Was Rohstoffe bewegt | 24.01.2018

Gold, Öl & Co. auf der Spur

Obwohl vor allem die Rekordhochs an den amerikanischen Aktienbörsen viel Aufmerksamkeit auf sich zogen, boten sich auf den Rohstoffmärkten durchaus Investitionsalternativen, die Anlegern im vergangenen Jahr noch größere Gewinne beschert hätten. Die X-press-Redaktion nimmt verschiedene Basismaterialien unter die Lupe und schaut, wie es 2018 weitergehen könnte.

Gold-Kommentar

Das stabile Genie

Nun ist 2018 auch schon wieder viel Wasser unter der Brücke hindurchgeflossen. Mit anderen Worten: Es fühlt sich an, als wäre 2017 schon lange her.

Michael Blumenroth

Die Rohstoffmärkte standen 2017 sicherlich im Schatten boomender Aktienkurse. Etwas zu Unrecht, denn selbst bei einem Investment in Gold konnten im vergangenen Jahr 13 Prozent verdient werden. Allerdings wurde Gold von dem phänomenalen Anstieg der Palladium-Preise abgehängt. Diese konnten 2017 von 670 Dollar/Unze zu Jahresbeginn bis auf 1072 Dollar/Unze zum Jahresende erheblich zulegen – und somit in Dollar betrachtet satte 55 Prozent an Wert gewinnen. Auch in den ersten Tagen 2018 zeigte der Palladiumpreis keine Ermüdungserscheinungen, sondern legte auf über 1100 Dollar/Unze zu und bewegte sich in die Nähe seiner Allzeithochs.

nachhaltigkeit des Palladiumanstiegs?

Ob es mit dem Palladiumpreis noch höher geht, ist schwierig zu sagen. Alte Edelmetallhasen werden sich an 2001 erinnern. Auch damals verursachte die Autoindustrie einen enormen Preisanstieg. Der Preis konnte sich nicht halten und stürzte wieder deutlich ab. Kann der Aufschwung diesmal nachhaltiger sein?

Zur Beantwortung dieser Frage müssen die Gründe für die deutlichen Zugewinne bei Palladium im letzten Jahr betrachtet werden. Palladium gehört zwar ebenso wie Gold, Silber und Platin zur Gruppe der Edelmetalle, allerdings liegt sein Hauptverwendungsgebiet nicht – wie beispielsweise bei Gold – in seiner Funktion als sicherer Hafen für Anleger und auch nicht in der Herstellung von Schmuck (wiewohl dies in Asien durchaus einen nicht unbeträchtlichen Teil der Nachfrage ausmacht). Palladium wird zwingend für die Katalysatoren benötigt, die in Benzinautos verbaut werden. Zwar lässt momentan die Nachfrage nach Dieselmotoren weltweit eher nach, was auch die aktuelle relative Preisschwäche von Platin erklärt, das mehr in Katalysatoren für Dieselautos eingesetzt wird. Nichtsdestotrotz könnte die Verschiebung der Preisdifferenz bei den Auto- und Katalysatoren-Herstellern Überlegungen aufkommen lassen, Palladium durch Platin zu ersetzen. Was Druck auf den Palladiumpreis ausüben könnte. Andererseits brummt die Weltkonjunktur so wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Der IWF geht davon aus, dass sich im vergangenen Jahr so wenige Staaten in einer Rezession befanden wie seit knapp 40 Jahren nicht mehr. Und dass es in Zukunft sogar noch weniger werden.

konjunktur treibt nachfrage

Dies spricht für eine anhaltend hohe Automobilnachfrage, insbesondere durch die weiter stark wachsenden Mittelschichten Chinas und Indiens. Risiken für die Palladiumnachfrage sind eine unerwartete Konjunkturschwäche ebenso wie bei weiteren Preissteigerungen potenziell zunehmende Bestrebungen, Palladium in Katalysatoren für Benziner durch das billigere Platin zu ersetzen. Die meisten Rohstoffanalysten sehen eher Aufholpotenzial für Platin gegenüber Palladium. Andererseits lautet eine der ältesten Händlerregeln: „The trend is your friend“, zumal viele Analysten erwarten, dass das derzeitige Angebotsdefizit noch einige Jahre bestehen bleiben könnte.

basismetalle als Alternative

Viel wird davon abhängen, ob die Auguren mit ihrem ungebremsten Konjunkturoptimismus recht behalten werden. Sollte dies der Fall sein, dann ist ein Blick auf die sogenannten Basismetalle mög­licherweise nicht die schlechteste Idee.

Das bekannteste dieser Metalle ist sicherlich Kupfer. Auch hier kam es zu einer ordentlichen Kurssteigerung im vergangenen Jahr, nämlich von 5500 Dollar/Tonne bis auf 7300 Dollar/Tonne. Also ein zirka 30-prozentiger Anstieg im Jahresverlauf auf ein Niveau, das zuletzt Anfang 2014 gehandelt worden war. Im Januar 2016 wurde Kupfer hingegen zeitweise bei 4300 Dollar/Tonne umgesetzt. Hier ist die Begründung für den Kursanstieg recht einleuchtend: Je besser die Konjunktur weltweit (und insbesondere in China) läuft, desto besser ist die Lage für den Kupferpreis. Nicht zuletzt deswegen wird „Doctor Copper“ in den USA häufig als guter Vorlaufindikator für die Konjunkturentwicklung angesehen.

Auch die restlichen Basismetalle, Nickel, Aluminium, Zink (Anfang 2018 auf einem Zehn-Jahres-Hoch), Zinn und Blei, konnten 2017 zulegen. Für an diesen Rohstoffen interessierte Anleger sei aber sowohl für die Basismetalle als auch für die Edelmetalle auf eines hingewiesen: Der Kursanstieg des Euro im vergangenen Jahr hat bei Zertifikaten, welche die Kursentwicklung eins zu eins nachvollziehen, einen Teil der immensen Kursgewinne der Metalle, die sie in Dollar betrachtet erzielt hatten, wieder weggeknabbert. Hier wären für Anleger währungsgesicherte Quanto-Zertifikate sicherlich die bessere Wahl gewesen.

beim ölpreis bleibt es spannend

Erstaunlich war in den vergangenen Wochen die Kursentwicklung der beiden Ölsorten Brent und WTI. Hatten viele Marktbeobachter hier nicht mehr mit Preisen über 60 Dollar/Barrel gerechnet, überschritten sowohl Brent (über 68 Dollar/Barrel) als auch WTI (über 62 Dollar/Barrel) diese Marke. Und dies, nachdem Öl Juni 2017 noch bei 45 Dollar/Barrel (Brent) bzw. 42 Dollar/Barrel (WTI) umgesetzt wurde. Auch hier spielt natürlich mit hinein, dass die Weltkonjunktur erfreulich rund läuft, was naturgemäß eine erhöhte Nachfrage nach Ölprodukten zur Folge hat. Die gleichen Autos, die die Nachfrage nach Palladium für Katalysatoren treiben, stehen ja nicht nur in der Garage, sondern müssen auch betankt werden. Entscheidend ist hier also, wie auf jedem Markt, das Spiel von Angebot und Nachfrage. Und die Nachfrage war konjunkturbedingt zum Ende des Jahres 2017 nun einmal wesentlich besser als von den meisten Marktbeobachtern erwartet.

Ende 2017 und Anfang 2018 kam natürlich auch noch das extrem kalte Wetter in einigen Teilen der USA hinzu. Zudem hatten die OPEC-Staaten sich mit einigen anderen großen Ölförderländern wie Russland auf eine Verlängerung der Produktionsbeschränkungen für das ganze Jahr 2018 geeinigt. Und – ganz wichtig – die Erdöllagerbestände in den USA: Diese nahmen über Wochen hinweg deutlich ab, und meistens gar noch deutlich stärker, als es die Ölanalysten erwarteten. Damit scheint die OPEC zumindest vorübergehend eines ihrer Ziele erreicht zu haben: nämlich den Abbau der immensen Öllagerbestände in den USA. Abzuwarten bleibt nun, inwieweit bei den aktuell hohen Ölpreisen die Fracking-Industrie ihre Bemühungen, das im Schiefergestein verborgene Öl ans Tageslicht zu holen, verstärken und intensivieren wird. Auf mittlere Sicht könnte den Ölpreisen nutzen, dass viele Explorationsvorhaben hinsichtlich neu zu erschließender Ölvorkommen in den vergangenen Jahren aufgrund der niedrigen Ölpreise zurückgestellt worden sind, was in der Zukunft für Angebotsverknappung sorgen könnte.

Somit bleibt festzuhalten, dass Aktienkurse und Rohstoffpreise momentan aus ähnlichen Gründen steigen – die Weltkonjunktur läuft. Anlegern bietet sich eine Vielzahl von Möglichkeiten, an den Kursbewegungen auf den Rohstoffmärkten zu partizipieren. So können Anleger in Rohstoffe per Index- oder Faktor-Zertifikate oder Inline-Optionsscheine (siehe Tabelle S. 25 und 26) investieren. Die letzteren werden bei Fälligkeit zu 10 Euro zurückgezahlt, solange die beiden Barrieren während der Laufzeit nicht verletzt werden. Anderenfalls verfallen sie nahezu wertlos. Bleibt der Rohstoff im gewählten Kurskorridor, erzielen Anleger Renditen – auch bei Kursstillstand.

Die Verbindung zur Datenquelle konnte nicht hergestellt werden!

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