Kommentar | 15.12.2017

Folgen der MiFID-II-Umsetzung für Anleger

Ab Januar 2018 gilt die sogenannte MiFID-II-Richtlinie. Die deutsche Finanzaufsicht setzt große Hoffnungen in die umfassenden Änderungen.

Im Interesse des Anlegerschutzes soll vieles transparenter und verständlicher werden. Insbesondere bei den Kosten und der Dokumentation. Während die Banken den großen Aufwand der Umsetzung beklagen, sind die Aufseher von ihren neuen Eingriffsmöglichkeiten begeistert. Unabhängig von diesem Diskurs stellt sich für die Anleger die Frage, welche Konsequenzen sich aus den neuen Regeln ableiten lassen.

1. Ausführliche Beratungsdokumentation
Künftig wird der Kunde bei jedem Beratungstermin detaillierte Produkt- und Kosteninformationen zu seiner Beratungsdokumentation erhalten. Ferner noch quartalsweise eine Depotübersicht, welche die Umsätze und Bestände auflistet. In diesem Zusammenhang sind die Finanzinstitute verpflichtet, ebenfalls alle drei Monate ausführlich über die Entwicklung der Anlageprodukte im Depot des Kunden zu informieren.

2. Aufzeichnung und Archivierung von Telefongesprächen
Künftig besteht die Pflicht, Telefongespräche im Rahmen der Anlageberatung aufzuzeichnen. Die Mitschnitte müssen die Institute dann fünf Jahre vorhalten, wobei sich die Frist auf Wunsch der Aufsicht um weitere zwei Jahre verlängern kann. Möchte ein Kunde das nicht, muss er sich in der Filiale beraten lassen. Dort ist dann in diesem Fall ein schriftlicher Vermerk über den Gesprächsverlauf zu hinterlegen, wenn das Gespräch in einen Wertpapierauftrag mündet.

3. Geeignetheitserklärung
Eine Neuerung ist die sogenannte Geeignetheitserklärung. Sie löst das 2010 in Deutschland eingeführte Beratungsprotokoll ab und wird den Kunden im Anschluss an das Beratungsgespräch ausgehändigt. Ein wesentlicher Punkt dabei ist, dass das empfohlene Anlageprodukt zur Risikotoleranz und Verlusttragfähigkeit des Kunden sowie zu seinen Wertpapierkenntnissen und -erfahrungen passen muss (Stichwort „Zielmarkt“). Andere Geldanlagen wie etwa Tages- oder Festgeld unterliegen weiterhin nicht dieser Protokollierungspflicht.

4. Kostenausweis/Provisionen
Der Gesetzgeber verlangt eine verbesserte Kostentransparenz. Somit haben Kunden sämtliche Kosten im Blick, die ihnen beim Kauf oder auch beim Verkauf entstehen. Ferner müssen Berater die Kunden vor dem Kauf eines Finanzprodukts darüber aufklären, wie die entstehenden Kosten die antizipierte Rendite schmälern.

Fazit: MiFID II beinhaltet einige sinnvolle regulatorische Maßnahmen. Ob aber das Ziel der Richtlinie – eine bessere Beratung der Kunden – erreicht wird, das muss sich in der Praxis erst noch zeigen.

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