Titelthema Kanzler, Kurse, Konjunktur | 25.08.2017

Ludwig Erhard Vater des „deutschen Wirtschaftswunders“

Jeder Kanzler hatte sein Markenzeichen. Bei Ludwig Erhard, dem zweiten Kanzler der Bundesrepublik, fällt sofort die Zigarre auf. Es gibt nur wenige Bilder, auf denen er nicht mit ihr zu sehen ist. Obwohl Erhard sich zunächst ab 1949 als Wirtschaftsminister große Verdienste als Vater des „deutschen Wirtschaftswunders“ und der Sozialen Marktwirtschaft erworben hatte, agierte er als Kanzler glücklos und trat nach nur drei Jahren zurück.

Dabei hat er die Wahl am 19. September 1965 mit dem bis dahin zweitgrößten Wahlsieg in der Geschichte der Union für sich entschieden. Die Wirtschaft brummte während seiner Amtszeit, die Arbeitslosenquote lag in jedem Jahr klar unter einem Prozent – so sah das „deutsche Wirtschaftswunder“ aus. Trotz dieser Erfolge fehlte ihm aber der Rückhalt in den eigenen Reihen, er galt als schüchtern und zögerlich.911er wird zum Verkaufsschlager

Seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen hatte Erhard im Jahr 1957 in dem Buch „Wohlstand für Alle“ dargelegt und tatsächlich schossen neue Unternehmen aus dem Boden, die die gewonnene Kaufkraft der Deutschen bedienen wollten. Dagegen spielte die Börse für viele Deutsche nur eine untergeordnete Rolle. Dennoch gab es etliche Ereignisse, die später für die Börse von großer Bedeutung sein sollten. So stellte Porsche im Jahr 1963 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt den Porsche 911 vor, der in den Folgejahren zu einem Verkaufsschlager wurde. Der Börsengang des Sportwagenherstellers folgte allerdings erst im Jahr 1984.

 

Porsche Aktienanleihe

 

Das Computerzeitalter beginnt

1963 hatte die niederländische Firma Philips den Cassettenrecorder und die Compact Cassette erfunden. Ein Jahr später wurde das Unternehmen Metro mit dem ersten Metro-Cash-&-Carry-Markt gegründet. Im Jahr 1964 stellte IBM das System S/360 vor, mit 5,55 Milliarden Dollar Entwicklungskosten damals das teuerste Computersystem aller Zeiten. Der Computer wurde in nennenswerten Stückzahlen zwar erst 1966 ausgeliefert, doch sicherte die Produktfamilie auf lange Zeit die Vormachtstellung von IBM.Obwohl Erhard frühzeitig zurücktreten musste, bleibt er einer der prägendsten Politiker der deutschen Nachkriegsgeschichte. Aus Anlass seines 100. Geburtstags gab die Bundesrepublik am 4. Februar 1997 eine Briefmarke zu 100 Pfennig mit einem Porträt Erhards und einer Abbildung des Bundesadlers heraus. Auch hier ist er mit Zigarre abgebildet. Seit 2007 ziert eine vom Aachener Bildhauer Wolf Ritz angefertigte Büste Erhards den Eingangsbereich des Bundeswirtschaftsministeriums – diesmal aber ohne Zigarre.

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