Helden ins Portfolio | 25.08.2017

Börsenneuling Delivery Hero

Es ist der bislang größte Börsengang des Jahres - knapp eine Milliarde Euro sammelte der Essenslieferdienst Delivery Hero AG bei seinem IPO am 30. Juni ein. Ein Direktinvestment in das Start-up ist dennoch mit Risiken verbunden. Das Discount-Zertifikat von X-markets könnte eine Alternative sein

Das Geschäftsmodell des 2011 vom heutigen Vorstandsvorsitzenden, dem Schweden Niklas Östberg, mitgegr̈ndeten Unternehmens ist prinzipiell einfach: Delivery Hero bietet eine zentrale Online-Plattform für die Essensbestellung bei einer Vielzahl von FastfoodRestaurants. Das Unternehmen sorgt für die Bestellund Zahlungsabwicklung, die Zubereitung und den eigentlichen Lieferservice übernimmt das jeweilige Restaurant. Dafür kassieren Delivery Hero bzw. seine Marken – in Deutschland vor allem pizza.de, Lieferheld und Foodora – eine Provision. Insgesamt ist das Unternehmen in 40 Ländern mit lokalen Marken vertreten und arbeitet mit über 150000 Partner-Restaurants zusammen. 2016 wurden über 170 Millionen Bestellungen abgewickelt.

Die Vorteile des Delivery-Hero-Angebots für den Besteller sind evident: Über eine leistungsfähige E-Commerce-Infrastruktur kann er aus einer Vielzahl von Essensangeboten – gerne auch von unterwegs per Smartphone-App – auswählen, bestellen und bezahlen, muss sich aber nur ein einziges Mal registrieren. Die Anbieter pro tieren ebenfalls von der einheitlichen Bestellabwicklung sowie dem zentralen Marketing der Delivery-HeroMarken.

Wem der Sinn dagegen nach Wolfsbarschröllchen, Steinbutt oder Rinder let statt Pizza, Döner oder Burger steht, muss sich ebenfalls nicht mehr selbst ins Restaurant bemühen: Über Foodora kann auch bei Restaurants mit gehobenem (Preis-)Niveau bestellt werden – nach spätestens 30 Minuten klingelt dann der Bote mit dem bestellten Gaumenschmaus. Anders als die anderen Plattformen übernimmt Foodora auch die Lieferung. Insgesamt 8000 Restaurants in 50 Städten nutzen derzeit Foodora, um ihre Gerichte an den ebenso hungrigen wie anspruchsvollen Kunden zu bringen. Foodora macht dabei sogar vor Sterne-Tempeln nicht halt: In Amsterdam kann über den Lieferservice selbst bereits bei einem 2-Sterne-Restaurant bestellt werden.

MILLIARDENSCHWERES EINHORN

Das Konzept stößt natürlich auch auf Kritik: Vor allem Gastronomen mit gehobenem Angebot sind nicht immer glücklich, wenn ihr Restaurant zu Stoßzeiten von den in auffälligem Pink gekleideten Foodora-Fahrern über utet wird. Zudem kommen Zweifel an der Tragfähigkeit des Konzepts auf, denn Delivery Hero liefert derzeit vor allem eines: Verluste – zu gering die Provisionen im Euro-CentBereich, zu groß der Aufwand bei Werbung und den E-Commerce-Dienstleistungen. Auch drängen derzeit große internationale Konkurrenten wie Amazon und Uber in einen ohnehin schon wettbewerbsintensiven und margenschwachen Markt.

Zwar ist Delivery Hero das, was ob seiner Seltenheit gerne als Einhorn beschrieben wird: ein Start-up mit einer Marktbewertung vor dem Börsengang von 1 Milliarde Euro, dennoch müssen sich die Berliner die gleichen Fragen stellen lassen wie jedes andere junge Unternehmen: Wann werden schwarze Zahlen geschrieben? Wie wird es nach dem starken Wachstum der ersten Jahre weitergehen? Wie nachhaltig ist das Geschäftsmodell? Wird das Unternehmen mit der dynami-schen Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle mithalten können? Viel wird davon abhängen, ob es den Berlinern gelingt, schnell zu wachsen und so viel Provisionen zu kassieren, dass kostendeckend beziehungsweise gewinnbringend gearbeitet werden kann.

Chart Delivery Hero

FAST FOOD MIT DISCOUNT

Dass die Anleger bislang positiv auf den Börsengang reagiert haben, liegt wohl vor allem an zwei Faktoren: Zum einen gehen Prognosen nahezu von einer Verdopplung des Markts für geliefertes Essen in Deutschland auf über 6 Milliarden Euro und damit von Wachstumsraten von knapp 25 Prozent pro Jahr bis 2021 aus, zum anderen hat die Aktie des niederländischen Konkurrenten Takeaway.com, der Mutter von Lieferando.de, mit einem Plus von mehr als 60 Prozent eine veritable Börsenrallye hingelegt. Allerdings arbeitet Takeaway.com, ebenso wie der britische Konkurrent Just Eat, gewinnbringend.

Wer am Potenzial von Delivery Hero partizipieren, sich aber nicht dem Risiko eines Direktinvestments aussetzen möchte, kann den Einstieg per DiscountZerti kat wagen: Dieses erwerben Anleger nämlich mit einem Abschlag auf den Kurs der Aktie, wodurch eventuelle Kursverluste abgefedert werden können. Zum Ausgleich ist der maximale Ertrag auf den Höchstbetrag – in diesem Fall 22 Euro – begrenzt. Notiert das Papier unter diesem Betrag, erhalten Anleger die Aktie ins Depot geliefert.

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