Kunstwelten | 24.04.2018

Berlin - Darling der Kunstszene

Museen, Galerien und Kunstevents machen Berlin auch zur Hauptstadt der deutschen Kunstszene. Die Hotspots finden sich über das ganze Stadtgebiet verteilt.

In Berlin wird Kunst zelebriert wie in keiner anderen Stadt in Deutschland – Schauplätze sind Messen, Artweeks und Events. Regelmäßig nehmen Lokalmedien diese Gelegenheiten zum Anlass, die Frage aufzuwerfen, ob es die Hauptstadt mit vergleichbaren internationalen Veranstaltungen aus der A-Liga aufnehmen kann. Ein für Berlin vielleicht zu eindimensionaler Vergleich, weil es im Kunstangebot der Hauptstadt nicht nur um die Präsentationsmöglichkeiten von Vertretern der Spitzenwerte geht, sondern auch um alternative Bühnen für Künstler. Es stellt sich beim Thema Kunst in Berlin nicht die Frage des Entweder-oder – sondern es geht um ein Sowohl-als-auch. Und Berlin bietet eben gerade beides: neben traditionsreichen Kulturinstitutionen eine ständig wachsende Zahl von neuen Galerien, Veranstaltungen oder Kunstevents. Nur in einem solchen Kosmos können Projekte wie „The House“ gelingen.

Interview

Unternehmer und Kunstsammler

1943 im Elsass geboren, führt Dirk Gädeke mit zwei seiner Söhne die Immobilien-Gruppe „Gädeke & Sons“ in Berlin. Dort saniert er gerade den unter Denkmalschutz stehenden Kant-Garagen-Palast, in dem auf 1200 Quadratmetern die neue Galerie von Michael Schultz entsteht. Zu den in Gädekes Sammlung vertretenen Künstlern gehören unter anderem Andy Warhol, Georg Baselitz, Wolf Vostell, Jörg Immendorff, Christo und Robert Rauschenberg.

Dirk Gädecke

Vier Etagen eines ehemaligen Bankhauses in Schöneberg wurden im letzten Jahr für 100 Street-Art-Künstler aus der ganzen Welt geöffnet. Jeden Raum verwandelten sie in eine eigene Welt aus Installationen mit Kunst, so wurde das Abrisshaus selbst zum Gesamtkunstwerk. Das strikte Kameraverbot, die limitierte Dauer der Ausstellung (sie war nur für einige Monate zu besichtigen, dann wurde alles abgerissen) und die Einzigartigkeit dieser riesigen Künstlerkommune ließen die Warteschlangen von „The House“ auf Hunderte Meter wachsen und auch die New York Times darüber berichten.

Berlin weiß um die Bedeutung und die Strahlkraft der Kunstszene und die Förderung hat eine lange Tradition. Eine der ältesten Institutionen, die sich darum bemüht, ist die Akademie der Künste, deren Vorgeschichte bis 1696 zurückreicht. Mit ihrem Hauptsitz residiert sie an prominenter Stelle direkt am Brandenburger Tor. Die Liste der Akademiepräsidenten, Direktoren und Ehrenmitglieder liest sich wie das Who‘s who der deutschen Hochkultur-Szene: von Johann Wolfgang von Goethe über Felix Mendelssohn Bartholdy bis zu Daniel Libeskind. Neben Ausstellungen bietet die Akademie ein täglich wechselndes Programm kultureller Veranstaltungen.

Eine dagegen vergleichsweise kurze Vergangenheit hat die Berlinische Galerie. Das 1975 eröffnete Museum konzentriert sich auf Werke, die seit 1870 in Berlin entstanden sind. Sonderausstellungen und eine ständige Präsentation, die in vielen Motiven die legendären 1920er Jahre beschreibt, sind die zwei Säulen dieses Tempels der modernen und zeitgenössischen Kunst. Von außen wenig spektakulär, überrascht er mit seinen Ausmaßen im Inneren. Noch bis zum 28. Mai sind hier die Ende der 1940er Jahre entstandenen Collagen von Eduardo Paolozzi zu sehen, die besonders britische Pop-Art inspirierten.

In der Charlottenburger Mommsenstraße findet sich eine der wichtigsten Galerien Berlins. Michael Schultz vertritt bedeutende Künstler wie zum Beispiel Gerhard Richter, Markus Lüpertz und SEO. Seine Ausstellungen zeigt er aber nicht nur in seinen Galerieräumen, sondern auch im Hotel Mond in der nahe gelegenen Bleibtreustraße. Bis 11. Juni ist hier „Andy Warhol – Warhol Unlimited“ zu sehen. Als kulinarischer Künstlertreff hat sich das Restaurant Lutter & Wegner (Skulpturen und Werke u.a. von Jean Y. Klein) etabliert. Rund um die Auguststraße in Mitte liegt ein Epizentrum für zeitgenössische Kunst. Hier lässt sich ein ganzer Tag mit dem Besichtigen von Galerien verbringen. Eine schöne Gelegenheit hierfür ist zum Beispiel die Berlin Art Week im September. Einer der aufregendsten Orte ist die von Johann Haehling von Lanzenauer gegründete Circle Culture der Gipsstraße. Vor 17 Jahren ins Leben gerufen, wollte die Galerie zunächst der Street Art eine Plattform geben. Haehling von Lanzenauer: „Heute würde ich unser Angebot als zeitgenössische Kunst bezeichnen.“ Sein neuestes Projekt ist ein Club, der sich mit dem Themenkreis Kunst und Natur beschäftigen wird. Veranstaltungsort der Clubtreffen: die Circle Culture Gallery oder das Hotel de Rome am Bebelplatz. Dort präsentiert er auch, ab Ende April, die nächste Ausstellung von Julian Schnabel.

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