Titelthema: Endlich achtzehn! | 15.12.2017

Was Anleger im neuen Jahr erwartet

Das neue Jahr bringt neben „guten Vorsätzen“ und besten Wünschen auch neue Chancen für Anleger mit sich. Zahlreiche Analysen, Prognosen und Erwartungen überfluten zum Jahreswechsel die Medien. Das X-press-Magazin hat sie zusammengefasst und liefert einen komprimierten Überblick.

Unabhängigkeit und Freiheit – vor allem diese beiden Gefühle empfinden junge Erwachsene mit dem anstehenden 18. Geburtstag. So sehr sich Jugendliche ihre Volljährigkeit herbeisehnen, so sehr freut sich das Gros der Menschen auf den Jahreswechsel. Dass das 21. Jahrhundert am 1. Januar seinen 18. Geburtstag feiert, ist dabei eher irrelevant. Vielmehr heißt es auch diesmal wieder, Wünsche und Vorsätze für das neue Jahr in die Tat umzusetzen.

Prognose

Das bringt das Anlagejahr 2018

10 Prognosen zur weiteren Entwicklung an den Kapitalmärkten.

Dr. Ulrich Stephan

 

Mehr Sport machen, abnehmen, sich gesünder ernähren oder mehr Zeit mit der Familie verbringen zählen seit jeher zu den meistgenannten „guten Vorsätzen“ zur Jahreswende. Fragt man jedoch nach den Wünschen für das neue Jahr stehen neben Gesundheit und Liebe auch finanzielle Sehnsüchte ganz oben auf der Liste. So wird nicht nur von luxuriösen Statussymbolen geträumt, sondern auch von Geldanlagen, die bei annehmbaren Risiken auch eine verhältnismäßig ordentliche Rendite abwerfen. Schließlich akzeptieren laut einer Umfrage der VuMA Arbeitsgemeinschaft in Deutschland lediglich 3 Prozent bei einer Geldanlage mit hohen Zinsen und Erträgen auch ein höheres Risiko. Ist doch gemäß dem IfD Allensbach 31,7 Millionen Menschen in Deutschland die Sicherheit einer Geldanlage wichtiger als ein hoher Betrag. Da ist es nicht verwunderlich, dass das Sparbuch trotz der anhaltend niedrigen Zinsen nach wie vor die beliebteste Geldanlage in Deutschland ist – und zwar mit großem Abstand.

 

Index-Zertifikat mit Anpassungsfaktor

 

Viele Gewinner

Laut dem Verband der Privaten Bausparkassen nutzen 15 Prozent der Bundesbürger Aktien bzw. 6 Prozent festverzinsliche Wertpapiere als Geldanlage. Dass sich jedoch ein gut strukturiertes Wertpapierdepot lohnen kann, wies die Trend-Umfrage des Deutschen Derivate Verbands im November aus: In einer Onlinebefragung deutscher Privatanleger erklärten 17,6 Prozent, dass sie mit ihrem Wertpapierdepot im laufenden Jahr zwischen 1 und 6 Prozent erwirtschaftet haben. Mehr als jedes zweite Depot, also 52,5 Prozent, gewann sogar über 6 Prozent hinzu.

Verluste von mehr als 1 Prozent machten dagegen rund 23,6 Prozent der Befragten. Hierbei handelt es sich in der Regel um gut informierte Anleger, die als Selbstentscheider ohne Berater investieren.

 

Express-Zertifikate

BIP-prognose

DAX’SCHE Aussichten

Im furiosen Jahr 2017, in dem der deutsche Leitindex Dax und sein amerikanisches Pendant, der Dow Jones, von einem Allzeithoch zum nächsten kletterten, dürften zahlreiche Anleger von zweistelligen Zuwachsraten profitiert haben. Nach Aussage einiger Analysten (siehe Seiten 20/21) könnten im neuen Jahr weitere Rekordstände winken und somit eine Fortsetzung anstehen. Zumindest lassen gemäß Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlage­stratege für Privat- und Firmen­kunden der Deutschen Bank, einige wichtige fundamentale Faktoren darauf schließen.

Vor größeren Kursschwankungen wird jedoch teilweise ebenfalls gewarnt. Insgesamt gehen die meisten Banken von steigenden Notierungen beim Dax aus; so zumindest fiel das Ergebnis der Emittentenumfrage des Deutschen Derivate Verbands bei 20 Zertifikate-Emittenten in Deutschland aus.

 

X-pert Zertifikat

 

Wenigstens Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont könnten sich durch das Index-Zertifikat mit Anpassungsfaktor (WKN DL4DAX) der Deutschen Bank auf den Dax (siehe Kasten auf Seite 14) angesprochen fühlen. Der Anleger ist an keine feste Laufzeit gebunden und nimmt über das Zertifikat an der Wertentwicklung des Index, unter Abzug des Anpassungsbetrags, teil.

Unterstützung finden Dax-Anleger unter anderem in den Aussagen von Thomas Müller, Gründer und Vorstand der TM Börsenverlag AG sowie Gründer und Geschäftsführer des boerse.de-Finanzportals. Er erwartet für den Dax im Jahr 2018 einen zweistelligen Zuwachs, im Jahr 2019 sieht er ihn bei 20 000 Punkten, in seiner Prognose für das Jahr 2039 rechnet er sogar mit 100 000 Punkten.

Museumsbesuch in Rosenheim

Übrigens, der TM Börsenverlag eröffnete Mitte 2017 das Börsenmuseum in Rosenheim, welches sich auf die Fahnen geschrieben hat, die große, weite und faszinierende Welt der Börse einfach zu erklären. Warum ein Besuch des Museums im Jahr 2018 gewinnbringend sein könnte, erfahren X-press-Leser auf Seite 38.

Intensiver Welthandel

Gewinne erzielen, könnten 2018 auch Anleger, die weiterhin auf eine robuste Weltkonjunktur setzen. Denn laut Stefan Schneider, Chef-Ökonom der Deutschen Bank, sollte das weltweite Wachstum zunächst weiter über dem potenziellen Wachstum bleiben. Vor allem der wiedererstarkte Welthandel sowie die bereits in 2017 deutlich angestiegenen Investitionen der OECD-Länder sollen dazu beitragen, das prognostizierte Wachstum von rund vier Prozent zu erreichen.

 

Index-Zertifikat

 

Das Gros der Analysten erwartet, dass die weiterhin sehr positive konjunkturelle Entwicklung weltweit zu steigenden Unternehmensgewinnen führen dürfte – zumal auch die Finanzierungsbedingungen günstig bleiben sollten.

Doch genau die Niedrigzinspolitik der Notenbanken hat dazu geführt, dass beispielsweise Staatsanleihen in vielen Industriestaaten kaum Mehrwert für Anleger bieten – auch in 2018 voraussichtlich nicht. Da die weltweite Verzinsung der Unternehmensanleihen darüber hinaus inzwischen unattraktiv erscheint, gilt es Anlagealternativen zu finden.

 

Prognosen für das Jahresende 2018

 

alternative zur Geldanlage

Eine gute Möglichkeit bietet daher unter anderem das Express-Zertifikat auf den MSCI World Index (WKN DB9T7J), bei dem der Anleger die Chance auf eine vorzeitige Rückzahlung in Abhängigkeit von der Entwicklung des Index erhält. Sollte also an einem der Bewertungstage der MSCI World Index über oder auf der jeweiligen Rückzahlungsschwelle notieren, wird das Zertifikat fällig gestellt und zu einem festen Betrag zurückgezahlt. Mehr Informationen zu diesem Produkt finden Sie unter www.xmarkets.de.

Blick auf Europa und Asien

Obwohl die Weltaktienmärkte derzeit nicht unbedingt als günstig angesehen werden, erscheinen sie vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen für viele Marktteilnehmer im Allgemeinen aber auch nicht teuer. Zahlreiche Analysten favorisieren für 2018 vor allem Aktien aus Europa, Japan und China. Diese sind unter anderem niedriger bewertet als die Wettbewerber in den USA. Japan beispielsweise könnte ebenso wie Europa, das laut EU-Kommis­sion in 2017 sein stärkstes Wachstum seit zehn Jahren erleben dürfte, vom anziehenden Welthandel profitieren und erhält gleichzeitig Unterstützung beim Export durch den schwächeren Yen. In China dagegen sollte die Liberalisierung der Kapitalmärkte dazu führen, dass Einheimische auch außerhalb des Festlands investieren. Daneben wird die Marktöffnung zu einer steigenden Aufmerksamkeit internationaler Investoren für chinesische Aktien führen.

Gezielte Branchenauswahl

Zu den Gewinnern der derzeit blühenden Konjunktur könnten im Jahr 2018 entsprechend Sektoren gehören, die für gewöhnlich als insgesamt schwankungsanfällig gelten. Banken, Versicherungen, Chemie und die Automobilindustrie werden hier häufig genannt.

Mit dem X-pert Zertifikat auf den EuroStoxx Automobiles-Index (WKN DB0G32) nehmen Anleger an der Wertentwicklung der Aktien des Automobilsektors aus dem EuroStoxx teil. Das Zertifikat hat keine Laufzeitbeschränkung.

Steigende Datenflut

Aber auch Zukunftsbranchen wie das Internet der Dinge sollten in 2018 stärker in den Fokus rücken, da durch die globale Vernetzung auch die digitale Datenflut weiter ansteigen dürfte.

Entsprechend könnte ein Blick auf Chinas bedeutendste Internetunternehmen interessant werden. Mit dem Solactive China Internet Index-Zertifikat (WKN DB2CNT) können Anleger an der Wertentwicklung von Alibaba, Baidu, Tencent und sieben weiteren führenden Unternehmen partizipieren. Schließlich geht beim Thema Onlinewelt mittlerweile kein Weg mehr an den Internetkonzernen aus dem Reich der Mitte vorbei.

Viel Erfolg bei Ihren Investmententscheidungen im neuen Jahr wünscht Ihnen die Redaktion des X-press-Magazins.

Wohin steuert der Dax 2018?

X-press hat vier Aktienexperten nach ihrer Einschätzung gefragt.

 

Wohin steuert der Dax 2018?
Stefan Ziermann

Die Börsen werden nächstes Jahr von Feierlaune in Katerstimmung kippen. Ich erwarte große Schwankungen im Dax. Zunächst werden wir noch neue Rekorde sehen – vielleicht sogar 15 000 Punkte. Ab dem Sommer erwarte ich, dass den Börsen die Luft ausgeht. Auslöser dafür wird die fortgesetzte Straffung der US-Geldpolitik und vor allem der zunehmende Liquiditätsentzug der Fed sein. Dann werden die Märkte die Richtung wechseln und auch einen Bruch des langfristigen Aufwärtstrends halte ich für möglich. Am tiefsten Punkt sehe ich den Dax bei etwa 10 800 Punkten.  

Stefan Ziermann  ist stellvertretender Chefredakteur im Verlag Fuchsbriefe und Chefredakteur des Börsenbriefs FUCHS-Kapitalanlagen.


Christian W. Röhl

Mein Kursziel für den Dax: 44 444 Punkte, wenngleich wir die wohl nicht schon 2018 sehen. Obwohl, man kann nie wissen ... Ist aber auch egal. Denn wer in unternehmerische Sachwerte (und nichts anderes sind Aktien) investiert, bringt ohnehin Zeit mit. Ab einem Anlagehorizont von 15 Jahren jedenfalls hat man seit 1970 mit deutschen Aktien nie Verlust gemacht, sondern im jährlichen Durchschnitt über 8 Prozent Plus. Und schriebe man diese Zahlen einfach fort, wäre meine Schnapszahl schon 2033 erreicht.

Christian W. Röhl  ist Investor, Unternehmer, Dividendenkassierer – und schreibt darüber auf www.dividendenadel.de und Twitter (@CWRoehl).


Hans-Jürgen Haack

Überraschender Einflussfaktor in 2018 könnten steigende Inflationsraten sein, ausgelöst durch Lohnsteigerungen im robusten Arbeitsmarkt und anziehende Rohstoffpreise. Die Gefahr liegt damit dann in einer strafferen Geldpolitik mit Liquiditätsentzug. Den Höhepunkt des Bullenmarktes dürften wir zwar 2018 sehen, aber ich erwarte keine sofortige Baisse, sondern eher ein zähes Jahr mit erhöhter Volatilität in einer längeren Topbildung. Für den Dax erwarte ich am Jahresende einen Stand von 12 466 Punkten.

Hans-Jürgen Haack  ist Börsenprofi mit 30 Jahren Erfahrung sowie Chefanalyst und leitender Redakteur der HAACK-Börsenbriefe.

Daniel Saurenz

Das Jahr 2017 geht als unglaublich volatilitätsarm in die Geschichte ein. 2018
vollzieht die US-Notenbank die Übung, eine straffere Zinspolitik hinzubekommen. Einerseits ist das reibungslose Gelingen fraglich, andererseits dürfte es keinesfalls ohne stärkere Schwankungen am Aktien- und Anleihemarkt abgehen. 2017 war es eine sagenhaft niedrige Zahl von drei Handelstagen, an denen der MSCI World-Index mehr als plus/minus ein Prozent Veränderung aufwies. Normal sind rund 50 solcher Tage pro Jahr – 2018 werden wir stärkere Ausschläge und interessantere Handelstage erleben. Wir erwarten bei Feingold Research, dass 2018 ein spannendes Aktienjahr wird, in dem „long only“ nicht reichen wird. Für das erste Quartal könnten wir uns noch eine Rally bis 14 000 Zähler oder darüber vorstellen, sehen im weiteren Jahresverlauf aber kräftige Korrekturmöglichkeiten. Über einen Rückfall auf 12 000–11 000 Punkte sollte sich dann niemand wundern.

Daniel Saurenz  ist preisgekrönter Wirtschaftjsournalist und ausgezeichneter
Finanzblogger auf www.feingold-research.de.


Folgen der MiFID-II-Umsetzung für Anleger

Ein Kommentar von Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbands (DDV), der Branchenvertretung der wichtigsten Derivate-Emittenten. Er setzt sich seit 2008 für Ausbildung und Aufklärung der Anleger ein.

Lars Brandau

Ab Januar 2018 gilt die sogenannte MiFID-II-Richtlinie. Die deutsche Finanzaufsicht setzt große Hoffnungen in die umfassenden Änderungen. Im Interesse des Anlegerschutzes soll vieles transparenter und verständlicher werden. Insbesondere bei den Kosten und der Dokumentation. Während die Banken den großen Aufwand der Umsetzung beklagen, sind die Aufseher von ihren neuen Eingriffsmöglichkeiten begeistert. Unabhängig von diesem Diskurs stellt sich für die Anleger die Frage, welche Konsequenzen sich aus den neuen Regeln ableiten lassen.

 

1. Ausführliche Beratungsdokumentation
Künftig wird der Kunde bei jedem Beratungstermin detaillierte Produkt- und Kosteninformationen zu seiner Beratungsdokumentation erhalten. Ferner noch quartalsweise eine Depotübersicht, welche die Umsätze und Bestände auflistet. In diesem Zusammenhang sind die Finanzinstitute verpflichtet, ebenfalls alle drei Monate ausführlich über die Entwicklung der Anlageprodukte im Depot des Kunden zu informieren.

2. Aufzeichnung und Archivierung von Telefongesprächen
Künftig besteht die Pflicht, Telefongespräche im Rahmen der Anlageberatung aufzuzeichnen. Die Mitschnitte müssen die Institute dann fünf Jahre vorhalten, wobei sich die Frist auf Wunsch der Aufsicht um weitere zwei Jahre verlängern kann. Möchte ein Kunde das nicht, muss er sich in der Filiale beraten lassen. Dort ist dann in diesem Fall ein schriftlicher Vermerk über den Gesprächsverlauf zu hinterlegen, wenn das Gespräch in einen Wertpapierauftrag mündet.

3. Geeignetheitserklärung
Eine Neuerung ist die sogenannte Geeignetheitserklärung. Sie löst das 2010 in Deutschland eingeführte Beratungsprotokoll ab und wird den Kunden im Anschluss an das Beratungsgespräch ausgehändigt. Ein wesentlicher Punkt dabei ist, dass das empfohlene Anlageprodukt zur Risikotoleranz und Verlusttragfähigkeit des Kunden sowie zu seinen Wertpapierkenntnissen und -erfahrungen passen muss (Stichwort „Zielmarkt“). Andere Geldanlagen wie etwa Tages- oder Festgeld unterliegen weiterhin nicht dieser Protokollierungspflicht.

4. Kostenausweis/Provisionen
Der Gesetzgeber verlangt eine verbesserte Kostentransparenz. Somit haben Kunden sämtliche Kosten im Blick, die ihnen beim Kauf oder auch beim Verkauf entstehen. Ferner müssen Berater die Kunden vor dem Kauf eines Finanzprodukts darüber aufklären, wie die entstehenden Kosten die antizipierte Rendite schmälern.

Fazit: MiFID II beinhaltet einige sinnvolle regulatorische Maßnahmen. Ob aber das Ziel der Richtlinie – eine bessere Beratung der Kunden – erreicht wird, das muss sich in der Praxis erst noch zeigen.

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