Interview | 24.09.2018

Abstraktion und Wirklichkeit

Mit seinen verzerrten Bildern der realen Welt fasziniert der Züricher Maler Andy Denzler die internationale Kunstwelt. Das Aufregende: Er nutzt die Kamera wie ein Skizzenheft und malt dann die Fotos in klassischer Ölmalerei ab. So erschafft er eine Ebene zwischen der realen und fiktiven Welt. Seine Porträts wirken durch die Verzerrungen auf eine eigentümliche, intensive Art. In der Kunstszene hat er sich mit diesem Stil eine ganz eigene Position geschaffen. Gerade arbeitet Denzler an seiner neuen Aus- stellung, die ab 7. Dezember in Zürich zu sehen sein wird.

Andy Denzler

X-press: Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Andy Denzler: Als ich anfing, experimentierte ich viel auf dem abstrakten, nichtfigürlichen Gebiet, um meine eigene visuelle Bildsprache zu entwickeln. Ich wurde damals sehr von abstrakten amerikanischen Expressionisten beeinflusst, aber auch von Züricher Künstlern wie Max Bill und Paul Lohse. Ich bin noch mit schwarz-weiss Fernsehen aufgewachsen. Sehr geprägt wurde ich aber von der großen Zeit der Videos in den 1980er Jahren. Die VHS-Videos haben mich beim Malen dazu inspiriert, auch Bewegung und Verzerrung in Form von Bildstörungen abzubilden. Dadurch wurde ich inspiriert, beim Malen auch Bewegung und Verzerrung in Form von Bildstörungen abzubilden. Ich begann dann Menschen, die im ­Zentrum meines Schaffens stehen, fotografisch festzuhalten, um sie dann in Öl auf Leinwand zu malen.

X-press: Welche Bedeutung hat Malerei für Sie?

Andy Denzler: Malerei gibt es schon seit Tausenden von Jahren und ich glaube, in der zeitgenössischen Kunst gilt sie noch immer als Königsdisziplin. Es geht mir nicht darum, dekorativ zu malen, sondern den Betrachter zu bewegen und seine eigene Wahrnehmung zu interpretieren.

X-press: Was reizt Sie an der Kunstmetropole Zürich?

Andy Denzler: Ich bin hier geboren und aufgewachsen und der Stadt sehr verbunden. Zürich hat eine sehr lebendige und traditionsreiche Künstlerszene sowie eine bedeutende Sammlerszene. Ich Reise sehr gern und lasse mich inspirieren, aber für meine eigentliche Arbeit ist Zürich perfekt. Mein Atelier liegt direkt an einem Flusslauf am Stadtrand von Zürich und bietet ein perfektes Umfeld für meine Arbeit. Zudem baue ich mir ein zweites Atelier im Stadtzentrum auf, um den Puls der Stadt auch unmittelbar zu spüren. Einige Modelle für meine aktuellen Arbeiten kommen aus der jungen, urbanen Züricher Kreativszene.

Das Interview führte Jürgen Wenzel

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