Titelthema: Vorfahrt Asien | 26.02.2018

Asiatische Autowerte auf Überholspur

Die Länder der unbegrenzten Mög­lichkeiten für die Autobauer der Welt sind nicht mehr die USA, Deutschland schon gar nicht, sondern China und mit Abstrichen der Rest Asiens. Die X-press-Redaktion blickt auf die Mobi­lität von morgen und stellt passende Anlagevehikel vor.

Wurden zur Jahrtausendwende 34,6 Prozent aller Pkw weltweit in den USA verkauft, waren es im Jahr 2017 nur noch 20,2 Prozent. Im Jahr 2025 sollen es gar bloß 16,3 Prozent sein. Ein Rollentausch findet hier statt, denn während in China im Jahr 2000 lediglich 1,2 Prozent aller Pkw-Neuwagen weltweit an ihre Käufer übergeben wurden, stieg der Anteil bis 2017 auf stolze 28,8 Prozent an. Für das Jahr 2025 werden 33,4 Prozent prognostiziert.

China ist also der weltgrößte Automarkt. Unternehmen, die sich behaupten möchten, müssen dort zwangsweise verstärkt wachsen, denn der asiatische Markt ist für viele westliche Konzerne schlicht viel zu groß, um ihn links liegen zu lassen – insbesondere vor dem Hintergrund, dass auch die Zukunft des Autogeschäfts in Asien liegt.

Interview

Asiens Wirtschafts-Motor läuft immer besser

Die gute Verfassung der Wirtschaft Chinas greift mehr und mehr auch auf dessen Anrainerstaaten über. Am Rande der ASEAN-Konferenz 2018 konnte X-press mit Seiner Excellenz Bodo Krüger, dem Präsidenten des Deutsch-Asiatischen Wirtschaftskreises und Honorar-Generalkonsul von Nepal, über die positive Entwicklung in Asien sprechen.

Bodo Krüger

Vielversprechendes Asiengeschäft

Daimler hat diesen Fakt bereits vor geraumer Zeit verstanden. So steht das größte Werk des Stuttgarter Autobauers erstmals in der Firmengeschichte im Ausland und nicht in Deutschland. Im Jahr 2017 liefen mehr als 430  000 Fahrzeuge in der Produktionsstätte in Peking vom Band, im bis dahin produktionsstärksten Werk Bremen waren es im selben Zeitraum rund 420  000 Autos. Insgesamt verkaufte Daimler im vergangenen Jahr zirka 860  000 Fahrzeuge, davon fast die Hälfte in China. Allein dort stieg der Absatz seit Anfang des Jahres um 33 Prozent.

Die westlichen Konzerne nehmen für das große Asiengeschäft vieles in Kauf, gründen Joint-Venture-Partnerschaften, verpflichten sich zu einer Elektroauto-Quote und stimmen Werbeslogans und Markenbotschafter mit den dortigen Regierungen ab.

Zweiter Heimatmarkt

Im vergangenen Jahr haben Daimler, BMW und der Volkswagen-Konzern rund ein Drittel ihrer Fahrzeuge in China verkauft. Vor knapp zehn Jahren war es nur ein Sechstel gewesen. Doch diese Hersteller, die bereits vor einem Jahrzehnt von China als einem zweiten Heimatmarkt sprachen, haben es mit starken Wettbewerbern zu tun, die immer mehr vornehmlich aus Asien kommen. Diese Konkurrenten greifen mit preiswerteren sowie großzügiger ausgestatteten Modellen an und arbeiten mit niedrigeren Kosten als die alteingesessenen Platzhirsche.

Unbekannte Giganten

Neben den allseits bekannten japanischen Automobilherstellern Toyota, Nissan und Mitsubishi rücken nun auch immer mehr chinesische Produzenten in den Fokus der Fahrzeugbranche. Mit einem Discount-Zertifikat von X-markets können Anleger beispielsweise auch in die chinesischen Giganten BYD, Geely und Great Wall Motors (siehe Tabelle gegenüber) investieren. Ein Blick könnte sich lohnen, da Discount-Zertifikate durch den Rabatt, den sie im Vergleich zu einem Direktkauf des Basiswerts, in diesem Fall der Aktie, aufweisen, als besonders attraktiv gelten. Daneben eignet sich diese Geldanlage besonders bei seitwärts tendierenden Märkten. Aber auch Kursrückgänge des Basiswerts schlagen beim Discount-Zertifikat weniger stark durch als bei einem Direktinvestment.


Dr. Ulrich Stephan

Kommentar

Von den jüngsten Börsenturbulenzen ist auch Japan nicht verschont geblieben. Die Aktienkurse gerieten zeitweise erheblich unter Druck, konnten sich zuletzt aber wieder etwas erholen.

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China geht voran

Doch woher kommt die Nervosität von Mercedes, BMW, Audi und Co. gegenüber den neuen Teilnehmern im Markt? Wie kein anderes Land fördert China die Elektromobilität. Mit Subventionen und Quoten soll das Stromauto zum Massenprodukt werden. Damit diktiert die Regierung in Peking auch dem Rest der Welt den Technologiepfad in die Mobilität von morgen.

„Die meisten in Asien aktiven Autohersteller haben mittlerweile den Fokus auf die Produktion von Elektroautos gelegt. Gleichzeitig steigt auch die Zahl von Elektrobussen und anderen E-Nutzfahrzeugen, weil die Regierungen die alten Dieselfahrzeuge von den Straßen verdammen möchten und daher auch Druck auf kommunale Verkehrsunternehmen ausüben“, sagt Dr. Oliver Massmann, Experte von Duane Morris für Vietnam und Myanmar.

Als Pionier im Feld der Elektrifizierung und weltgrößter Absatzmarkt für Elektroautos hat China die Elektromobilität schon sehr früh aktiv unterstützt. Da chinesische Firmen die Batterietechnik aus der Konsumgüterindustrie beherrschen, soll die neue Wertschöpfung rund um die Elektromobilität komplett im Land verankert werden. Dazu findet eine konsequente Subventionierung der eigenen Industrie statt. Dies ist eine große Chance für chinesische Hersteller im Autogeschäft.

„In keinem anderen Land der Welt kommen jeden Monat so viele neue Elektroautos auf die Straßen. Schon jetzt ist China das Maß aller Dinge in der Elektromobilität. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren weiter fortsetzen und insbesondere durch die Elektroquoten kräftiger voranschreiten als in anderen Ländern“, erklärt Bodo Krüger, Präsident des Deutsch-Asiatischen Wirtschaftskreises e.V. und Honorar-Generalkonsul von Nepal (mehr dazu im Interview).

Ausgewählte Discount-Zertifikate

WKN Name Brief Cap Laufzeit Quanto
DS1DYH Geely Automobile Holdings Discount-Zertifikat 1,63 22,00 25.06.2019
DS1DY8 Great Wall Motor Company Discount-Zertifikat 0,49 9,50 25.06.2019
DS1DXT Byd Company Ltd H Discount-Zertifikat 4,77 75,00 19.12.2018
DS1DZP Mitsubishi Corp. Discount-Zertifikat 23,14 3200,00 12.06.2019
DS1DZZ Nissan Motor Co. Ltd. Discount-Zertifikat 7,82 1150,00 12.06.2019
DS1DZE Toyota Motor Corp. Discount-Zertifikat 51,47 7500,00 12.06.2019
Stand 16.08.2018 12:06:30 Quelle: Deutsche Bank AG
Größte Elektroauto-Hersteller nach Absatz-Stückzahl 2017

Baue deine Träume

Laut China Daily, der größten englischsprachigen Tageszeitung in der Volksrepublik, sind in China derzeit mehr als 200 Firmen mit der Produktion von Elektroautos beschäftigt. Zu den wichtigsten und bekanntesten zählt „Build Your Dreams“, kurz BYD. Das im Februar 1995 gegründete Unternehmen aus Shenzhen ist der weltweit größte Produzent von wiederaufladbaren Akkumulatoren, insbesondere für Mobiltelefone. Anfang 2003 stieg der Konzern mit dem Kauf der angeschlagenen Xian Qinhuan Automobile in das Automobilgeschäft ein. Er setzte von Beginn an auf Eigenentwicklungen. 2010, in dem Jahr, als BYD vom Wirtschaftsmagazin Bloomberg Businessweek zum leistungsfähigsten Technologie-Unternehmen der Welt gewählt wurde, konnten bereits über 500 000 Fahrzeuge produziert werden. Heute gehört BYD zu den größten Automobilproduzenten Chinas. Zunehmend gelingt den Shenzhenern auch die Vermarktung ihrer Produkte in der Europäischen Union; so zum Beispiel die Einrichtung des ersten ausschließlich mit Batteriebussen betriebenen Liniendienstes in Europa oder die Ausstattung der Taxiflotte der belgischen Hauptstadt Brüssel mit Elektrofahrzeugen.

Absatz von Elektroautos und Plug-in-Hybrid-Automobilen  in ausgewählten Märkten 2017

Auf Wachstumskurs

Im Jahr 2010 gründete BYD auch ein Joint Venture mit der Daimler AG unter dem Namen Shenzhen BYD Daimler New Technology Company. Das Gemeinschaftsunternehmen entwickelte ein rein batterieelektrisches Fahrzeug unter dem Markennamen Denza. Die Vermarktung begann Ende 2014. Im gleichen Jahr wurde übrigens auch ein eigenes Montagewerk für den Batteriebus BYD ebus in Kalifornien eingeweiht.

Verkaufte BYD im Jahr 2016 rund 100 000 Stromautos, soll sich diese Zahl 2017 bereits verdoppelt haben. Hierbei handelt es sich jedoch in der Masse um preisgünstige Kleinwagen mit geringer Reichweite für den heimischen Markt.

Erfolgreich mit Geely

Einer der interessantesten asiatischen Automobil- und Motorradhersteller ist sicherlich Geely mit Hauptsitz in Hangzhou und weiteren sieben Standorten zur kompletten Produktion von Autos in Linhai, Ningbo, Luqiao, Schanghai, Xiangtan, Jinan und Lanzhou sowie der Einzelteileproduktion in Chengdu. Neben Geely gehören zu dem chinesischen Konzern auch die Marken Emgrand, Englon, London Taxi, Geely Panda, Shanghai Maple Automobile sowie die schwedische Traditionsmarke Volvo, die britische Sportwagenmarke Lotus, die malaysische Proton sowie der Flugauto-Hersteller Terrafugia.

In Europa trat Geely erstmals im September 2005 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt am Main in Erscheinung, machte jedoch im Jahr 2010 mit dem Kauf von Volvo für 1,8 Milliarden Dollar von sich reden. Seitdem schreibt dieses neue Konzernunternehmen mit Hauptsitz in Göteborg nahezu jährlich Rekordzahlen. Zudem wurde es nicht, wie seinerzeit prognostiziert, ausgeschlachtet. Inzwischen setzt Volvo massiv auf Elektroautos. Schon ab 2019 sollen sämtliche neu lancierten Automodelle auch über einen Elektromotor verfügen.

Selbstbewusste Anfrage

Unterdessen gibt sich Volvo-Eigentümer Geely immer selbstbewusster. Nicht nur, dass Geely an der Batterietechnologie für Elektroautos von Daimler Interesse zeigt und laut Medienberichten ein Gemeinschaftsunternehmen gründen möchte, auch an der Daimler AG selbst halten die Chinesen mittlerweile einen Anteil im Bereich von unter drei Prozent.

Bereits Ende letzten Jahres sorgte ein milliardenschweres Angebot an die Stuttgarter für Fantasie an der Börse. Insidern zufolge wollten die Asiaten bei Daimler über eine Kapitalerhöhung mit einem Anteil von bis zu fünf Prozent einsteigen, was jedoch auf Ablehnung stieß. Dennoch, der Aktienerwerb über die Börse stand und steht Geely weiterhin offen.

Investitionen in Lithium-Minen

Mit mehr als 500 000 verkauften Elektro- und Hybridwagen hat sich die Volksrepublik 2017 zum größten Absatzmarkt für E-Autos entwickelt. Entsprechend wird schon heute über 40 Prozent des Lithiums weltweit in China verbraucht. So verwunderte es auch nicht, als kürzlich publik wurde, dass sich der chinesische Autohersteller Great Wall Motors beim australischen Konzern Pilbara Minerals, der über große Lithium-Minen verfügt, eingekauft hat.

Robust und langlebig

Great Wall Motors gehört zu den größeren aufstrebenden Autoherstellern in China und hat seinen Sitz in Baoding. Der Name und das Markenemblem sind nicht zufällig gewählt, stehen sie doch für die Chinesische Mauer und vermitteln Robustheit und Langlebigkeit. Als erster chinesischer Autobauer wagte sich Great Wall Motors im Februar 2012 mit einem Montagewerk für Fahrzeuge in die Europäische Union – genauer gesagt, in das Dorf Bachowiza nahe der bulgarischen Stadt Lowetsch. Zudem entsteht im hessischen Dietzenbach seit 2016 ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für den europäischen Markt.

Ende einer Ära?

Um das Ende der Ära internationaler Marken in China einzuläuten, möchte Great Wall Motors, seit 14 Jahren der Marktführer im chinesischen SUV-Segment, in den Markt für hochpreisige SUVs einsteigen und hat dafür die Premiummarke Wey ins Leben gerufen. Doch noch stockt der Verkauf der neuen Marke. Daher könnte Great Wall Motors großes Interesse daran haben, seinen internationalen Marktanteil mit der Übernahme der zum Fiat-Chrysler-Konzern gehörenden Marke Jeep aufzuwerten. Auch wenn eine erfolgreiche Übernahme derzeit eher unwahrscheinlich ist, sorgten diese Gerüchte Ende Januar immerhin für den höchsten Stand der Fiat-Chrysler-Aktie an der Mailänder Börse seit 19 Jahren und zeigten den etablierten Autobauern, in welche Richtung sich die Branche entwickeln wird.

Viele Analysten haben bereits prophezeit, dass der Kampf um den Zukunftsmarkt Automobil eröffnet ist. Schließlich haben chinesische Unternehmen bisher vom Autoboom eher wenig profitiert, dienten sie doch einigen ausländischen Konzernen in der Vergangenheit eher als Werkbank.

Japanische Automobile

Die japanischen Automobilhersteller Toyota, Mitsubishi oder Nissan bedürfen dagegen keiner detaillierten Vorstellung. Ihre Modelle fahren schon seit langer Zeit auf asiatischen und europäischen Straßen.

So hat Mitsubishi beispielsweise den Skandal um manipulierte Spritverbrauchstests hinter sich gelassen und kürzlich seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr erhöht. Begründet wurde dies mit dem anhaltenden Wachstum in Asien, vornehmlich China, und den USA sowie Einsparungen durch die Partnerschaft mit dem japanischen Konkurrenten Nissan. Durch die Zusammenarbeit mit Renault und Nissan bei Entwicklung und Beschaffung beabsichtigt Mitsubishi, seine Kosten binnen drei Jahren um mehr als 700 Millionen Euro zu senken.

Dagegen wird sich bei Nissan ein Skandal um Sicherheitschecks in der Bilanz niederschlagen. Der japanische Autobauer senkte Anfang Februar seine Prognose für den Betriebsgewinn für das noch bis zum 31. März laufende Geschäftsjahr um fast 24 Prozent. Vorausgegangen war das Eingeständnis der Verantwortlichen, dass unqualifiziertes Personal Inspektionen in den Nissan-Fabriken vorgenommen hatte, woraufhin der Hersteller auf seinem Heimatmarkt eine ebenso kostspielige wie imageschädigende Rückrufaktion für rund 1,2 Millionen Fahrzeuge initiieren musste.

Dennoch – oder gerade deswegen – hat Nissan seine Ziele hoch gesteckt: Bis zum Jahr 2022 soll die Jahresproduktion von derzeit 1,5 Millionen auf 2,6 Millionen Fahrzeuge gesteigert und Nissan damit zu einem der drei größten Autobauer der Volksrepublik werden. Zu diesem Zweck wollen die Japaner gemeinsam mit einem chinesischen Partner umgerechnet 7,6 Milliarden Euro in China investieren und nach und nach bis zu 20 elektrisch betriebene Fahrzeugmodelle auf den Markt bringen.

Prognostizierter Fahrzeugabsatz nach Antriebstechnologie  in den USA, China und der EU (in Mio. Fahrzeuge)

Elektroantrieb für China

Wie groß der Druck geworden ist, zeigt die kurz vor Weihnachten veröffentlichte Planung von Toyota: Nachdem die Japaner jahrelang einen Bogen um das Thema Elektroauto gemacht und den Fokus auf die Brennstoffzelle gerichtet haben, sollen nun rein elektrische Autos produziert werden. Der Grund für diesen Sinneswandel ist natürlich die Politik der chinesischen Regierung, denn ansonsten droht der Abschied vom weltweit größten Markt.

Bis Anfang der 2020er-Jahre sind nun bis zu 10 Modelle mit reinem Batterieantrieb geplant. Zunächst sollen die neuen Toyota-Elektroautos in China verkauft werden. Für die Batteriefertigung strebt das Unternehmen eine innerjapanische Partnerschaft an. Ende 2017 erklärte Toyota, gemeinsam mit dem Tesla-Batteriezellenpartner Panasonic die Fertigung neuer, prismatischer Lithium-Ionen-Zellen zu erwägen. Das Ziel, im Jahr 2030 jährlich eine Millionen Elektroautos und 4,5 Millionen Hybride und Plugin-Hybride zu verkaufen, rückt so in greifbare Nähe. Doch dafür greift Toyota vorher tief in die Tasche. Rund 13 Milliarden Dollar sollen bis 2030 in die Akku-Entwicklung und -Produktion investiert werden, um damit die Feststoffbatterie zur Marktreife zu bringen. Das mag noch einige Jahre dauern. Heute steht jedoch schon fest: Die Mobilität von Morgen sieht – nicht nur in Asien – elektrisch aus.

 

Weltweiter Fahrzeugabsatz japanischer ­Automobilhersteller im ersten Halbjahr  2017 (in Mio. Stück)

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