Gold-Kommentar | 24.01.2018

Das stabile Genie

Nun ist 2018 auch schon wieder viel Wasser unter der Brücke hindurchgeflossen. Mit anderen Worten: Es fühlt sich an, als wäre 2017 schon lange her.

Das neue Jahr brachte neben einigen neuen Tweets des US-Präsidenten, die seinen gesunden Hang zum Humor trefflich illustrierten („Mein Atomknopf ist größer …“, „Ich glaube, das zeichnet mich nicht nur als schlau, sondern als Genie aus ... und als sehr stabiles Genie dazu“), auch einen ordentlichen Auftakt an vielen Märkten. Neben den Aktienmärkten haben sich auch die Rohstoffe von ihrer Schokoladenseite gezeigt. Dies überrascht wahrscheinlich weniger bei Palladium (17-Jahres-Hoch), Kupfer (Vier-Jahres-Hoch) und Öl (Drei-Jahres-Hoch). Hier wird einfach die Erwartung eingepreist, dass die Konjunktur auch 2018 weltweit haussieren wird. Allerdings haben sich viele Kommentatoren verwundert gezeigt, dass auch der Goldpreis in einem eher goldpreisfeindlichen Umfeld ordentlich zulegen konnte. Hier könnte ich es mir natürlich einfach machen und schreiben, dass diese Kommentatoren einfach keine Ahnung haben. Zugegebenermaßen sprach aber auch einiges gegen steigende Goldpreise. Die haussierenden Aktienmärkte lassen den Bedarf an sicheren Häfen als eher gering erscheinen. Die global ­florierende Konjunktur lässt vermuten, dass die ­Notenbanken weltweit nun doch allmählich etwas flotter und fester an der Zinsschraube drehen werden als bislang vermutet. So steigen denn auch die Anleiherenditen bereits deutlich. Und die gigantischste, phänomenalste, riesigste Steuerreform ­aller Zeiten – natürlich die in den USA – hätte ja den Gedanken nahelegen können, dass der Dollar steigt. Was zumeist ja eher schlecht für die Goldpreise ist. Allerdings: Steigende Rohstoffpreise könnten auf längere Sicht bedeuten, dass die Inflation stärker steigt, als momentan von Analysten vermutet. Eine Steuerreform in einer boomenden Wirtschaft wie den USA könnte diese zur Überhitzung bringen. ­Außerdem schwächelt der Dollar zu Jahresbeginn. Und einige Investoren kaufen vielleicht auch Gold als Absicherung gegen eine mögliche Korrektur an den Aktienmärkten. Bemerkenswert ist dabei, dass der Goldpreis nicht nur in Dollar, sondern auch in anderen Währungen gestiegen ist. Sollte diese Kursbewegung im Jahresverlauf so weitergehen wie zu Jahresanfang, dann, ja dann wäre Gold wirklich ein sehr stabiles Genie.

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