Gold-Kommentar | 24.04.2018

Frühlingsgefühle

Ein bis dato komisches Jahr, was das Wettergeschehen anbelangt.

Ich musste leider verletzungsbedingt zwei Monate völlig mit dem Laufen pausieren – was mir wenigstens einen Marathon bei Schneefällen Mitte März erspart hat. Kaum greife ich jedoch wieder ins Wettkampfgeschehen ein, da kratzen die Temperaturen an früh- bis hochsommerlichen Werten und lassen den ambitionierten, aber schon heuschnupfengeplagten Läufer ordentlich schwitzen, während zeitgleich der Marathon in Boston bei Temperaturen um den Gefrierpunkt herum stattfindet (was den US-Präsidenten erstaunlicherweise nicht dazu veranlasst hat, den Klimawandel ein weiteres Mal als ‚fake news‘ zu bezeichnen). Noch nicht so ganz in Frühlingsform oder aber unter Frühlingsmüdigkeit leidend erschien lange Zeit unser gutes, edles Gold. Beim Schreiben dieser Zeilen hat es sich tatsächlich erdreistet, seit Jahresbeginn grob in einer dürftigen Handelsspanne zwischen 1303 Dollar/Unze und 1366 Dollar/Unze umgesetzt zu werden – also mit einer Schwankung von noch nicht einmal fünf Prozent. Solch eine Bewegung macht manche Technologie-Aktie innerhalb weniger Stunden, wenn mal wieder Quartalszahlen anstehen. Erstaunlich auch, dass der Goldpreis bis dato nicht stärker auf die herben Rücksetzer am Aktienmarkt, die geopolitischen Konflikte – insbesondere den Handelskonflikt zwischen den USA und China – und Ähnliches reagiert hat.

Irgendwie scheint Gold gefangen zu sein zwischen goldpreisfreundlichen Faktoren (relative Schwäche des Dollar, geopolitische Spannungen lassen ‚sichere Häfen‘ attraktiv erscheinen, niedriges Marktzinsniveau in Europa und Asien) und eher goldpreisbelastenden (weitere Zinserhöhungen in den USA). Auch charttechnisch scheinen – Stand Mitte April – dem Goldpreis enge Fesseln angelegt zu sein. Blickt man nämlich auf ein ­Ein-Jahres-Goldchart, fällt auf den ersten Bick auf, dass das edelste aller Metalle innerhalb von zwölf Monaten fünfmal an der Marke von 1365 Dollar/Unze gescheitert ist. Fast scheint es, als sei hier irgendeine unsichtbare Wand eingezogen. Umgekehrt kann dies aber natürlich heißen: Sobald der Goldpreis endlich einmal diese ima-ginäre Wand durchbricht, könnte es zu starken Anschlusskäufen kommen. Soweit die Theorie. Doch: Alles neu macht der Mai. Schauen wir mal, ob Gold aus den etwas langweiligen Handelsspannen nicht eher früher als später ausbricht.

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