Zertifikat statt Aktie | 15.12.2017

Der etwas andere Jahresrückblick

Viele Anleger wollen wissen, wie sich die bei Z statt A ausgewählten Zertifikate in diesem Jahr geschlagen haben. Für eine ausgereifte Zertifikatebewertung lohnt es sich, etwas länger in den Rückspiegel zu schauen – die etwas andere Rückschau.

So ruhig wie dieses Jahr war es schon lange nicht mehr an der Börse. Kaum Korrekturen und immer neue Rekordstände an den internationalen Aktienmärkten. 2017 war aber auch ein Jahr der besonderen Höchstleistungen. So korrigierte der breite US-Leitindex S&P 500 seit etwas mehr als einem Jahr um nicht mehr als drei Prozent und knackte damit die alte Bestmarke aus dem Jahr 1994/1995. Verantwortlich für diese Entwicklung ist eine robuste Weltwirtschaft, in der zahlreiche Unternehmen auch immer neue Rekordgewinne erzielen. Der globale Index der Gewinnerwartungen von Factset ist zuletzt nah an das Rekordhoch gestiegen und untermauert den weltweit synchronen Aufschwung von Wirtschaft und Unternehmen.

Blick zurück

Die Entwicklung für das Jahr 2017 zeichnete sich bereits Mitte/Ende 2016 ab als die Börsen sich nach der Korrektur Anfang des Jahres deutlich erholt haben – trotz des überraschenden Ausgangs bei der Brexit-Abstimmung und der US-Wahl. Die X-press-Redaktion gibt daher einen etwas anderen Rückblick auf bei „Z statt A“ vorgestellten Produkte, der sich an der Börsenentwicklung seit September 2016 orientiert, anstatt am Kalenderjahr.

Der Dax mit seinen zahlreichen exportlastigen Unternehmen konnte nämlich schon länger vom globalen Aufschwung profitieren. Nur ganz wenige Aktien verloren in dieser Zeit deutlich.

Auch Technologieaktien waren in dieser Zeit wieder gefragt – und zwar nicht nur US-Titel, auch die europäischen und deutschen Tech-Firmen. Einer der besseren Aktien war SAP, die vor allem vom Cloud-Geschäft profitierte. Die Ergebnismarge lag zuletzt mit knapp 30 Prozent auf unverändert hohem Niveau und die Auftragsbücher, ließ das Management verlauten, sind prall gefüllt. Das im September 2016 vorgestellte Outperformance-Zertifikat hat sich entsprechend entwickelt und fast 30 Prozent zulegen können. Die Aktie schaffte im gleichen Zeitraum nur ein Plus von etwa 20 Prozent. Mit einem Outperformance-Zertifikat nehmen Anleger ab einer bestimmten Schwelle, dem Basispreis, überproportional an einem Kursanstieg im Basiswert teil. Fällt die Aktie unter den Basispreis, partizipiert der Anleger 1:1 an der Wertentwicklung, die dann auch negativ ausfallen kann.

Zertifikat statt Aktie - Rückblick

Positive Entwicklungen

Erfreulich war auch die Entwicklung bei der Aktienanleihe Plus auf die Münchener Rück aus dem Oktober-Heft 2016. Die Barriere wurde während der Laufzeit nicht verletzt, so dass Anleger zum Laufzeitende im Dezember 2017 die volle Rückzahlung des Nominalwertes plus Zinsen von 6,5 Prozent p.a. bekommen haben. Das im November 2016 porträtierte Express-Zertifikat auf BASF war ebenfalls erfolgreich und wurde am 17.08.2017 vorzeitig zu 106,30 Euro zurückgezahlt.

Und die positive Auswahl setzt sich fort: das Bonus-Zertifikat mit Cap auf Continental wurde ebenfalls ohne Barrierebruch zum Höchstbetrag im Februar 2017 zurückgezahlt. Die Rendite bei diesem defensiven Papier in den sieben Monaten betrug rund fünf Prozent.

Auch bei vielen anderen besprochenen Papieren wurde die Barriere bis zum Redaktionsschluss nicht verletzt, sie liegen daher noch gut im Rennen. Ähnlich wie bei den Basiswerten ist das Spektrum der vorgestellten Zertifikatetypen breit gefächert und reicht von Aktienanleihen Plus über Express-, Outperformance- und Bonus-Zertifikate bis zu Discount-Zertifikaten. Nicht immer wurde die Performance des Basiswerts übertroffen, allerdings konnte meist die Höchstauszahlung beziehungsweise eine frühe Rückzahlung oder eine ansprechende Wertentwicklung erreicht werden. Bei stark steigenden Kursen war allerdings die Aktien­performance besser als diejenige des Zertifikats. Ein Beispiel hierfür ist der Online-Händler Amazon, auf den im Juli 2017 ein Discount-Zertifikat (WKN DM4SLW) vorgestellt wurde. Das Papier legte seit der Vorstellung um etwas mehr als drei Prozent zu, während die Aktie um rund 13 Prozent steigen konnte. Das Papier läuft noch bis zum Juni 2018.

Die Verbindung zur Datenquelle konnte nicht hergestellt werden!

Da der Aktienkurs bereits deutlich über dem Cap des ausgewählten Discount-Zertifikats liegt, ist ein Teil der zuvor vorhandenen Maximalperformance bereits ausgereizt.

Aus diesem Grund bietet sich ein Produktwechsel für Anleger an, die weiterhin auf eine stabile Wertentwicklung setzen möchte. Eine Möglichkeit ist das Discount-Zertifikat mit der WKN DM8PMH. Die Laufzeit endet ebenfalls im Juni 2018, der Cap liegt allerdings deutlich über dem des vorherigen Zertifikats, nämlich bei 1150 Dollar.

Notiert die Amazon-Aktie bei Fälligkeit auf oder über dem Cap, erzielen Anleger die Maximalrendite von derzeit 16,4 Prozent jährlich. Schließt die Aktie unterhalb des Caps, verringert sich die Rendite. Verluste entstehen jedoch erst, wenn der Aktienkurs den Kaufpreis des Discountzertifikats unterschreitet. Denn Anleger erwerben die Aktie über das Discountzertifikat mit einem Rabatt, dem Discount. Er beträgt aktuell etwas über 7 Prozent.Da das Zertifikat nicht über eine Währungsabsicherung verfügt, wirken sich Änderungen des Euro/Dollar-Kurses auch auf dessen Wertentwicklung aus. Amazon bleibt trotz des starken Kursanstiegs im zweiten Halbjahr 2017 für diese Produkte ein geeigneter Basiswert. Seit Oktober tendiert die Aktie nämlich überwiegend seitwärts.

Neue Impulse versprechen sich Anleger daher von den vielen Investitionen, die Amazon im vergangenen Jahr getätigt hat. Allerdings muss der Online-Händler nicht nur die Übernahme des Lebensmitteleinzelhändlers Whole Foods verdauen, auch die Investitionen in einen Streaming-Dienst, ins Cloud-Geschäft und in neue Gerätschaften wie Kindle oder Alexa verschlingen Kapital und Ressourcen. Das könnte auf die Gewinnmarge drücken, die in der Vergangenheit ohnehin die Achillesferse des Unternehmens war.

Daher ist auch die Bewertung von Amazon mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von mehr als 140 besonders hoch. Die positive Entwicklung könnte durch die zahlreichen Expansionen des Unternehmens leiden, zumindest wächst die Unsicherheit darüber. Die Aktie könnte, wie zuletzt gesehen, an Dynamik verlieren, auch wenn der Aufwärtstrend weiterhin intakt ist. Dann könnten Discount-Zertifikateanleger den Spieß umdrehen und ihr Papier eine Outperformance gegenüber der Aktie in den nächsten Monaten erzielen.

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