindex, ein wichtiger Konjunktur-Indikator, der die Zukunftserwartungen der Unternehmen reflektiert und Kriterien wie Produktion, Auftragseingänge, Beschäftigung, Lieferzeiten sowie Lagerbestand abbildet, zuletzt auf den höchsten Stand seit 2011 kletterte.

Ganz rosig ist der Blick auf die US-Ökonomie dennoch nicht: So trübt zum Beispiel die niedrige Inflation – neben den Arbeitslosenzahlen das zweite wichtige Kriterium, von dem sich die Fed bei ihren Entscheidungen leiten lässt – derzeit die Laune. Sie ist von der langfristigen Zielgröße der Fed, einer Inflationsrate von 2 Prozent, aktuell doch noch ein gutes Stück entfernt – für das Jahr 2017 erwartet der Offenmarktausschuss einen Mittelwert von 1,6 Prozent. Mit der Erreichung des 2-Prozent-Ziels rechnen die Notenbanker erst in den Jahren 2019/2020.

Kein schwarzer Montag

Die Aktienkurse scheint das nicht zu beeinflussen: Die fünf Tausender-Schritte, die der Dow Jones seit der Präsidentschaftswahl gemacht hat, sprechen für sich. Je länger dieser Trend aber anhält, desto mehr Stimmen finden sich, die einen Rücksetzer erwarten. So war zum Beispiel der 19. Oktober, an dem sich der „Schwarze Montag“ des Jahres 1987, als der Dow Jones den größten Tagesverlust seiner Geschichte erlitt und um 23 Prozent abstürzte, zum dreißigsten Mal jährte, Anlass für Schlagzeilen wie: „Droht ein neuer ‚Schwarzer Montag‘?“ Ein Kurseinbruch blieb jedoch aus und der Index schloss sogar leicht über seinem Stand vom Vortag.

Für ein weiteres Anhalten des Aufwärtstrends könnte sprechen, dass die Unternehmen gute Gewinne machen – die jüngste Berichtssaison sorgte meist für positive Überraschungen.

endlich schwarzer Freitag

Unterstützung könnte durch die Konsumenten kommen. Nimmt man die jüngsten Verkaufszahlen von Apple zum Maßstab, ist die Verbraucherstimmung gut: Das Unternehmen konnte nicht nur die Smartphone-Umsätze kurz vor Vorstellung zweier neuer Modelle steigern, sondern auch den Trend rückläufiger Verkaufszahlen bei den Tablets umkehren. Insgesamt steht im 3. Quartal auf dem Heimatmarkt ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu Buche.

Eine grundsätzlich gehobene Konsumstimmung der Verbraucher könnte als gutes Vorzeichen für das letzte Quartal des Jahres dienen: Traditionell nutzen die amerikanischen Verbraucher den Brückentag zwischen Thanksgiving am vierten Donnerstag im November und dem darauf folgenden Wochenende zum ausgedehnten Shoppen. Preisnachlässe der Händler heizen die Konsumstimmung zusätzlich an, so dass es – trotz steigender Online-Umsätze – immer wieder zu tumultartigen Szenen in den Shopping Malls des Landes kommt. Der Tag gilt zudem als Beginn des Weihnachtsgeschäfts und wichtiger Indikator für dessen Verlauf.

Von einem guten Weihnachsgeschäft könnte auch der Dow Jones, in dem etwa die Baumarktkette Home Depot und der Handelsgigant Walmart (Umsatz 2017: 485,9 Mrd. Dollar), Konsumgüterhersteller wie Nike und Procter & Gamble sowie das Kreditkarten-Unternehmen American Express vertreten sind, profitieren.

Wer als Anleger an einem steigenden Dow Jones partizipieren möchte, kann das beispielsweise mit dem X-pert Zertifikat mit der WKN 722352 tun, das die Teilnahme an der Wertentwicklung des Index im Verhältnis 1:1 ermöglicht.

X-Pert Zertifikate auf US-Aktienindizes

WKN Name Brief Laufzeit Quanto Bezugsverhältnis
709336 S&P 500 X-pert Zertifikat 24,91 EUR Open End 0,01
709339 NASDAQ 100 X-pert Zertifikat 65,15 EUR Open End 0,01
722352 Dow Jones Industrial X-pert Zertifikat 222,53 EUR Open End 0,01
Stand 16.08.2018 12:05:51 Quelle: Deutsche Bank AG
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