Gold-Kommentar | 28.03.2018

Goldenes Fallobst

Manchmal muss man einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. So wie neulich in ­Sibirien.

Dort hatte ein Frachtflugzeug mehr als drei Tonnen Gold aus dem Frachtraum verloren, nachdem sich dessen Klappe gelöst hatte, (ich war als Jungspund bei der Transportfliegerei, wäre uns das passiert, hätte man uns die Ohren bis zum Boden lang gezogen). Die Flughafenmitarbeiter mussten dann die quer über die Startbahn verstreuten Goldbarren einsammeln und abgeben. Vor allem das Letztere, ich gebe es zu, wäre mir schwergefallen. Mancher Anwohner in der Nähe des Flughafens hätte es wohl gerne gehabt, wenn sich die Ladeklappe etwas später geöffnet hätte: So ein herrenloser Goldbarren im Vorgarten wäre sicherlich eine angenehme Überraschung und zarte Versuchung gewesen und hätte mich über einen kurzfristigen Umzug nachdenken lassen. Auf den Märkten jedenfalls hielten sich die Freunde des Goldes in den letzten Wochen etwas versteckt. Beim Schreiben meines wöchentlichen Goldkommentars musste ich feststellen, dass an den ersten drei Freitagen im März das edelste aller Metalle zum jeweils gleichen Zeitpunkt immer exakt auf dem gleichen Niveau handelte. Langweilig. Scheinbar zerren aktuell verschiedene Kräfte am Gold. Einerseits profitiert der Goldpreis von der Unsicherheit über die zukünftige Handelspolitik der USA
und einen möglichen Handelskonflikt besonders mit China. Auch handelt der Dollar gegen viele Währungen aktuell etwas schwächer als zum Jahresbeginn. An der anderen Waagschale zerren die weiter ansteigenden Renditen bzw. Marktzinsen in den USA ebenso am Goldpreis wie die Mitte März deutlich nachgebenden Rohstoffwährungen – etwa der Australische Dollar oder der Kanadische Dollar. Der Goldpreis passte sich damit auch den anderen Rohstoffen an, die sich Anfang März ebenfalls eher von ihrer schwachen Seite zeigten. Irgendwie fehlen ak­tuell die Impulse – sowohl nach oben als auch nach unten. Für Gold sprechen wohl am ehesten mögliche geopolitische Spannungen, welche die Flucht in sichere Häfen zur Folge haben könnten. Schauen wir mal. Falls ­keine goldenen Ostereier im Nest lagen, lohnt es sich vielleicht, ab und an mal einen Blick den Vorgarten zu werfen, ob dort nicht doch etwas Ungewöhnliches vom Himmel herabgefallen ist.

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