Kolumne Dr. Ulrich Stephan | 24.04.2018

Handelsstreit: Autobauer zwischen den Fronten

Trotz andauernder Turbulenzen befindet sich die globale Automobilbranche aktuell wieder im Aufwind.

Die Verkaufszahlen und damit die Gewinne der Unternehmen legten zuletzt deutlich zu: Die Gewinnerwartungen für europäische Automobilhersteller beispielsweise wurden in den letzten sechs Monaten für 2018 und 2019 jeweils um rund 7 Prozent angehoben. Doch die jüngsten politischen Entwicklungen stellten diesen positiven Trend infrage: Insbesondere der Handelsstreit zwischen China und den USA sorgt für Unsicherheit unter den Marktteilnehmern. China, das bereits Importzölle in Höhe von bis zu 25 Prozent auf im Ausland hergestellte Fahrzeuge erhebt, drohte Anfang April mit einem Anstieg um weitere 25 Prozentpunkte für Pkw aus den USA. Kaum eine Woche später deutete Chinas Staatspräsident Xi Jinping jedoch an, sein Land weiter öffnen und Zölle auf ausländische Autos sogar senken zu ­wollen. Welche Richtung Peking nun ­einschlagen wird, ist ungewiss. Bei den US-amerikanischen Automobilherstellern dürften sich die negativen Auswirkungen neuer chinesischer Importzölle in Grenzen halten. Denn die meisten Modelle für den chinesischen Markt werden von den US-Konzernen bereits vor Ort produziert und wären damit gar nicht tangiert. Deutsche Autobauer hingegen dürften härter betroffen sein: Rund 10 Prozent der in China abgesetzten Fahrzeuge werden in den USA produziert und müssten dadurch höher verzollt werden. Sollten die Unternehmen diese Kosten an Kunden weitergeben, könnte die Nachfrage aufgrund der höheren Preise sinken – wenn die Unternehmen die Kosten hingegen selbst tragen, sinken die vereinnahmten Margen. In beiden Fällen werden die Hersteller durch die Zölle belastet. Insgesamt erwartet die Deutsche Bank aufgrund der aktuellen harmonischeren Töne aus China keine Verschärfung des Handelsstreits und geht von einer positiven Entwicklung für die Automobilbranche aus. Durch den anhaltenden technologischen Fortschritt wird zudem keine Verschlechterung der Marktstruktur erwartet. Ein Investment in breit gestreute Automobilaktien könnte für entsprechend risikobereite Anleger eine interessante Anlagemöglichkeit bieten.

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