Deutschen Nebenwerten auf der Spur | 27.10.2017

Platow-Zertifikat: Der Dauerläufer

Ein echter Marathonläufer unter den Zertifikaten von X-markets ist das „Platow-Zertifikat“, das die Wertentwicklung eines mit deutschen Aktien bestückten Fonds widerspiegeln soll. Es wurde Mai 2006 aufgelegt und hat seitdem in rund elfeinhalb Jahren mehr als 250 Prozent an Wert gewonnen. Die Basis seines Erfolgs ist ein ausgefeiltes Aktienauswahlverfahren.

Interview

Erfahrene ­Aktienauswahl

2017 wird für Besitzer des Platow-Zertifikats wohl ein weiteres exzellentes Jahr. Im Interview sprechen Christoph Frank und Roger Peeters, seit 2006 verantwortlich für die Zusammensetzung des Zertifikats, über das aktuelle Portfolio und die weiteren Aussichten.

Christoph Frank (Jahrgang 1972) und Roger Peeters (1973)

Warum in die Ferne schweifen, wenn es vor der eigenen Haustür genug interessante Investitionsmöglichkeiten gibt? Diese Frage beschreibt die Ausgangsidee für das „Platow-Zertifikat“ bzw. den ihm zugrunde liegenden DB Platinum IV Platow Fonds. Der Aktienfonds enthält fast nur Titel von Unternehmen, deren Hauptsitz oder Geschäftsschwerpunkt in Deutschland liegt. Ausgewählt werden diese Titel seit dem Start des Fonds 2006 von Christoph Frank und Roger Peeters, geschäftsführende Gesellschafter von pfp Advisory.

Dabei setzen die beiden Spezialisten, die sich selber gerne als „überzeugte Stockpicker“ beschreiben, auf die gesamte Bandbreite investierbarer Aktien. Sie orientieren sich bewusst nicht daran, ob diese Wertpapiere in einem der Auswahlindizes Dax, MDax, TecDax oder SDax enthalten sind. Zwar fallen einige Unternehmen durch eine zu kleine Kapitalisierung oder zu geringe Aktienhandelsumsätze durch das Raster, doch enthält das Portfolio seit jeher einen nicht unerheblichen Anteil an Papieren, die nicht in Auswahlindizes gelistet sind.

Lang Erprobte Strategie

Seit jeher heißt in diesem Fall seit Mai 2006 – als das Zertifikat emittiert wurde. Die seitdem vergangenen rund elfeinhalb Jahre sahen einige Aufwärtsbewegungen, aber auch schnelle Abschwünge wie etwa 2008, 2011 oder Anfang 2016. Frank und Peeters versuchen gar nicht erst, den Markt zu timen oder Positionen kurzfristig zu hedgen, weil sie davon überzeugt sind, dass dies zu selten Mehrwert bringt und durch Fehlsignale zusätzliche Wertverluste entstehen. Statt Markttiming stellen sie vielmehr die Auswahl der richtigen Werte in den Vordergrund, und das in jeder Phase des Börsenzyklus. Zudem kalkulieren sie bei Aktienkäufen in der Regel mit einer Haltedauer von mehreren Jahren und nehmen vorübergehende Durststrecken in Kauf.

 

Platow-Zertifikat

 

Tatsächlich lässt diese Strategie das Zertifikat und den zugrunde liegenden Fonds im rollierenden Fünfjahresvergleich gegenüber den Aktienindizes sehr gut aussehen. Vergleiche mit Indizes spielen in der Welt der beiden indes eine untergeordnete Rolle. Auch wenn der SDax für einen Vergleich der nächstliegende Index ist, wird dieses Small-Cap-Barometer nicht als feste Benchmark gesetzt, sondern eine vollkommen freie Auswahl aus dem gesamten Markt angestrebt.

in einem Trichter

Wie sieht die Methodik von pfp Advisory konkret aus? Das Fundament der Strategie ist ein von Christoph Frank entworfenes Screening-System, mit dem der komplette deutsche Aktienmarkt einmal pro Quartal anhand zahlreicher Kennzahlen gerastert wird. In einem ersten Schritt werden von den geschätzt rund 850 Aktien alle nicht operativ tätigen Unternehmen sowie „nicht investierbare“ Werte mit zu geringen Börsenumsätzen aussortiert, so dass noch 700 bzw. dann 500 Titel übrig bleiben. Von diesen wird anhand diverser Kennzahlen eine erste Liste von etwa 50 bis 100 Aktien erstellt, die grundsätzlich für eine Investition in Frage kommen. Über weitere, noch feinere Kennzahlenfilter kommt eine Auswahl von üblicherweise 35 bis 50 Werten zustande, die von den beiden Generalisten auf Basis ihrer persönlichen Kenntnisse und mithilfe von Firmenkontakten auch qualitativ auf ihre Investitionstauglichkeit abgeklopft werden. Am Ende des Prozesses wird nicht nur die Frage beantwortet, ob investiert wird, sondern, wenn ja, mit welchem Gewicht.

Das Nebenwerte-Zertifikat

Mit dem Platow-Zertifikat (WKN DB0PLA) haben Anleger die Möglichkeit, in ein Portfolio aussichtsreicher Nebenwerte – den DB Platinum IV Platow Fonds – zu investieren. Dabei partizipiert das Basket-Zertifikat 1:1 an der Wertentwicklung seines Basiswerts. Zu den zehn größten Positionen des Fonds gehörten Ende September Bechtle, Cancom, Technotrans, S&T, Deutz, Data­group, Kion, Fresenius, Jungheinrich und MTU Aero Engines.

Insbesondere Anleger, die von der Dynamik eines solchen Aktienkorbs überzeugt sind, dabei aber das Einzelwerterisiko scheuen, sollten das Platow-Zertifikat genauer unter die Lupe nehmen. Im Gegensatz zu Aktienkäufern besitzen Zertifikateanleger jedoch keinen Anspruch auf eine Dividende.

Zahlen im Mittelpunkt

Das nicht öffentliche Repertoire an Kennzahlen, mit denen pfp Advisory arbeitet, ist nach den Ausführungen von Frank und Peeters umfangreich und beinhaltet neben vielen fundamentalen auch technische Parameter.

Bei Betrachtung der Werte, die sich bislang im Platow-Zertifikat wiederfanden, bekommt der aufmerksame Betrachter aber ein ungefähres Bild, welche Kriterien den beiden geprüften Investmentanalysten wichtig sind: Die Unternehmen wachsen häufig stetig, sind moderat bewertet und schreiben fast immer schwarze Zahlen. Turnaround-Spekulationen spielen ebenso wenig eine Rolle wie Unternehmen in jungen Phasen, die noch mehr von Fantasie denn von Erfolgen geprägt sind. Interessant ist ferner die Feststellung, dass die Auswahl, auch wenn sie „bottom-up“ durch Einzelwertauswahl erfolgt, zu interessanten und/oder temporären Branchenclustern oder -ausschlüssen führt.

 

Der Investmentprozess

 

Kenntnisse aus erster Hand

Bemerkenswert bei der Auswahl von pfp ist, dass neben der strikten Kennzahlenanalyse der direkte Kontakt zu den Unternehmen eine wichtige Rolle spielt. Da sich sowohl Frank als auch Peeters seit jeweils über 20 Jahren intensiv mit dem deutschen Aktienmarkt beschäftigen, haben sie nicht nur sehr gute Kenntnisse über diesen Markt aufgebaut, sondern auch ein engmaschiges Netzwerk gesponnen.

Frank und Peeters, die beide bereits Teams aus Analysten und Finanzredakteuren von bis zu 20 Personen geleitet haben, sind es gewohnt, sehr viele Informationen zu verarbeiten und dabei den Überblick zu behalten. Es kommt durchaus vor, dass sie sich an nur einem Tag nacheinander mit einem Maschinenbauer, einem Medienunternehmen und einem Finanzdienstleister beschäftigen. Vielleicht fehlt ihnen manchmal die etwa für Buy-Side-Analysten typische spezifische Branchenkenntnis, dafür können sie aber sehr gut branchenübergreifend analysieren und ab­strahieren, was sie selbst als klaren Vorteil sehen.

StockPicking der alten Schule

Am Ende stehen sie immer vor der Gretchenfrage, welche Aktien momentan gegenüber anderen zu bevorzugen sind. Klassisches Stockpicking der alten Schule, das in guten wie in schlechten Marktphasen respektable Ergebnisse bringen kann. Die beiden arbeiten bewusst nicht mit fixen Kurszielen, betonen aber, dass ihre Methodik immer wieder gute Signale zum Ein- oder Ausstieg liefert. Somit ergibt sich ein stetiger Austauschprozess fast schon zwangsläufig.

Der Lauf ist noch nicht am Ziel

Die Historie des „Platow-Zertifikats“, das vom Start weg von Frank und/oder Peeters gesteuert wurde, ist lang. Aber die Macher sind überzeugt, dass dem Produkt noch lange nicht die Luft ausgeht, sondern dass die bisherigen elfeinhalb Jahre nur eine Teilstrecke auf dem geplanten „Marathonlauf“ sind.

Und davon verstehen alle Beteiligten einiges: Sowohl Christoph Frank als auch Roger Peeters und auch der dritte, mittelbare Gesellschafter von pfp Advisory, Albrecht Schirmacher als Inhaber und Geschäftsführer des Platow Medien Verlags, sind oder waren freudige Anhänger des Ausdauersports. Und dass sich lange Ausdauer an den Börsen bezahlt macht, zeigt der eingangs genannte Track-Record.

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