Titelthema | 24.09.2018

Bezahlt - Mobile Payment

Während einige Länder bereits auf dem Weg zur bargeldlosen Gesellschaft sind, bleiben die Deutschen beim Thema Mobile Payment eher zurückhaltend. Global gesehen ist mobiles Bezahlen schon jetzt ein Megatrend. Mit einem neu emittierten X-markets-Zertifikat können Anleger in Deutschland jetzt erstmals daran teilhaben.

Immer wenn Jonas Bergman seine Freundin in Berlin besucht, kann er nur den Kopf schütteln und staunen, wie rückständig Deutschland offenbar ist. Dass sie ständig Bargeld und sogar Münzen mit sich rumschleppen müssen, wenn sie auf Entdeckungstour durch die Hauptstadt gehen, erscheint ihm – anders als seiner deutschen Freundin Elisa – umständlich, unhygienisch und vor allem altmodisch. Vor zehn Jahren hat man das vielleicht noch so gemacht, aber 2018?

Zu Hause in Schweden ist das ganz anders. Dort zahlt er alles per Smartphone. Und zwar nicht nur Einkäufe bei Online-Versandhäusern, im Supermarkt, in Szene-Restaurants und an der Tankstelle, sondern auch die Zimtschnecke in der Bäckerei und die Bockwurst beim Straßenhändler. Auch die 50 Kronen für das Obdachlosenmagazin „Situation Stockholm“, das Jonas in der Stockholmer U-Bahn Tunnelbana von einem wohnsitzlosen Verkäufer erwirbt, zahlt er per Handy, ebenso wie die Spende für eine Kinderkrebsstation. Ein freundliches Lächeln des Zeitungsverkäufers belohnt ihn in kürzester Zeit. Einfach den Code, den dieser auf einem Schild um den Hals hängen hat eintippen, per TAN bestätigen und schon hat Jonas ein gutes Werk getan. Die Miete für seine kleine Wohnung läuft sowieso über sein Handy.

die bargeldlose gesellschaft

Alle diese Transaktionen werden über Swish abgewickelt, eine App, die sechs große schwedische Banken in Zusammenarbeit mit der Reichsbank, der Zentralbank des Landes, bereits 2012 eingeführt haben. Das mühsame Suchen nach verborgenem Kleingeld in der Jackentasche oder der zeitraubende Austausch von Münzbergen an der Supermarktkasse entfällt selbst bei noch so krummen Beträgen. „Ham Se’s nicht ein bisschen kleiner?“, hört Jonas in seinem Heimatland praktisch gar nicht. Dabei beschränken sich mobile Transaktionen nicht nur aufs Kaufen und Verkaufen: Wenn Freunde für eine Party am Wochenende Getränke besorgen, überweist er ihnen seinen Anteil ebenso per Swish.

6,5 Millionen der 10,2 Millionen Landsleute von Jonas nutzen die App – das sind zwei Drittel aller Schweden. Die schiere Anzahl der Nutzer macht deutlich: Mobile Payment ist in Schweden längst nicht mehr nur eine Sache der jungen Generation, sondern in praktisch allen Altersschichten angekommen. Ebenso wie die Nachbarländer Norwegen und Finnland, wo die Mehrheit der Zahlungsvorgänge ebenfalls per Mobiltelefon getätigt wird, ist Schweden damit auf dem Weg zu einer „cashless society“, einer bargeldlosen Gesellschaft. Fast jeder nutzt die Bezahl-App und fast jeder akzeptiert sie. Auch Elisa genießt die ungewohnte Freiheit von Münzgeld und abgegriffenen Scheinen, wenn sie Jonas besucht. Allerdings ist ihr das Ganze aus Datenschutzgründen ein wenig unheimlich. Auch, wenn Jonas immer wieder darauf verweist, dass das Verfahren sicher sei, es klare Regeln gebe und er sowieso keine Geheimnisse habe. Nur Gangster brauchen Bargeld, meint Jonas. Wer bar bezahlt, hat etwas zu verbergen. Entsprechend niedrig ist die Zahl der Banküberfälle in dem skandinavischen Land, allerdings steigt umgekehrt die Zahl der Identitätsdiebstähle.

Bargeld lacht

Den Versuch, auch in Deutschland ohne Portemonnaie unterwegs zu sein, haben Elisa und Jonas dagegen schnell aufgegeben: zu wenig Akzeptanz, zu viele verschiedene Anbieter, zu umständliche Verfahren. In Deutschland, da sind sich die beiden einig, kommt man am besten mit EC-Karte und Bargeld durch. Noch, meint Jonas.

In der Tat ist Deutschland so etwas wie eine „Mobile-Payment-Diaspora“. Ein einheitliches System, wie es die EC-Karte seit Jahrzehnten ist, existiert nicht. Vor allem sind es Bedenken hinsichtlich einer lückenlosen Überwachbarkeit, die die Deutschen davon abhalten, ein Volk mobiler Zahler zu werden – das Erbe zweier Überwachungsstaaten auf deutschem Boden im letzten Jahrhundert. So ergab eine Studie von PwC, dass Sicherheit und Datenschutz eine überragende Bedeutung für die Akzeptanz von mobilem Bezahlen in Deutschland haben. Auch die häufigen Währungswechsel, die viele ältere Deutsche mitgemacht haben, tragen wohl dazu bei, dass in kaum einem anderen Land Bargeld so freundlich lacht wie in Deutschland.

AUF EINEN BLICK
WKN DS8PAY
Name Mobile Payment Index Zertifikat
Brief 89,94 EUR
Laufzeit Open End
Stand 15.12.2018 15:38:36 Quelle: Deutsche Bank AG

aufholpotenzial

Nur eine Minderheit hat bislang überhaupt Erfahrungen mit dem mobilen Bezahlen gesammelt – die Ergebnisse schwanken je nach Studie zwischen sieben und knapp 15 Prozent. Anders als in Skandinavien sind das vor allem junge Menschen aus der Altersgruppe der Digital Natives (der Generation also, die in digitalen Welt aufgewachsen ist). Wie die Zahlen auch immer aussehen mögen, Deutschland liegt im internationalen Vergleich gegenwärtig ziemlich weit hinten. Dass dies nur eine Momentaufnahme ist und mobile Zahlungsformen auch hierzulande an Popularität gewinnen werden, zeigen zahlreiche Prognosen. Durch die gegenwärtige geringe Mobile-Payment-Verbreitung in Deutschland besteht aber auch ein enormes Aufholpotenzial. Deutsche Unternehmen wie Wirecard sind hier schon längst viel weiter, setzen ganz bewusst auf den Zukunftstrend Mobile Payment, erhalten viel Lob von Analysten und Marktteilnehmern und werden dafür an der Börse mit steigenden Kursen belohnt (siehe Kasten gegenüberliegende Seite). Mit „boon“ hat das Unternehmen seit 2015 eine mobile Bezahl-App im Programm, die auf einer virtuellen Kreditkarte des Wirecard-Partners Mastercard basiert. Gegen eine monatliche Gebühr können beispielweise Handybesitzer in der Schweiz mobil mit boon bezahlen.

Auf dem Heimatmarkt in Deutschland ist die App derzeit dagegen erst für Besitzer von Android-Telefonen verfügbar, die Google Pay verwenden. Große Einzelhandelsketten sowie die Discounter Aldi und Lidl sind bereits dabei. Sobald die noch für dieses Jahr geplante Einführung von Apple Pay erfolgt ist, können auch Besitzer von iOS-Geräten das System nutzen. Dass bereits zahlreiche Banken und Kreditinstitute angekündigt haben, Apple Pay unterstützen zu wollen, kann der Akzeptanz von boon und anderen Apps nur zugutekommen.

Allerdings ist boon im Prinzip eine mobile Kreditkarte, die aufgeladen werden muss und wie ihre physischen Pendants entsprechende Terminals voraussetzt. Direkte Transaktionen von Nutzer zu Nutzer sind damit nicht möglich – und boon also, wie auch andere ähnliche Apps, somit noch kein echtes Mobile-Payment-Angebot.

die treiber des booms

Zwar ist Mobile Payment in traditionell technik-affinen Ländern wie Großbritannien, Japan oder den USA weiter verbreitet als in Deutschland – die wahren Treiber des weltweiten Mobile-Payment-Booms sind aber auch diese Länder nicht. Das kumulierte jährliche Wachstum von 18,2 Prozent, das Prognosen in den kommenden vier Jahren beim Volumen mobiler Finanztransaktionen erwarten, wird zu einem großen Teil von Ländern in Asien und Afrika gespeist. Hier verdrängt das mobile Zahlen nicht nur zunehmend das Bargeld, sondern wird wie in Skandinavien zum dominierenden Format für eine ganze Reihe von Zahlungen.

stark in schwellenländern

Gerade in Schwellenländern löst Mobile Payment viele Probleme und bietet einen klaren Mehrwert: In vielen dieser Länder ist die Mobilfunkabdeckung ordentlich und ein Handy (zumindest gebraucht) für viele erschwinglich. Dank Prepaid-Karten ist nicht einmal ein Konto dafür erforderlich – gerade in Afrika eine wichtige Erfolgsbedingung. Eine entsprechend aufgeladene Karte vorausgesetzt, sind mit Apps wie M-Pesa von Safaricom aus Kenia und Vodafone Zahlungen und Geldtransfers per SMS möglich. Kosten fallen nur pro Transaktion an und sogar die Bareinzahlung und die Barauszahlung an Nichtteilnehmer sind über sogenannte M-Pesa-Agenten möglich.

Vorreiter china

Das weltweit höchste Volumen bei mobilen Transaktionen wird in der Volksrepublik China erzielt. Das hängt auch mit der typischen Internetnutzung im Reich der Mitte zusammen: 750 Millionen Chinesen sind online, 96 Prozent von ihnen nutzen das Mobiltelefon für den Internetzugang. Ein Großteil besitzt gar keinen Desktop-Computer (mehr). Kein Wunder, dass eine halbe Milliarde Chinesen heute über das Handy zahlt: QR-Code scannen, Betrag eintippen, bestätigen, fertig. Viele Millionen Mal täglich. Die Bandbreite der Transaktionen reicht von Kleinstbeträgen bis zum Autokauf. Zwar gibt es rund 200 verschiedene Mobile-Payment-Plattformen, rund 80 Prozent des Marktvolumens entfallen jedoch auf Alipay und WeChat Pay. Die Gründe für den Erfolg leuchten ein: Die Fintech-Firmen haben über ihre Mütter, den Onlineshop Alibaba und das soziale Netzwerk WeChat, einfachen Zugang zu einem riesigen Kundenstamm, die Bezahlfunktionen können somit an erfolgreiche Portale angehängt werden. Durch die breite Marktabdeckung wird zumindest eine der beiden Bezahl-Apps praktisch immer akzeptiert. Vor allem aber ist mobiles Zahlen einfach. Aufgrund staatlicher Regulierung ist der Weg beispielsweise zu einer international anerkannten Kreditkarte dagegen vergleichsweise mühsam.

auf dem sprung

Die Nutzerzahlen der beiden großen chinesischen Anbieter sind gewaltig und dokumentieren das riesige Potenzial des Marktes: 520 Millionen Menschen weltweit zahlen mit Alipay, WeChat Pay kommt auf 600 Millionen. Längst breiten sich die Apps nicht nur in Asien aus, sondern sind auf dem Weg nach Europa. Auch nach Deutschland. Damit sich die vielen shoppinghungrigen chinesischen Touristen ganz wie zu Hause fühlen können, werden Alipay und WeChat Pay inzwischen in vielen Geschäften in Flughäfen und touristischen Hotspots in Deutschland akzeptiert. Lokaler Partner ist übrigens Wirecard.

ein Index mit der ganzen branche

Wirecard gehört auch zu den Mitgliedern des Solactive Mobile Payment Index, der die Wertentwicklung von 20 Unternehmen abbildet, die die Mehrheit ihrer Umsätze im mobilen Zahlungsverkehr generieren. Darunter sind auch bekannte Namen wie Visa oder PayPal. Dass die beiden chinesischen Dienstleister fehlen, muss nicht verwundern, denn weder Alipay noch WeChat Pay sind börsennotiert. Auch dass die meisten Unternehmen, selbst wenn sie wie Global Payments oder Total Systems Services im S&P 500 geführt werden, wohl nur Fachleuten geläufig sind, ist nicht außergewöhnlich. Sie erbringen nämlich oftmals genau die Dienstleistungen im Hintergrund, auf die die großen Mobile-Payment-Marken angewiesen sind, um reibungslos funktionieren zu können. Das X-markets-Zertifikat mit der WKN DS8PAY macht den Index jetzt erstmals auch für Privatanleger investierbar.

 

AKTUELLE ZUSAMMENSETZUNG DES MOBILE PAYMENT INDEX

 

Die Zukunft des Mobile Payment, da sind sich nicht nur die meisten Experten sicher, hat gerade erst begonnen. Jonas Bergman jedenfalls ist fest davon überzeugt, dass es gar nicht mehr lange dauern wird, bis er auch in Deutschland endlich kein Kleingeld mehr mit sich herumschleppen muss.

 


 


wirecardWirecard – ehrgeiziger Börsenliebling mit großen Zielen

Mit dem prestigeträchtigen Aufstieg in den Dax hat der Zahlungsdienstleister Wirecard seine Rolle als Favorit vieler Anleger bekräftigt. Bereits seit 2000 an der Börse notiert, zeichnet sich das 1999 gegründete Unternehmen aus dem Münchener Umland durch eine für deutsche Finanzwerte seltene Dynamik aus. Im laufenden Kalenderjahr hat sich der Aktienkurs fast verdoppelt, während der Dax im gleichen Zeitraum ein Minus von 6 Prozent hinnehmen musste. Auch die Marktkapitalisierung von über 21 Mrd. Euro ist für ein immer noch junges Unternehmen mit gerade einmal knapp 4500 Mitarbeitern beeindruckend. Langfristig betrachtet ist die Erfolgsgeschichte des Geschäfts mit der digitalen Zahlungsabwicklung sogar noch imposanter:  Anleger, die vor fünf Jahren bei Kursen unter 25 Euro eingestiegen wären, könnten sich heute über einen Wertzuwachs von mehr als 600 Prozent freuen. Grund des Erfolgs ist die Zunahme digitaler Zahlungsströme, für deren Abwicklung Wirecard intergrierte Lösungen anbietet. 200 000 Kunden nutzen seine Services, zudem bestehen Kooperationen mit namhaften Unternehmen wie beispielsweise Apple oder Aldi und Lidl. Besonders wichtig ist die starke Präsenz in China mit Partnern wie Alibaba, Tencent und WeChat, die selbst über enorme Reichweiten in diesem gigantischen Markt verfügen. Außerdem genießt dort mobiles Bezahlen eine weitaus größere Akzeptanz als in Deutschland. Mehr als 120 Mrd. Zahlungsvorgänge hat Wirecard nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr abgewickelt und damit Umsätze in Höhe von 1,5 Mrd. Euro erzielt – 45 Prozent mehr als im Vorjahr. Wirecard wird weiter wachsen, jedenfalls wenn es nach Vorstandschef Markus Braun geht: Das bisher Erreichte sei nur ein „müder Abklatsch“ dessen, was man noch erreichen könne. Braun erwartet die Umstellung auf digitales Bezahlen im Einzelhandel innerhalb der nächsten zehn Jahre.

DISCOUNT-ZERTIFIKAT AUF WIRECARD
WKN DS4MV7
Name Wirecard AG Discount-Zertifikat
Brief 111,31 EUR
Cap 130,00
Laufzeit 19.12.2019
Stand 15.12.2018 15:38:36 Quelle: Deutsche Bank AG
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