Einstieg in Chinas digitale Welt | 29.09.2017

Chinas Webgiganten

Nach zwei verlustreichen Jahren können Chinas Top-500-Unternehmen wieder Wachstum vermelden. Vor allem die Kennziffern der chinesischen Giganten des Internets verbessern sich weiter deutlich. Vielleicht die passende Zeit für Anleger, einen intensiven Blick auf das Index-Zertifikat „Solactive China Internet“ von X-markets zu werfen.

Aufatmen können die Verantwortlichen, welche alle Jahre wieder die Liste der Ergebnisse der Top 500 der chinesischen Unternehmen veröffentlichen. Im Vorfeld des alle fünf Jahre stattfindenden – dieses Mal neunzehnten – nationalen Kongresses der Kommunistischen Partei Chinas werden diese jährlichen Daten immer wenige Wochen vor der Veranstaltung bekanntgegeben. Nach einem zweijährigen Rückgang erzielten die 500 größten Unternehmen Chinas einen Umsatz von 64 Billionen Yuan und somit eine beeindruckende Steigerung im Vergleich zum Vorjahr: um 7,64 Prozent.

 

Die größten Internetwerte der Welt

 

Der deutliche Wandel in der Unternehmens-Rangliste zeigt einen positiven Trend auf: Nachdem auf der achtzehnten Mitgliederversammlung der Partei im Jahre 2012 von Staatspräsident Xi Jinping gravierende strukturelle Reformen vorgenommen wurden, ist China nun auf einem guten Weg, sich vom reinen Billiglohnland mehr und mehr zu einer vom eigenen Binnenkonsum getriebenen Volkswirtschaft zu entwickeln. Dies ist verbunden mit einem starken Anstieg des Dienstleistungssektors und damit der Entstehung zahlreicher weiterer hochwertigerer Arbeitsplätze.

Vor allem in Europa wurde nach dem Einbruch vor zwei Jahren bereits vom Ende Chinas gesprochen. Desto stärker wurde das aktuelle Ergebnis nun von der Parteispitze gefeiert. Die negative Stimmung europäischer Medien war aus ihrer Sicht komplett übertrieben. Jedenfalls sind derzeit in China alle Ebenen auf Wachstum eingestellt, wovon sich der Autor dieser Zeilen in den vergangenen Wochen in diversen großen Städten Chinas selbst überzeugen konnte.

 

E-Commerce-Umsatz B2C

 

An allen Ecken und Enden wird gebaut, entstehen neue Unternehmen, öffentliche und private Gebäude sowie riesige achtspurige Autobahnen. Begeisternd sind die vielen jungen dynamischen und vor allem motivierten Menschen in China. Der unbedingte Wille zum Erfolg zeigt sich allerorts. Kritiker werden nun einwenden: Wille alleine reicht nicht. Quantität ist noch lange nicht Qualität. Aber auch hier hat China in den vergangenen Jahren dazugelernt. Viele gute Universitäten, Hochschulen und sogar Fachschulen sind entstanden. Diese Kombination unterschiedlicher hochwertiger Ausbildungen erzeugt nun einen gewaltigen jährlichen Output an gut ausgebildeten Absolventen. Alle bereit, den Arbeitsmarkt zu erobern. Vor allem die dualen Ausbildung nach deutschem Vorbild ermöglicht es den Unternehmen, ihre Qualität mehr und mehr zu verbessern. China hat verstanden, dass eine breite Masse von Fachkräften der Schlüssel zum Erfolg ist. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich China auf das Land der billigen Herstellung von schlechten Kopien reduzieren ließ. Der seit mehreren Jahren in Shenzhen lebende Michél Hae-se, CEO von Lapscreen.com, bringt es auf den Punkt: „China besinnt sich wieder auf seine alten Werte. Kopieren gehörte historisch gesehen schon immer zur asiatischen Kultur. Es ist eine Ehre, kopiert zu werden, denn nur wer kopiert wird, weiß, dass er oder sein Produkt gut ist.“ Der wichtige Unterschied zu den letzten Jahrzehnten ist, dass es nun statt „billig“ – wie auch in längst vergangenen Zeiten – wieder vor allem „besser“ heißt. Mit dieser Wandlung, so China-Experte Haese, wird das Land in der Zukunft auf allen Ebenen deutliche Fortschritte erleben.

 

Anzahl der Internetnutzer in China

 

Digitales Wunder

Die digitale Welt explodiert regelrecht in China. Täglich entstehen neue Websites – zwischenzeitlich sind es fast fünf Millionen (siehe Grafik Seite 17). Eine ungeheure Masse an Menschen drängt ins Netz und beschert chinesischen Webriesen wie Alibaba, Tencent oder NetEase gigantische Wachstumszahlen. Verblüffend ist, dass dabei bekannte westliche Marken wie Amazon, Facebook, Alphabet (Google, WhatsApp) oder eBay auf der Strecke bleiben. Im Fall WhatsApp zeigt sich die oben erwähnte Strategie „kopiert, aber besser“. Wer das chinesische Pendant WeChat kennt, weiß, dass dies den amerikanischen Wettbewerber technisch meilenweit überholt hat.

Im E-Commerce sieht es ähnlich aus: Während im Westen Amazon die unangefochtene Nummer 1 ist, wirkt der Online-Riese aus Seattle in China wie ein Zwerg. Das geht aus aktuellen Zahlen des chinesischen Marktforschungsunternehmens iResearch hervor. Obwohl Amazon schon seit 2004 im Reich der Mitte aktiv ist, kommt das Unternehmen dort nur auf einen Marktanteil von 0,8 Prozent. Der mit Abstand größte Anbieter ist aktuell Tmall (56,6 Prozent), ein B2C-Marktplatz, der zu Alibaba gehört, danach folgt JD.com mit 24,7 Prozent. Der chinesische E-Commerce-Markt ist mit einem Gesamtvolumen von 378 Milliarden Dollar bereits ähnlich groß wie der USA und dürfte diesen voraussichtlich 2017 überholen. An der Rangliste der größten Internetwerte der Welt (siehe Seite 14) zeigt sich, dass die Firmen aus China bereits Facebook überholt haben und nun die Nummer 1 und 2, Alphabet (Google) und Amazon, fest im Visier haben. Da im Gegensatz zum Westen die chinesische Bevölkerung noch deutlichen Nachholbedarf in puncto Online-Bestellungen hat, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Alibaba, derzeit auf Platz 3, und die Nummer 4, Tencent, ganz oben auf dem Treppchen stehen werden.

 

Anzahl der Websites in China

 

Gut erkennen lässt sich das Nachholpotenzial in der zu Jahresbeginn 2017 erschienenen Studie von We Are Social und Hootsuite: Waren im Referenzmonat Dezember 2016 in Deutschland bereits 72 Prozent und in den Vereinigten Staaten 67 Prozent der Bevölkerung im Netz einkaufen, so waren es in China erst 45 Prozent. Damit haben die chinesischen Internetgiganten – selbst im eigenen Land – eine deutlich größere Wachstumsfantasie. Die Möglichkeiten, mit ihren Geschäften zusätzlich auch noch stärker im Ausland zu expandieren, sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

märkte der zukunft

Der chinesische Markt bringt aber nicht nur immer neue Internetgiganten hervor, sondern sorgt auch dafür, dass diese nun, ähnlich wie in Amerika zum Beispiel Google oder Apple, mit ihren Telefonen oder ihren ersten Produkten und Services im Bereich neue Mobilität in ganz andere Märkte expandieren. Der Webriese Tencent etwa, das Unternehmen, das hinter der App WeChat und vielen Internetspielen steckt, investiert bereits seit vergangenem Jahr große Summen in Gesellschaften im Bereich Future Mobility. Die Strategie dahinter ist, Asien zum Weltmarkt- und, noch entscheidender, zum Technologieführer im Bereich Zukunftsmobilität zu machen. Gerade die chinesische Bevölkerung steht der Elektromobilität, im Gegensatz zur europäischen, durch und durch positiv gegenüber. Bereits 2016 wurden dort rund 500 000 Elektroautos abgesetzt.

 

Aktuelle Zusammensetzung des Index

 

Passende Anlageprodukte

Wer beispielsweise seit Auflegung im Jahre 2009 in das Solactive China Internet Performance Index-Zertifikat investiert ist, liegt nun mit deutlich über 250 Prozent im Plus. Allein 2017 konnte das Index-Zertifikat 38,43 Prozent gutmachen. Es enthält die zehn bedeutendsten chinesischen Unternehmen aus dem Bereich Internet (s. Tabelle Seite 15). Der Index wird zweimal im Jahr angepasst, so dass kein Unternehmen mit mehr als 15 Prozent enthalten ist. Die Managementgebühr beträgt 1,5 Prozent und das Produkt läuft endlos.

Wer lieber, statt auf einen breiten Aktienkorb, auf einzelne Werte setzen möchte, für den könnten die bei Anlegern sehr beliebten Discount-Zertifikate eine lohnende Alternative sein (siehe Auswahl unten). Auch diese gibt es aus dem Hause X-markets bereits auf die ganz großen chinesischen Internetwerte, darunter auch gleich zwei Premieren am Markt mit den ersten Discount-Papieren auf NetEase und Tencent.

Ausgewählte Discount-Zertifikate auf chinesische internetwerte
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