Kunstwelten | 24.01.2018

Abu Dhabi und Dubai: Hotspots der Kunstszene

Im November eröffnete der Louvre Abu Dhabi, weitere spektakuläre Kunstmuseen sind dort in Planung. In Dubai steht die Kunstszene schon seit Jahren in Blüte. Die Vereinigten Arabischen Emirate schaffen ihre eigene Kunstwelt und setzen auch hier neue Maßstäbe.

Es war ein Empfang auf höchstem Niveau, auf den die Kunstwelt gespannt gewartet hatte. Mit der Eröffnung des Louvre Abu Dhabi wurde nicht nur ein erster Ableger des berühmten Pariser Kunstmuseums eingeweiht, sondern die globale Kunstlandkarte um ein weiteres Kunstzentrum bereichert: die Insel Saadiyat. 400 geladene Würdenträger feierten dort gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, seiner Ehefrau Brigitte und Kronprinz Muhammad bin Zayid Al Nahyan den spektakulären Bau, der über eine Kuppel von 180 Metern Durchmesser verfügt – und der erste große Baustein eines neuen Pilgerortes für Kunstreisende werden soll. Der „Louvre des Sandes“ mit Meerblick, entworfen vom französischen Architekten Jean Nouvel, erstreckt sich über 64 000 Quadratmeter. Der weiße Bau beherbergt nun Hunderte Werke aus aller Welt, von der Antike bis zur zeitgenössischen Kunst.

Interview

Sammler und Pionier der Kunstszene

2011 eröffnete Ramin Salsali in Dubai mit dem Salsali Private Museum (SPM) das erste Museum für zeitgenössische Kunst in der arabischen Welt überhaupt. Für sein Engagement für die Kunst­szene in Dubai wurde Salsali vom Vizepräsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate und Herrscher von Dubai, Muhammad bin Raschid Al Maktum, als „Patron of the Arts“ geehrt.

Ramin Salsali

    

Vom Beginn seiner Planung bis zu seiner Fertigstellung verfolgte die globale Kunstwelt aufmerksam die Entstehung dieses neuen Kunstforums, das auch den internationalen Kunstmarkt beleben wird. Vom Ankauf des ersten Werkes, eines Gemäldes von Piet Mondrian für 21,5 Millionen Euro, bis zur spektakulären Ersteigerung von Leonardo da Vincis „Salvator mundi“ für sagenhafte 450 Millionen Euro im November 2017 übertraf eine Meldung die nächste.

enge kooperation mit frankreich

Leihgaben für den Louvre Abu Dhabi stammen von bekannten französischen Museen wie Schloss Versailles und Musée d‘Orsay, denn Abu Dhabi hat eine Vereinbarung mit Frankreich erzielt, die die Überlassung des Namens „Louvre“ für 30 Jahre garantiert und eine Zusammenarbeit beispielsweise bei der Ausrichtung von Ausstellungen vorsieht. Fast eine Milliarde Euro fließen aus dieser Kooperationsvereinbarung an den französischen Staat. Und weitere aufsehenerregende Bauwerke für die Kunst sind auf der Museumsinsel geplant: das futuristische Zayeh National Museum und das Guggenheim Abu Dhabi, ein Museum für moderne Kunst.

Der fertige Bau des Louvre Abu Dhabi ist an Schönheit und architektonischer Raffinesse jedenfalls kaum zu überbieten. Das grelle Sonnenlicht bricht sich auf dem Wasser und wird von den weißen Boxen reflektiert.

Wenn die türkisfarbenen Wellen des Meeres an die Museumsmauern branden, wirkt dies fast surreal schön. Eine gigantische Stahlkuppel filtert mit ihrer netzartigen Struktur die Sonnenstrahlen oder lässt den Betrachter in einen künstlichen Himmel funkelnder Sterne blicken. Der Louvre Abu Dhabi ist schon in seiner harmonischen Einheit aus Futurismus und Sinnlichkeit ein Kunstwerk und die Reise wert. In der Eröffnungswoche des neuen Hotspots wartete das Emirat für Sammler und Künstler mit der Abu Dhabi Art außerdem noch mit einer Kunstmesse auf. Mit einer Besucherzahl von 20 000 hat sich die Messe inzwischen zu einer bedeutenden Handelsplattform für Galerien entwickelt, die hier an die Örtlichkeiten und Räume angepasste Werke ihrer Künstler präsentieren.

dubai im kommen

Viele professionelle Kunstreisende nutzten in diesem besonderen Kunstnovember ihre Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate auch, um das Kunst- und Kulturangebot in Dubai zu entdecken. Im dortigen Industriegebiet Al Quoz haben sich schon vor zehn Jahren Künstler und Galerien angesiedelt und eine stetig wachsende Basis für eine aufblühende Kunstszene geschaffen.

Das Industrieflair wirkt mit seinem ganz eigenen Charme als Kontrapunkt zu den Glaspalästen der Innenstadt. Außerdem sind in Al Quoz die Mieten noch moderat. Ob Restaurants, Hotels oder Resorts: In Dubai sind Kunstevents derzeit en vogue und Galeristen präsentieren dem internationalen Publikum Dubais und Abu Dhabis gern ihre Kunstwerke. Zu diesen gehört beispielsweise der Berliner Galerist Michael Schultz, der im Four Seasons ­Resort Dubai at Jumeirah Beach eine Vernissage der Fotokünstlerin Kiki Kausch organisierte.

Was den erfolgreichen Galeristen am meisten an den Emiraten als Ort für Ausstellungen fasziniert? Michael Schultz: „Dubai und seit einigen Jahren auch Abu Dhabi gehören zu den festen Destinationen des internationalen Kunstzirkus. Dort gibt es mittlerweile eine ständig wachsende Schar von ernsthaften Kunstsammlern, derenAufgeschlossenheit über dem Diktat kulturell-religiöser Zwänge steht.“

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