Titelthema | 25.06.2018

30 Jahre Dax: Wie 30 Aktien in drei Jahrzehnten die Märkte verändert haben

Der Deutsche Aktienindex Dax ist die Erfolgsgeschichte der Kapitalmärkte in den letzten 30 Jahren. Seit seinem Start am 1. Juli 1988 steht den Kapitalmarktteilnehmern ein verlässlicher Maßstab für die deutsche Wirtschaft zur Verfügung; noch dazu einer, der seinen Wert inzwischen mehr als verzehnfacht hat. X-press blickt zurück auf 30 Jahre Dax-Geschichte.

DAX SPEZIAL - 30 Jahre Dax

Selbst für nur am Rande am aktuellen Börsengeschehen Interessierte ist die Zeit vor dem Dax wohl nur noch schwer vorstellbar – und doch gibt es ihn erst seit dem 1. Juli 1988. Dabei ist die Idee, die Wertentwicklung mehrerer Unternehmensaktien in einem Index zusammenzufassen, um so die Entwicklung ganzer Märkte abbilden zu können, keine neue – der Dow Jones besteht immerhin bereits seit 1884. Und der Dax ist nicht einmal der älteste deutsche Aktienindex, aber mit riesigem Abstand das erfolgreichste hiesige Börsenbarometer.

Als der Deutsche Aktienindex, der damals noch „DAI“ abgekürzt wurde, am 1. Juli 1988 das Licht der Börsenwelt erblickte, sah diese deutlich anders aus als heute: Die Frankfurter Wertpapierbörse war nur zwei Stunden am Tag geöffnet (von 11.30 bis 13.30 Uhr), wer informiert sein wollte, musste in den Tageszeitungen seitenlange Kurslisten mit den Werten vom Vortag studieren, Unternehmensmeldungen wurden nicht im Internet, sondern in Börsenpflichtblättern veröffentlicht und die erste Fernsehsendung, die sich ausschließlich mit dem Geschehen auf den Aktienmärkten befasste, die „Telebörse“ auf Sat.1, war erst wenige Monate alt. Der Handel erfolgte damals noch direkt auf dem Parkett, Orders wurden auf Zettel notiert, für den Index der „Börsen-Zeitung“ wurde lediglich alle 30 Minuten ein Kurs gestellt, der F.A.Z.-Index gar nur einmal täglich berechnet und die modernste Form elektronischer Kommunikation war der Bildschirmtext. Durch leistungsfähigere Computer konnten Kurse bald deutlich schneller und zuverlässiger gestellt werden. Damit waren die Voraussetzungen für einen effizienten Aktienindex geschaffen.

Dank zahlreicher Publikationen und öffentlicher Auftritte von Börsen-„Gurus“ wie André Kostolany war in den 1980er-Jahren zudem die Aufmerksamkeit für das Thema Börse gestiegen. Auch aus einem anderen, wenn auch weniger erfreulichen Grund war das Börsengeschehen stärker ins öffentliche Interesse gerückt: Am 19. Oktober 1987, dem „schwarzen Montag“, war es zum ersten ernsthaften Börsencrash der Nachkriegszeit gekommen. Auslöser war ein Kurssturz von 22,6 Prozent an der Wall Street, der weltweit die Kurse purzeln und praktisch alle wichtigen Indizes an einem einzigen Tag bis zu 45 Prozent in die Tiefe rauschen ließ.

DIVERSE ZERTIFIKATE AUF DIE DAX-FAMILIE

WKN Name Brief Cap Laufzeit
DE04YH DAX Index Zertifikat (Klass.) 128,52 EUR 0,00 17.12.2020
DE04XZ MDAX Index Zertifikat (Klass.) 27,00 EUR 0,00 17.12.2020
DM5DAX DAX (Net Return) X-pert Zertifikat 116,58 EUR 0,00 Open End
DE04X6 TecDAX Index Zertifikat (Klass.) 28,90 EUR 0,00 17.12.2020
DE04YD SDAX Index Zertifikat (Klass.) 12,56 EUR 0,00 17.12.2020
DM8W89 DAX Discount-Zertifikat 119,88 EUR 12650,00 21.06.2019
DS22ZY MDAX Discount-Zertifikat 24,93 EUR 26250,00 20.09.2019
Stand 19.07.2018 03:57:28 Quelle: Deutsche Bank AG

Was ist der Dax?
Als Blue-Chip-Index bildet der Dax die Wertentwicklung der 30 größten deutschen börsennotierten Aktiengesellschaften ab. Er ist nur Unternehmen zugänglich, die dem anspruchvollsten Segment der Frankfurter Börse, dem Prime Standard, angehören. Dieses stellt besonders hohe Transparenzanforderungen. Dax-Titel müssen über ausreichende Marktliquidität und einen Streubesitzanteil von mindestens 15 Prozent verfügen. Die 30 Unternehmen decken ein breites Branchenspektrum ab und repräsentieren etwa 80 Prozent der Marktkapitalisierung des Prime Standards. Dadurch ist der Dax ein effektives Abbild der deutschen Wirtschaft, an dem sich allgemeine Trends gut ablesen lassen. Anders als viele internationale Leitindizes ist der Dax ein Performanceindex, bei dem Dividenden- und andere Zahlungen in die Berechnung einfließen. Die in ihm enthaltenen Aktien werden nach der Marktkapitalisierung ihres Streubesitzanteils gewichtet, das maximale Gewicht eines Titels ist auf 10 Prozent begrenzt. Viermal jährlich wird die Zusammensetzung des Index überprüft und gegebenenfalls angepasst. Der Dax ist ein außerordentlich beliebter Basiswert für Anlageprodukte.

vom dax zur Dax-Familie

Gestartet war der Dax auf einer Basis von 1000 Punkten bereits zum 30. Dezember 1987, am 1. Juli 1988 war er dann handelbar. Historische Rückrechnungen existieren bis ins Jahr 1959. Der Erfolg des Dax ließ schnell die Idee einer Übertragung des Konzeptes aufkommen: Seit dem 19. Januar 1996 gibt es daher den MDax, der die 50 nächstgrößeren Unternehmen enthält (Mid Caps), am 21. Juni 1999 kam dann der SDax mit den 50 nach Marktkapitalisierung dem MDax folgenden Aktiengesellschaften hinzu (Small Caps). Mit Einführung des Technologieindex TecDax am 24. März 2003 war die Dax-Kernfamilie, wie sie den meisten Anlegern heute bekannt ist, komplett. Trotz ihrer späteren Auflegung beruhen auch die Dax-Töchter auf einem Startwert von 1000 Punkten am 30. Dezember 1987 – einzige Ausnahme ist hier der TecDax (30. Dezember 1997).

Inzwischen besteht die erweiterte Dax-Familie aus über 900 Indizes. Sie adaptieren die Dax-Methodik auf Branchen, Themen oder Anlagekonzepte oder bieten Berechnungsvarianten der bestehenden Indizes wie die Net-Return-Varianten von Dax, MDax, SDax und TecDax. Bei diesen Ende 2016 eingeführten Indizes fließen Dividenden- und Bonuszahlungen nicht vollständig, sondern nur mit ihrem Netto-Wert, d.h. unter Abzug der Kapitalertragssteuer und des Solidaritätszuschlags, in die Berechnung ein.

Damit verfügen Anleger heute über eine breite Auswahl an Dax-Indizes. Sie eint der gemeinsame Stammvater Dax. Über X-markets-Zertifikate sind die wichtigsten von ihnen auch Privatanlegern zugänglich. Wenn das kein Erfolg ist.

  

Der Dax setzt Maßstäbe
1988 bis 1998

Als die FAZ am 24. Juni 1988 berichtete, dass ab dem 1. Juli ein „Deutscher Aktienindex“ berechnet werde, ahnten wohl nur die wenigsten Leser, dass damit ein deutscher Index geschaffen werden würde, der Privatanlegern wie professionellen Investoren einen verlässlichen Maßstab für die Wertentwicklung einzelner Anlagen oder eines gesamten Portfolios sowie den Vergleich mit internationalen Märkten bietet. Mit dem ersten Schlusskurs am 1. Juli 1988 bei 1163 Punkten war jedoch das erste Wort der Dax-Erfolgsstory geschrieben.

Die Startvoraussetzungen waren durchaus günstig: Das Wirtschaftswachstum betrug 3,4 Prozent – der höchste Wert seit knapp einem Jahrzehnt –, die Preise waren stabil. Das Wachstum bei Investitionen (6,6 Prozent) und Export (5,1 Prozent) übertraf die Erwartungen der Institute deutlich, mit 8,7 Prozent war die Arbeitslosenquote niedriger als in den Vorjahren.

Ein Thema auf dem Parkett im Startjahr des Dax war das Softwareunternehmen SAP, das zum Börsengang am 4. November 1988 mit dem Sechsfachen des Umsatzes bewertet wurde. Was damals teuer erschien, hat sich im Nachhinein nachgerade als Schnäppchen herausgestellt – aktuell ist SAP die Nummer eins im Dax, was die Gewichtung betrifft, und aus den 92 Cent, die eine SAP-Aktie zum Börsengang kostete, sind inzwischen fast 100 Euro geworden.

Insgesamt waren Unternehmen aus der Elektronik- und Softwareindustrie jedoch nicht besonders stark vertreten: Es dominierten die traditionell bedeutenden Industrien (West-)Deutschlands: Maschinenbau, Verkehr, Logistik sowie Chemie, Pharma, Bio- und Medizintechnik, auf die rund 50 Prozent der Indexgewichtung entfiel. Die Finanzbranche war mit 5 Unternehmen und fast 25 Prozent deutlich stärker gewichtet als heute (s. Seite 14).

Als in den USA Ende der Achtzigerjahre die Zahl fremdfinanzierter Unternehmensübernahmen zunahm, stieg auch das Risiko, dass die Firmen im Fall einer Rezession ihre Kredite nicht mehr bedienen könnten. Nachdem die Übernahmewelle ins Stocken geraten waren und etliche Kapitalmarktteilnehmer ihre Liquiditätsengpässe durch Aktienverkäufe zu überbrücken versuchten, zog es auch den jungen Dax nach unten. Am 16. Oktober 1989 sackte der Index um 12,81 Prozent ab – bis heute der größte Tagesverlust. Der Tumult auf dem Parkett war so groß, dass der erste Kurs des Dax erst nach 12 Uhr gestellt werden konnte – die Aufregung währte jedoch nur kurz, denn bereits am nächsten Tag legte der Index 90 Punkte zu.

Vom bedeutendsten historischen Ereignis der Nachkriegszeit, dem Fall der Mauer am 9. November 1989, zeigte sich der Dax dagegen völlig unbeeindruckt: Am 10. November stieg er gerade einmal um ein müdes Viertelprozent.

Anfang 1990 scheiterte dann der Versuch, die 2000er-Marke zu überspringen. Als Mitte des Jahres das erste Index-Zertifikat auf den Dax begeben wurde, kam dies einer Revolution gleich: Privatanleger haben seitdem die Möglichkeit, die Entwicklung des Dax effizient in ihrem Portfolio abzubilden.

Die guten Geschäfte, die westdeutsche Unternehmen in der ehemaligen DDR machten, spiegelten sich dagegen kaum im Indexverlauf wider: Am ersten Handelstag im wiedervereinten Deutschland schloss der Dax im Minus und Anfang 1991 sogar unter seiner Erstnotierung. Nachdem in den ersten sieben Jahren nur zwei Mitglieder ausgetauscht worden waren, stiegen dann zunächst SAP (1995) und ein Jahr später die Münchener Rückversicherung sowie Metro und die Telekom in den Club der 30 auf. Auch die Marken von 3000 und 4000 Punkten erwiesen sich als nicht mehr unüberwindlich. 1996 wurde der Mid-Cap-Index MDax eingeführt.

Die Asienkrise der Jahre 1997/98 steckte der Dax ziemlich gelassen weg. Stattdessen trafen die Euphorie um die New Economy mit ihren internetbasierten Dienstleistungen, sagenhaften Gewinnerwartungen und zahlreichen Firmengründungen sowie die Börsengänge etablierter Unternehmen auf eine positive Resonanz der Anleger. Und auch wenn die Kurse nicht immer nur nach oben zeigten: Nach zehn Jahren hatte der Dax seinen Wert verfünffacht und notierte bei 5880 Punkten.

Ein Börsengang wie kein Börsengang
Neben Anzeigenkampagnen auch Plakate und Fernsehwerbung zur besten Sendezeit – das hatte es vor dem IPO der Telekom noch nie gegeben. Das Trommeln von TV-Star Manfred Krug hatte Erfolg: 13 Milliarden Euro erbrachte die fünffach überzeichnete Emission – bis heute der größte Börsengang der Dax-Geschichte. Fast 2 Millionen Kleinaktionäre legten sich das Papier ins Portfolio. Das stieg von 14,57 Euro am 18. November 1996 auf über 100 Euro im März 2000 – und verlor danach den Anschluss. Aktuell notiert die T-Aktie unter Emissionsniveau.

Telekom

Der Dax etabliert sich
1998 bis 2008

Trotz aller Umwälzungen und Rückschläge waren die ersten zehn Jahre mit einem Dax-Wachstum von 405 Prozent erfolgreich. Das nächste Jahrzehnt sollte deutlich aufregender werden und der Dax größere Ausschläge aufweisen. Zunächst jedoch setzte sich die Börseneuphorie der Neunzigerjahre fort und die Unternehmen strömten an die Kapitalmärkte.

Auch im Dax gab es viel Bewegung: Nachdem kurz zuvor Adidas-Salomon (später Adidas) in den Dax aufgestiegen war, gab der nur ein Jahr zuvor gegründete Elektronikkomponentenhersteller Epcos ein kurzes Gastspiel, aus Daimler-Benz wurde DaimlerChrysler, mit Fresenius Medical Care und thyssenkrupp rückten kurz vor der Jahrtausendwende zwei Unternehmen in den Index, die bis heute in ihm vertreten sind.

1999 erfolgte dann die Umstellung von Deutscher Mark auf den Euro. Zudem wird der Dax seitdem auf Basis der Daten der elektronischen Handelsplattform Xetra berechnet, die inzwischen einen Marktanteil von 90 Prozent erreicht hat. Im gleichen Jahr erhielt der Dax erneut Nachwuchs: Der Small-Cap-Index SDax erblickte das Licht der Börsenwelt; er umfasste zunächst 100 Unternehmen. Mit Dax, MDax und SDax war ein System aufeinander aufbauender Indizes geschaffen, das durch kompatible Kriterien und Auf- und Abstieg Anlegern und Kapitalmarktteilbehmern eine bislang nicht gekannte Orientierung bot.

Die Jahrtausendwende überstand der Dax unbeschadet. Der von manchen befürchtete Zusammenbruch der Computersysteme durch den Millennium-Bug fand nicht statt. Stattdessen stürmte der Index im März 2000 auf über 8000 Punkte – einen Wert, den er erst sieben Jahre später erneut erreichen sollte. Im Jahr darauf zog mit der Deutschen Post eine weitere weithin bekannte Marke in den Index ein, den sie seitdem nicht wieder verlassen hat. Weichen musste dafür ebenfalls ein großer Name: der Handelskonzern KarstadtQuelle.

Die Terroranschläge am 11. September 2001 trafen auch den Dax, der an diesem Tag um 400 Punkte auf 4273 Zähler in die Tiefe rauschte. Zwar erholte er sich bereits im Oktober von den Verlusten, doch folgte mit 2002 das schlechteste Dax-Jahr der Geschichte: Der Index schloss 44 Prozent unter seinem Jahresanfangsstand.

Dax-Wissen

  • Die 30 Unternehmen im Dax decken nicht nur ein breites Spektrum von Branchen ab, sondern repräsentieren auch etwa 80 Prozent der Marktkapitalisierung deutscher Unternehmen.
  • Um im Dax vertreten zu sein, muss eine Aktie einen Freiverkehrsanteil von 10 Prozent aufweisen und über eine gewisse Liquidität verfügen.
  • Seit dem 1. Januar 2006 wird der Dax im Sekundentakt berechnet.
  • An 21. Juli 1999 wurde die Gewichtung eines Unternehmens auf 15 Prozent begrenzt, seit 1. Juli 2006 beträgt die maximale Gewichtung 10 Prozent. Damit wird vermieden, dass der Index von einigen wenigen Titeln dominiert wird. Die Gewichtung erfolgt anhand der Marktkapitalisierung der Aktien in Streubesitz.
  • Insgesamt 59 Unternehmen waren bislang im Dax vertreten.
  • Der Dax wird an Börsenhandelstagen von 9.00 bis 17.45 Uhr berechnet.

 

Nachdem das 1997 eingeführte Börsensegment „Neuer Markt“ und der Nemax-Index drei Jahre lang von Höchststand zu Höchststand geeilt waren, kam nach der Jahrtausendwende ein ebenso schneller wie heftiger Abstieg: Statt mit neuen Technologien, zukunftsfähigen Produkten und innovativen Geschäftsmodellen hatten viele Unternehmen vor allem mit überzogenen Erwartungen und allzu rosigen Aussichten gehandelt. Im Oktober 2002 zeigte sich schließlich, dass man mit Erwartungen keine Rechnungen bezahlen kann: Von den 9666 Punkten des Nemax im Jahr 2000 waren nur noch 318 übrig – die Deutsche Börse zog die Notbremse und schloss das Segment. Von den damals im Neuen Markt notierten Unternehmen überlebten das nur wenige. Auch der Dax litt schließlich unter dem Platzen der Dotcom-Blase und schloss am 12. März 2003 bei 2202 Punkten – damit hatte er in nur drei Jahren um 72 Prozent nachgegeben.

Fast so schnell, wie er gesunken war, erholte sich der Dax jedoch wieder: In den Jahren 2005 bis 2007 legte der Leitindex pro Jahr jeweils mindestens 1000 Punkte zu und erreichte im Juli 2007 mit 8151 Punkten einen neuen Höchststand.

Zu den Unternehmen, die zu dieser Aufwärtsentwicklung beitrugen, gehörten seit Ende 2002 auch die Dax-Betreiberin Deutsche Börse, seit September 2006 die Postbank sowie ab Juni des darauffolgenden Jahres der Darmstädter Chemiekonzern Merck, der sich, anders als die Postbank, bis heute im Index halten konnte.

Gerade im zweiten Jahrzehnt seines Bestehens hat sich der Dax trotz aller gelegentlichen Rückschläge zu einem der führenden Aktienindizes der Welt entwickelt. Als Basiswert und auch als wichtiger Vergleichsmaßstab für eine zunehmende Anzahl von Zertifikaten, Anleihen und anderen Finanzprodukten ist er für Privatanleger wie für institu­tionelle Investoren unentbehrlich geworden.

Krisen und Rekorde
2008 bis 2018

Das dritte Jahrzehnt des Dax war von Krisen, aber auch von einem Aufstieg in bisher nicht gekannte Höhen geprägt. Wie alle anderen Indizes weltweit geriet auch der Dax 2008 in den Sog der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Von seinem Höchststand bei 8151 Punkten im Sommer 2007 war der Index im Jahresverlauf bereits zurückgekommen, als Lehman Brothers am 15. September 2008 Insolvenz anmeldete. Der Dax reagierte mit einem deutlichen, dennoch vergleichsweise moderaten Tagesverlust von 2,74 Prozent. Nachdem bekannt wurde, dass der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate vor der Insolvenz stand, verlor das ohnehin krisengeschüttelte Papier tags darauf zwischenzeitlich 75 Prozent seines Wertes – der größte Tagesverlust eines Dax-Unternehmens. Wenige Monate später endete das Abenteuer Dax für die Bank. Überraschenderweise fällt auch der größte Tagesgewinn des Dax in diese Zeit: Am 13. Oktober stand ein beeindruckendes Plus von 11,4 Prozent zu Buche. Allerdings hatte der Index in den Tagen davor auch mehr als 20 Prozent verloren.

Ein beherrschendes Thema des Jahres war der öffentlich geführte Machtkampf der beiden Cousins Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch um die Vorherrschaft bei Volkswagen. Der deutlich kleinere Sportwagenbauer aus Zuffenhausen hatte in den Jahren zuvor Schritt für Schritt seine Beteiligung am Dax-Mitglied Volkswagen ausgebaut und den Vorstand um Konzernchef Wiedeking ermächtigt, eine Mehrheit an Deutschlands größtem Autohersteller zu erwerben. Das Vorhaben scheiterte schließlich an der Finanzierung und Volkswagen übernahm Porsche 2012 komplett. Im gleichen Jahr kehrte Automobilzulieferer Continental nach vierjähriger Abwesenheit wieder in den Dax zurück.

2008: Finanzkrise

Aufgrund steigender Immobilienpreise in den USA hatten Hypothekenbanken zunehmend auf Sicherheiten verzichtet und sogenannte Subprime-Kredite vergeben. Als die Preise sanken und Kredite nicht mehr bedient werden konnten, gerieten immer mehr Institute in Schieflage, darunter auch die IKB Deutsche Industriebank in Deutschland.

Die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 ist zum Symbol für eine Finanzkrise geworden, die die Märkte weltweit in einen Abwärtsstrudel zog. Es sollte lange daueren, bis sie sich wieder erholten.

Wall Street

 

Als Anfang März 2009 der Index im Tagesverlauf unter 6000 Punkte sank, war die Talsohle erreicht. Marschierten bis dahin Dax und Euro Stoxx 50 noch häufig im Gleichschritt, hat der deutsche Leitindex sein Pendant aus der Eurozone seitdem deutlich abgehängt. In den folgenden neun Jahren hat der Dax seinen Wert mehr als verdoppelt, während der Euro Stoxx 50 zwar prozentual ähnlich zulegte, aktuell aber unter seinem Stand vom Sommer 2008 notiert.

Der Turnaround, der dem Dax in den vergangenen fast zehn Jahren gelungen ist, ist umso bemerkenswerter, als es an Krisen und Belastungen nicht gefehlt hat: Ob die Eurokrise durch überschuldete Staatshaushalte in Ländern der EU ab 2010, die Katastrophe von Fukushima 2011 oder der Skandal um manipulierte Abgasdaten in der Automobilindustrie 2015 – sie haben den Dax und seine Unternehmen belastet, seinen Aufwärtstrend der letzten Jahre aber nicht nachhaltig behindern können. Am 23. Januar 2018 notierte er mit 13 559 Punkten auf seinem bislang höchsten Schlussstand.

 

Top-3-Branchen im DAX 2008

 

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Aufgrund seines durchschnittlichen Wachstums von 7,5 Prozent pro Jahr haben in den vergangenen 30 Jahren vor allem langfristig orientierte Anleger vom Dax und seinen Unternehmen profitieren können. Mit einem Stand knapp unter 13 000 Punkten kurz vor seinem Jubiläum präsentiert er sich derzeit in optimaler Form: Seinen jugendlichen Überschwang hat er abgelegt, er ist fest etabliert und genießt bei Privatanlegern wie Börsenprofis weltweit außerordentlich hohe Anerkennung.

Das Fazit nach 30 Jahren Indexgeschichte lautet daher für die meisten Anleger wohl: Die Ü30-Party kann kommen! Alle Dax-Produkte von X-markets finden sich auf www.xmarkets.de.

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