Interview | 26.02.2018

Asiens Wirtschafts-Motor läuft immer besser

Die gute Verfassung der Wirtschaft Chinas greift mehr und mehr auch auf dessen Anrainerstaaten über. Am Rande der ASEAN-Konferenz 2018 konnte X-press mit Seiner Excellenz Bodo Krüger, dem Präsidenten des Deutsch-Asiatischen Wirtschaftskreises und Honorar-Generalkonsul von Nepal, über die positive Entwicklung in Asien sprechen.

„Zitat: Es wird spannend zu sehen, wie China mit der neu gewonnen Macht umgeht und wieviel Einfluss es anderen asiatischen Staaten wie Singapur, Südkorea oder Indonesien zur Gestaltung der Region zugesteht.”

Bodo Krüger
Gründer und Präsident Deutsch-Asiatischer Wirtschaftskreis e.V. (DAW)

X-press: Sehr geehrter Herr Generalkonsul, nach über zwanzig Jahren als Präsident eines deutsch-asiatischen Wirtschaftsvereins kennen Sie die ­Region Südostasiens sehr gut. Wie empfinden Sie die aktuelle Situation aus wirtschaftlicher Sicht?

Generalkonsul Krüger: Aus meiner Sicht entwickelt sich die Region prächtig und alle profitieren vom großen Bruder China. Dessen Wachstum der vergangenen 20 Jahre ist einzigartig. In sämtlichen Bereichen erbringt das Land Höchstleistungen. Ich bin immer wieder auf meinen Delegationsreisen positiv überrascht, wie schnell die Fortschritte im täglichen Leben, aber auch in der Infrastruktur dort festzustellen sind. Am deutlichsten erkennt man den steigenden Wohlstand an der Zunahme des Verkehrs auf der Straße: Wurden im Jahr 2005 erst rund fünf Millionen Pkw in China verkauft, so sind es zwischenzeitlich rund 25 Millionen jährlich. Das bedeutet: Jeder vierte Wagen heutzutage wird in China veräußert. Zum Vergleich: Ein Blick auf andere asiatische Länder macht die enorme Nachfrage nach Neuwagen deutlich. Im hoch entwickelten Japan werden derzeit ca. 4,1 Millionen und im menschenreichen Indien nur knapp über drei Millionen Autos pro Jahr verkauft.

X-press: Da Sie den Automobilsektor ansprechen: Für die großen deutschen Marken ist der wachsende asiatische Absatzmarkt ein Segen, kann das zukünftig so weitergehen?

Krüger: Alleine die Pkw-pro-Kopf-Zahlen in China lassen noch viel Potenzial übrig. Während in Deutschland im Jahre 2016 von 1000 Menschen 558 ein Fahrzeug besaßen, waren es in China erst 107. Wie bei uns in den Zeiten des Wirtschaftswunders, kaufen sich auch in China viele erst mal, sobald sie es sich leisten können, ein eigenes Auto.

X-press: Wie sehen Sie die Entwicklung der asiatischen Automobilentwickler – entstehen dort ernst zu nehmende Wettbewerber?

Krüger: Auf jeden Fall. Die chinesischen Autobauer haben aus den Flops der vergangenen Jahre gelernt. Erst mal greifen sie vorerst nicht mehr ganz so aggressiv in Europa an, sondern weichen auf andere Absatzmärkte wie Afrika und Südamerika aus, wo sie sich momentan ernsthaft etablieren. Daneben entwickeln sie mit hohem Tempo ihre Technik weiter. Automarken wie Geely, BYD oder Great Wall Motors sollte man sich merken, ich erwarte hier in Zukunft zahlreiche technische Überraschungen. Spätestens wenn diese Hersteller mit ihren Elektroautos den Markt angreifen, müssen sich unsere Hersteller warm anziehen.

X-press: Chinas Wirtschaftswachstum scheint derzeit ziemlich stabil zu sein. Wie schaut es in den umliegenden Ländern aus? Profitieren diese eher von dem starken Nachbarland oder zieht dieses nun alle Aufmerksamkeit und alle Investoren auf sich?

Krüger: Meiner Meinung nach ist es eine Win-win-Situation für alle. Mit der Gründung der Asiatischen Infrastruktur-Investmentbank AIIB und vor allem durch das Projekt der neuen Seidenstraße stellt das finanzstärkste Land der Welt Massen an Finanzmitteln zur Entwicklung der Region zur Verfügung. Daneben profitieren viele der Anrainerstaaten auch von den steigenden Lohnkosten Chinas. Dadurch werden sie für westliche Investoren immer attraktiver. Chancen sind somit vorhanden, nun müssen die einzelnen Länder sie nur richtig für sich nutzen.

X-press: Gibt es auch Risiken?

Krüger: Natürlich, wo es Licht gibt, gibt es auch Schatten. Es wird spannend zu sehen, wie China mit der neu gewonnen Macht umgeht und wieviel Einfluss es anderen asiatischen Staaten wie Singapur, Südkorea oder Indonesien zur Gestaltung der Region zugesteht.

Das Interview führte Ralph Wintermantel

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