Wachablösung in Washington | 24.01.2018

Neuer Fed-Präsident nominiert

Vier Jahre lang zählte Janet Yellen als Chefin der US-Notenbank zu den mächtigsten Frauen der Welt – im Februar endet ihre Amtszeit. Mit Jerome H. Powell steht ihr Nachfolger schon fest. Dass der Kandidat von Donald Trump ähnlich sprunghaft agieren wird wie dieser, ist unwahrscheinlich. Jedenfalls tritt er sein Amt in Zeiten boomender Aktienmärkte an.

Obwohl ihre Amtszeit deutlich kürzer war als die ihrer Vorgänger Alan Greenspan (20 Jahre) und Ben Bernanke (8 Jahre), hat Janet Yellen das Geschehen auf den Finanzmärkten maßgeblich mitgeprägt. Am meisten wird sie wohl mit den 2015 begonnenen vorsichtigen Zinserhöhungen in Verbindung gebracht werden, die nach sieben Jahren nahe dem Nullzins die amerikanischen Leitzinsen von 0,13 Prozent auf 1,38 Prozent getrieben haben. Auch der Beginn des Abbaus der im Zuge der Finanzkrise angeschwollenen Anleihebestände fiel in ihre Amtszeit. Dass die Aufräumarbeiten damit abgeschlossen wären, wird wohl niemand behaupten. Immerhin – sie haben begonnen.

 

US-Konjunkturindikatoren

 

Dass die stets bedächtig und akademisch auftretende Demokratin Yellen und der mit einem quecksilbrigen Temperament ausgestattete Donald Trump aneinandergeraten würden, war fast vorauszusehen. Trotz mancher öffentlicher Scharmützel deutete jedoch einiges auf eine Annäherung.

Von wem die Entscheidung gegen eine zweite Amtszeit auch ausging, mit dem Erbe, das sie hinterlässt, kann Yellen zufrieden sein: „Im Moment entwickelt sich die US-Wirtschaft gut. Es gibt weniger, was einem den Schlaf raubt, als das eine lange Zeit der Fall gewesen ist.“ Mit dieser Ansicht steht sie keineswegs alleine da, ganz im Gegenteil: So glaubt das Magazin Forbes gar, ein „Goldilocks-Szenario“, also stabiles Wirtschaftswachstum, steigende Anlagekurse und moderate Inflation, identifizieren zu können. Wie zur Bestätigung hob die Fed ihre Wachstumsprognose für 2018 von 2,1 Prozent auf 2,5 Prozent an. Die Wirtschaft brummt, die Aktienkurse steigen, Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq 100 markieren immer neue Höchststände – so kann man abtreten.

besser als yellen?

Mit Jerome Powell kommt jedenfalls ein anderer Stil, ob auch eine andere Politik wird die Zukunft zeigen. Der von der Süddeutschen Zeitung bereits als „die noch bessere Janet Yellen“ gefeierte Powell ist vor allem eines: ein Praktiker. Jedenfalls ist Donald Trump mit seiner Nominierung ein in seiner Amtszeit eher seltenes Kunststück gelungen: Er hat eine Entscheidung getroffen, mit der praktisch alle in Politik und Wirtschaft gut leben können.

Ein radikaler Kurswechsel ist von dem 64-jährigen Powell wohl kaum zu erwarten – er ist bereits seit 2012 Mitglied im höchsten Gremium der Fed.

2018, da sind sich Analysten weitgehend einig, werde die Fed die Zinsen in drei Schritten bis auf 2,25 Prozent erhöhen. Dass damit der schnurrende Konjunkturmotor abgewürgt würde, befürchten die wenigsten. Ganz im Gegenteil. Und sollte die US-Wirtschaft weiterhin mit Goldlöckchen daherkommen, wird es von Powell vielleicht tatsächlich einmal heißen: Er war die bessere Janet Yellen.


Jerome Hayden Powell

Jerome Hayden Powell

Der am 4. Februar 1953 in Washington geborene Powell hat Universitäts­abschlüsse in Politologie (1975) und in Rechtswissenschaft (1979). Unter Präsident Bush senior wurde er 1992 Unterstaatssekretär im Finanzministerium. 1993 wechselte er in die Privatwirtschaft. Nominiert von Barack Obama, ist Powell seit dem 25. Mai 2012 als Gouverneur Mitglied des Leitungsgremiums der Fed. 2014 wurde er in diesem Amt für 14 Jahre bis 2028 bestätigt. Powell ist Mitglied der Republikanischen Partei. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

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