Kunstwelten | 24.05.2018

Melbourne – Australiens Kunstwerk

Melbourne ist Australiens Tor zur reichen Kunstszene des Landes. Die Hauptstadt des Bundesstaates Victoria wurde bereits zum fünften Mal in Folge zur „lebenswertesten“ Stadt der Welt gewählt. Das Kulturangebot ist ein wichtiger Faktor für die Beliebtheit der Stadt. Aber auch der Bundesstaat Victoria hat für Kunstliebhaber viel zu bieten.

Die Verbindung aus modern-kühner Architektur, historischen Bauwerken und Kirchenbauten, begrünter Innenstadt und sonnigen Stränden macht die australische Metropole Melbourne zu einem eigenen städtebaulichen Kunstwerk. Kein Wunder also, dass in diesem Schmelztiegel der Kulturen und in diesem speziellen innerstädtischen Flair auch eine großartige Kunstszene gedeihen konnte. Die geballte Strahlkraft von Melbournes Kulturleben fand 2002 am Federation Square ihre Heimat: Unterhaltung, Kunst und Kultur mit unterschiedlichsten Zugängen harmonieren in diesem Megakomplex und sind ein wichtiger Grund dafür, dass Melbourne bereits zum fünften Mal in Folge von dem britischen Magazin „The Economist “ der Titel „Lebenswerteste Stadt der Welt“ verliehen wurde. Die Kunstwelt des Landes und der Stadt Melbourne hat hier ihr zentrales Schaufenster. Und das Ian Potter Centre: NGV Victoria ist das Herzstück des Kulturdistriktes der Stadt, es präsentiert Kunst von den Aborigenes bis zur Gegenwart. Über 20 000 Werke sind hier zu sehen – eine einzigartige kulturelle Reise von der Kolonialzeit bis zur zeitgenössischen Malerei, zu Fotografie und Druck. Die NGV ist eigentlich der optimale Einstieg in die bunte Kunstwelt Australiens und eine besondere Art, diesen riesigen Kontinent durch die Augen seiner Künstler zu entdecken. Zum Beispiel durch die von Max Dupain, der mit seinen Schwarzweißfotografien in den 193ger Jahren die Bedeutung der Sonne für Australien und seine Menschen thematisierte.

Den Kunstdistrikt Melbournes erschließt man am besten zu Fuß und die Impressionen, die sich dem Spaziergänger rund um den Federation Square bieten, sind nicht nur wegen ihrer Gegensätze überwältigend: So spiegelt sich die neogotische Kathedrale St. Patrick’s in den gläsernen Fassaden des Business Districts wider. Die Southbank Esplanade verbindet charmant Kunst- und Geschäftswelt und im Fußgängertunnel Campbell Parade zeigt die Vereinigung „Artist Group“ ihre neuesten Werke. In den engen Gassen der Stadt leuchten Lichtinstallationen, tönen Klangkörper, strahlen Wandmalereien, an Hochhausfassaden sind Kunstwerke zu bestaunen – und einst düstere Viertel wurden durch spektakuläre Graffiti zu Touristenhotspots. Der Kunst wurde in Melbourne von der Stadtverwaltung bereitwillig Raum gewährt – und das gilt eben auch für kunstvolle Graffiti. Sie haben die Street-Art Melbournes zu einer Weltmarke gemacht, die ständig in Bewegung bleibt, neue Themen und Akzente entdeckt. Und damit auch das Stadtbild selbst verändert. Viele der an Hauswände, Tore und Fassaden gesprayten Bilder stammen von bekannten Künstlern, andere von weniger prominenten jungen Talenten. Street-Art Maps oder spezielle Touren helfen bei der Orientierung und Einordnung. Eine gut moderierte Tour hat neben dem Besuch der besten Graffiti auch den Vorteil, dass man die Hintergründe der Werke und ihrer Künstler erfahren kann, die manchmal genauso spannend wie die Bilder selbst sein können. Die Hosier Lane und die Rutledge Lane gehören jedenfalls zu den faszinierendsten Orten von Melbournes Street-Art-Szene.

Nicht nur australische Künstler haben sich in Melbournes Straßen verewigt, sondern auch die weltweit besten Vertreter der Szene wie Ghost ­Patrol, Rone, Phibs, Lush und viele andere. Zu den berühmtesten gehören die vom britischen Künstler Banksy während einer im Jahr 2003 unternommenen heimlichen Tour durch Melbourne geschaffenen. Von insgesamt neun Banksy-Bildern sind heute aber leider nur noch zwei erhalten, die anderen wurden im Laufe der Jahre zerstört.

Aber nicht nur Melbourne, sondern der Bundesstaat Victoria überhaupt bietet überraschende Kunstwelten. Ein besonderes Schmuckstück kam erst im Oktober letzten Jahres dazu: Nur 90 Minuten von Melbourne entfernt, an der Südostspitze der Halbinsel Mornington, öffnete die australische Milliardärsfamilie Gandel ihr privates Familienresort und ihre Kunstsammlung für die Öffentlichkeit. Bei der Open-Air-Besichtigung von Point Leo Estate lässt sich die Sammlung von John und Pauline Gandel mit Winetasting und Gourmetlunch verbinden. Denn von den insgesamt 135 Hektar Land, die zum Anwesen gehören, werden rund 20 Hektar für den Weinanbau genutzt. Über 50 Outdoor-Skulpturen (u.a. von Anthony Pryor, Tony Cragg oder Augustine Dall‘Ava) gehören zu der Familiensammlung, die sich großzügig über den Park verteilt – im Hintergrund der atemberaubende Blick auf die Küste. Unbedingt sollte man eine der 45- oder 90-minütigen Touren nutzen, um diese faszinierende Kunstwelt unter freiem Himmel zu erkunden.

Ebenfalls in der Landschaft bietet der Silo Art Trail im Westen des Bundesstaates Victoria auf 200 Kilometer Länge einen Kunstgenuss der besonderen Art. Es ist eine Art Roadtrip für Kunstliebhaber, den prominente Straßenkünstler aus Australien und der ganzen Welt im Weizengürtel des Landes entstehen ließen. Aus den riesigen Getreidespeichern machten sie Kunstwerke. Der Brisbaner Straßenkünstler Guido van Helten wurde mit seinem berühmt gewordenen Bild „Farmer Quartet“ auf den Brim-Silos im Jahr 2015 der geistige Urvater des Silo Art Trail. Viele Künstler aus aller Welt folgten seinem Beispiel und entdeckten die Silos als Projektionsfläche für ihre künstlerischen Ideen. Die Route entlang der Getreidespeicher führt inzwischen durch sechs kleine Orte und Städtchen des Bundesstaates. Zu den international bedeutendsten Street-Art-Künstlern, die in Sheep Hills, Brim, Patchewollock, Lascelles und Rupanyup zu sehen sind, gehören zum Beispiel Fintan Magee, Matt Adnate oder Rone. Adnate thematisiert in seinen Arbeiten oft die Aboriginekultur. Und so blicken nun vier riesige indigene Gesichter, verteilt über sechs Silos, wachsam auf das kleine Städtchen. Die russische Künstlerin Julia Volchkova gestaltete in Rupanyup ihr Werk in schwarzweiß. Natürlich hat bei dieser speziellen Kunsttour ein Ausflug mit dem eigenen Wagen seinen ganz besonderen Reiz. Aber auch hier werden organisierte und geführte Touren angeboten.

Zu den exklusivsten Möglichkeiten gehört ein Hubschrauberflug. Die Ausmaße und landschaftlichen Weiten Australiens und die riesigen Kunstwerke, die wie strahlende Leuchttürme herausragen, sind von oben wirklich am besten zu erleben. Eindrucksvolle Schnappschüsse sind dabei jedenfalls garantiert.

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