Kommentar | 29.09.2017

Der Euro lebt

Treue Leserinnen und Leser meiner Kolumne haben sich sicher darüber gewundert, dass im letzten Heft die Goldkolumne an ihrem angestammten Platz nicht zu finden war.

Dies lag daran, dass es sich um eine Sonderausgabe zur Bundestagswahl handelte, so dass ein Goldtext nicht richtig hereingepasst hätte. Nichtsdestotrotz hat mich das natürlich persönlich sehr getroffen. Was allerdings den angenehmen Nebeneffekt hatte, dass ich mich über diesen vermeintlichen Mobbingvorgang seitens der Chefredaktion so massiv und furchterregend beschwert habe, dass die verehrten Leser/-innen in diesem Monat nicht nur in den Genuss einer Euro-Kolumne kommen, sondern auch einen längeren Goldtext vorfinden. Na also! Geht doch! Die Redaktion hat ihre Lektion nun hoffentlich gelernt. Dies hat offensichtlich auch der Euro. Stürzte dieser zu Jahresbeginn noch auf ein 14-Jahres-Tief, so handelt er mittlerweile deutlich fester und hat bereits die Marke von 1,20 mehrfach überschritten. Kaum steigt der Euro, wird manchen Mitgliedern des EZB-Direktoriums die Stärke des Euro zum Problem erklärt. ­Sicherlich ist dies einer der Gründe, warum der Dax im Gegensatz zu den US-Leitindizes noch etwas von seinen Allzeithochs entfernt ist. Und auch Goldanleger (siehe den Text) müssen ein bisschen den Euro/Dollar-Kurs im Hinterkopf behalten. Allerdings sollte hier vielleicht einmal die Kirche im Dorf gelassen werden. Zum einen ist der Dollar nicht nur gegen den Euro stark gefallen, sondern gegen nahezu alle bedeutenden Währungen. Sichtbares Zeichen hierfür ist, dass der DXY-Index von Reuters, welcher die Stärke (oder Schwäche) des Dollar gegen die restlichen neun G10-Währungen misst, ebenso auf  ein Zweieinhalb-Jahres-Tief gefallen ist wie halt auch der Dollar gegen den Euro. Andere Währungen haben seit Jahresbeginn sogar deutlich mehr zugelegt als der Euro. Und wenn man den Euro/Dollar-Kurs bis zum Jahr 1990 (fiktiv) zurückberechnet, so beträgt der Durchschnittskurs 1,2215 – ist also noch höher als das aktuelle Niveau. Ein weiterer Trost für Anleger in hiesige Exportwerte ist, dass ja nicht das gesamte deutsche Exportgeschäft in Dollar abgewickelt wird. Sondern viele Exporte in die Eurozone selbst gehen. Oder in Länder, deren Währungen in diesem Jahr noch stärker zulegen als der Euro selbst. Hier könnte also ein bisschen rheinische Gelassenheit durchaus hilfreich sein. Auch in den EZB-Kreisen sollte die Euro-Stärke deshalb nicht nur negativ gesehen werden. Sondern vielleicht auch als Zeichen einer in diesem Jahr erstaunlich prosperierenden Wirtschaft in der Eurozone.

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